Veröffentlichung der Tonaufzeichnung eines Interviews

Dieses Thema "Veröffentlichung der Tonaufzeichnung eines Interviews - Urheberrecht" im Forum "Urheberrecht" wurde erstellt von Neugier!!!, 25. Oktober 2010.

  1. Neugier!!!

    Neugier!!! Neues Mitglied 25.10.2010, 21:42

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    Veröffentlichung der Tonaufzeichnung eines Interviews

    Der Interviewer I führt ein Interview mit A und B, das er als Gedächtnisstütze mit dem Tonband aufzeichnet. A und B sind mit der Aufzeichnung einverstanden. Das Interview wird dann in einer Zeitschrift veröffentlicht.
    Ca. ein halbes Jahr später plant I das Interview im Rahmen einer Ausstellung als Tondokument zu veröffentlichen und fragt A und B, die mittlerweile nicht mehr gut aufeinander zu sprechen sind, um Erlaubnis.
    A ist mit der Ausstellung des Tondokuments einverstanden. B erteilt I keine Erlaubnis.

    Fragen:
    1. Darf I das gesamte Interview ausstellen?
    2. Darf I Ausschnitte des Interviews, in welchen ausschließlich A spricht ausstellen?
    3. Darf I das Interview nachsprechen:
    a) im O-Ton?
    b) in der gedruckten und bereits veröffentlichten Fassung?
    4. Darf I eine Abschrift des O-Tons ausstellen, die er während der Bearbeitung des Interviews angefertigt hat?
     
  2. Gerd aus Berlin

    Gerd aus Berlin V.I.P. 26.10.2010, 00:04

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    AW: Veröffentlichung der Tonaufzeichnung eines Interviews

    Zunächst kann ein gesprochener Text auf zweierlei Art ein geschütztes Werk sein im Sinne des § 2 UrHG:

    1.) Als Text selbst, sofern dieser eben die nötige Schöpfungshöhe aufweist. Dies ist nicht in jedem Interview der Fall.

    2.) Als gesprochene Sprache. Spricht ein Schauspieler einen literarischen Text, so wie meist für Hörbücher, dürfte dafür die nötige Schöpfungshöhe gegeben sein. Eher nicht, wenn ich dir sage, "Gute Frage! Ich sehe das so ...", oder ein Politiker oder auch ein Künstler - anders könnte es aussehen, wenn das Interview eine Art von Happening darstellt, also auch in seiner Sprech-Form einen künstlerischen Akt.

    Ist nun das Interview ein typisches Gruppeninterview - 1-2 Leute stellen wohlüberlegte und -formulierte Fragen mit viel Sachverstand, 2 Leute antworten ebenso, und alle interagieren dabei und befruchten sich gegenseitig -,

    dann sollte das gesamte Interview als Gemeinschaftswerk gelten - so wie die Zusammenarbeit zwischen Textern und Komponisten für eine Single oder ein Musical:
    Wider Treu und Glauben ist nun ein weites Feld, aber verkürzt gesagt: Wenn ein Miturheber keinen nennenswerten Grund hat, den anderen Miturhebern die weitere Verwertung des Gemeinschaftswerkes zu verwehren, als schiere Missgunst, dann sollte ein Gericht das als wider Treu und Glauben einordnen können.

    Lässt man nun aber Passagen, Teile des Werks, weg, die von einem der Miturheber stammen, dann könnte, muss aber nicht das Verbot einer Verbreitung einer Bearbeitung eines Werkes ohne Zustimmung des (Mit-)Urhebers gelten. Und da gelten für Treu und Glauben sicher andere Voraussetzungen, den Verhuntzen lassen muss ich mein Gemeinschaftswerk von einem Miturheber nicht!

    Soweit Teile des Werks aber auch einzeln verwertbar sind, s.o., sieht es sicher anders aus.

    Das Verbreiten eines gesprochenen Interviews als gedruckten Text löst nur einen Teil der urheberrechtlichen Problematik, s. Punkt 2.) ganz oben.

    Gruß aus Berlin, Gerd
     
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  3. Neugier!!!

    Neugier!!! Neues Mitglied 26.10.2010, 01:38

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    AW: Veröffentlichung der Tonaufzeichnung eines Interviews

    Vielen Dank für die Antwort Gerd!

    Hier noch einige Ergänzungen und weitere Fragen:

    Angenommen A und B sind zwei Geschäftspartner, die über die Entstehung ihres Unternehmens, den Verlauf, die Besonderheiten, den Erfolg und die möglichen Gründe dafür gesprochen haben. Dann wäre wohl nicht die nötige bzw. keine Schöpfungshöhe gegeben und der Fall wäre somit auch nicht nach dem UrHG zu beurteilen?
    Gibt es noch andere Rechte die I Verletzten würde, wenn er die Tonaufzeichnung des Interviews veröffentlicht?
    Zum Zeitpunkt des Interviews sind A und B ja davon ausgegangen, dass das Interview nur gedruckt wird. Die Tonaufzeichnung war nur als Gedächtnisstütze gedacht.
     
  4. Gerd aus Berlin

    Gerd aus Berlin V.I.P. 26.10.2010, 19:30

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    AW: Veröffentlichung der Tonaufzeichnung eines Interviews

    1.) Ein komplexer intelligenter Dialog über die Entstehung eines Unternehmens sollte schon die nötige Schöpfungshöhe haben, um Urheberrechtsschutz zu genießen.

    2.) Die gesprochene Ausgestaltung der Texte aber eher nicht: "So wie mer hald redd" zu reden ist selten ein Schöpfungsakt - mal im Vergleich zum Hamlet-Monolog eines Schauspielers.

    3.) Neben dem Werk geschützt ist aber noch das Allgemeine Persönlichkeitsrecht des Sprechenden. Deshalb muss der in der Regel ausdrücklich zustimmen, wenn sein gesprochenes Wort verbreitet werden soll als gesprochenes Wort, also als Tonaufnahme. Vgl. dazu das BVerfG, hier in Kurzform (da im Volltext):
    4.) Verschärft wäre ein Verstoß dann noch bei einer (selbst als Notiz) nicht genehmigten Aufnahme, was hier aber nicht vorliegt.

    Gruß aus Berlin, Gerd
     
  5. once

    once V.I.P. 29.10.2010, 00:18

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    AW: Veröffentlichung der Tonaufzeichnung eines Interviews

    Das Bundesverfassungsgericht hat aus dem Grundrecht auf freie Entfaltung der Persönlichkeit einen Schutz des "Rechts am gesprochenen Wort" in der Weise, daß "grundsätzlich jedermann selbst und allein bestimmen [darf], wer sein Wort aufnehmen soll sowie ob und vor wem seine auf einen Tonträger aufgenommene Stimme wieder abgespielt werden darf" mit folgenden Erwägungen begründet:

    Offenkundig erachtet das BVerfG die freie Entfaltung der Persönlichkeit nicht schon durch jede Verwertung einer Aufzeichnung nicht-öffentlich gesprochener Worte für berührt, sondern erst bei einer gegen den erklärten Willen erfolgenden Verwertung durch öffentliche Wiedergabe einer heimlichen Aufzeichnung.

    Inwieweit nun das Grundrecht auf freie Persönlichkeitsentfaltung einen Schutz des gesprochenen Worts in einer so weitgehenden Weise gewähren sollte, daß dem Sprecher das alleinige Bestimmungsrecht über das öffentliche Abspielen einer genehmigten Aufzeichnung eines Interviews, dessen Veröffentlichung in einer Zeitschrift von ihm genehmigt worden war, vorbehalten bleiben soll, ist nicht zu erkennen.

    11
     
  6. Gerd aus Berlin

    Gerd aus Berlin V.I.P. 29.10.2010, 01:01

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    AW: Veröffentlichung der Tonaufzeichnung eines Interviews

    Inwieweit? Ich lese in meinem Zitat das Wort "sowie", aus dem ich schließe, dass damit auch Tonaufzeichnungen gemeint sind vom BVerfG, die nicht heimlich aufgenommen wurden:

    "Deshalb darf grundsätzlich jedermann selbst und allein bestimmen, wer sein Wort aufnehmen soll sowie ob und vor wem seine auf einen Tonträger aufgenommene Stimme wieder abgespielt werden darf."

    Gruß aus Berlin, Gerd
     
  7. once

    once V.I.P. 29.10.2010, 02:22

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    AW: Veröffentlichung der Tonaufzeichnung eines Interviews

    Die Schlußfolgerung, damit seien die beiden Alternativen "heimliche Aufzeichnung" und "Aufzeichnung mit Einverständnis" gemeint, und nicht die beiden Verwertungs-Szenarien "Aufzeichnung" und "Wiedergabe", erscheint mir nicht gerechtfertigt:

    Das vom BverfG gemeinte Selbstbestimmungsrecht des Sprechers umfaßt

    a) das Recht zu bestimmen, welche Person sein nicht-öffentliches Wort aufzeichnen soll (und welche nicht),

    sowie

    b) das Recht festzulegen, ob sein aufgezeichnetes nichtöffentliches Wort wiedergegeben werden soll (oder nicht) und vor wem (und vor wem nicht).

    Die nachfolgenden Erwägungen des BVerfG geben aber keinen Anlaß dies so zu verstehen, daß dies für Worte, die mit Einwilligung des Sprechers aufgezeichnet (und darüberhinaus mit seiner Zustimmung in einer Zeitschrift veröffentlicht) wurden, gelten soll "sowie" ( im Sinne von "ebenso wie") für heimlich aufgezeichnete, nicht-öffentlich gesprochene Worte.

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