Anderkonto Rechtsanwalt

Kanzleiorganisation

Ein Anderkonto ist eine besondere Form eines Bankkontos. Es zeichnet sich dadurch aus, dass eine Person im eigenen Namen für eine andere Person das Anderkonto unterhält. Häufig fällt in diesem Zusammenhang der Begriff Treuhandkonto, der als Synonym anzusehen ist.

Gesetzliche Grundlage eines Anderkontos

Gesetzlich ist ein Anderkonto im deutschen Auftragsrecht gemäß §§ 622 ff BGB geregelt. Für Rechtsanwälte besitzen Anderkonten einen hohen Stellenwert und sind teilweise verpflichtend zu gründen. Für den Fall, dass Anwälte fremde Gelder annehmen, die in der Regel dem Mandanten zustehen, muss dieses auf ein Anderkonto eingezahlt werden. Eine Besonderheit ergibt sich für den Fall, dass das eingehende Geld unverzüglich weitergeleitet wird. Ist dies der Fall, dann ist ein Treuhandkonto nicht unbedingt notwendig. 

Sammelanderkonto oder doch lieber Einzelanderkonto?

Grundsätzlich reicht es aus, wenn ein Rechtanwalt ein Sammelanderkonto besitzt, bei dem die Zahlungen der einzelnen Mandanten eingehen. Eine Besonderheit ergibt sich nur für den Fall, dass der Einzahlungsbetrag über 15.000€ liegt. Ist dies gegeben, dann muss der Rechtsanwalt oder die Rechtsanwältin ein gesondertes Einzelanderkonto einrichten und das Geld einzahlen lassen. In der Praxis kommt dies häufig bei Grundstücksverkäufen vor. Die Banken haben dabei eigenständige Vertragsbedingungen und Gebühren, die von den normalen Bankkontobedingungen abweichen können.

Welche Besonderheiten ergeben sich für einen Rechtsanwalt?

Dem Rechtsanwalt unterliegt beim Anderkonto Rechtsanwalt die eigenverantwortliche Überprüfungspflicht, dass die Vorgänge auf dem Anderkonto Rechtsanwalt der Richtigkeit entsprechen. Bei Fehlern oder Unachtsamkeit des Anwaltes wird eine eigenständige Haftung des treuhänderisch tätigen Rechtsanwalts begründet.  Auch eine Besonderheit ergibt sich bei einer drohenden Insolvenz des Anderkonto-Inhabers. Geht der Rechtsanwalt in Insolvenz, dann steht dem Eigentümer des Geldes auf dem Anderkonto Rechtsanwalt ein Aussonderungsrecht zu. Die treuhänderisch verwalteten Beträge gehören nach der Insolvenzordnung nicht der Insolvenzmasse an, sodass eine Gefahr für die fremden Gelder nicht besteht.


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Bisherige Kommentare (2)

detlev  (12.05.2017 09:29 Uhr):
Ein Freund von mir hat ein Anderkonto mit einem Anwalt eröffnet und kagt mit einer Sammelklage gegen eine Kapitalanlage ein, er ist der Kläger und die Mandanten haben ihm die rechtlichen und witrschaftlichen Ansprüche abgetreten. Seit vor letzter Woche musste er selbst in Insolvenz gehen und befürchtet nun, dass das Anderkonto beim Anwalt in seine Masse mit hinein läuft. Habe gefragt, ob er einen Vertrag mit dem Anwalt hätte wegen dem Anderkonto, er sagt nein. Gleichzeitig ist sein Insolvenzverwalter in die Klage eingesprungen und mein Freund hat dort nichts mehr zu melden, außer Beweise bringen. Wie sollte er sich verhalten? Ist er nicht Inhaber des Kontos?? Mit freundlichen Grüßen
Spree  (05.08.2016 05:18 Uhr):
Ja, alles schön und gut, aber wann muss der Rechtsanwalt das Anderkonto löschen oder an den Begünstigten auszahlen?

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