Passt diese Anklage?

Dieses Thema "ᐅ Passt diese Anklage? - Strafrecht / Strafprozeßrecht" im Forum "Strafrecht / Strafprozeßrecht" wurde erstellt von peter_mueller, 16. April 2018.

  1. peter_mueller

    peter_mueller Boardneuling 16.04.2018, 12:48

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    Passt diese Anklage?

    Hallo zusammen,

    mal interessehalber folgende Problemstellung: Ein PKW-Fahrer überfährt in einem Stadtgebiet einen Menschen (wobei dieser bereits auf der Straße liegt, die näheren Umstände sind unklar) und fährt weiter, ohne sich um diesen zu kümmern. Die Person, die überfahren wurde, stirbt. So weit, so klar eigentlich. Aber: Kann derjenige dann wegen versuchtem Mord angeklagt werden?
    Für mein laienhaftes Verständnis gibt es grob ausgedrückt Mord (Vorsatz), Totschlag (Affekt) und fahrlässige Tötung (z.B. Vorfahrtsfehler). Sicherlich gibt es da noch Abstufungen aber das sollte es doch im Grunde sein. Und dann gibt es ja noch den vollendeten Mord (das Ergebnis ist eine Leiche) und versuchten Mord (das wäre m.E. wenn man plant jemandem mit dem Hammer zu erschlagen und derjenige diese Attakte aus irgendeinem Grund überlebt). Und das passt irgendwie komplett nicht zum o.g. Fall. Oder liegt mein laienhaftes Verständnis komplett daneben? Und falls ich nicht danebenliege: Was könnte die Motivation für solch eine "unpassende" Anklage sein?

    viele Grüße vom Peter
     
  2. Marie Larsen

    Marie Larsen V.I.P. 16.04.2018, 12:59

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    AW: Passt diese Anklage?

    Ja, zB wenn die Person bereits verstorben ist oder nicht mehr festgestellt werden kann, ob Fahrer A oder Fahrer B den Tod herbeigeführt hat..
     
  3. peter_mueller

    peter_mueller Boardneuling 16.04.2018, 13:09

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    AW: Passt diese Anklage?

    Hm, d.h. wenn jemand in irgendeiner Form an einem unnatürlichen Tod beteiligt ist, aber es kann nicht festgestellt werden, ob derjenige (oder jemand/etwas Anderes) Schuld ist, dann ist es ein versuchter Mord? Und "gescheitert" (ich gehe bei "versucht" immer davon aus, dass man etwas tun wollte, was letztlich nicht geklappt hat) ist das daran, dass das Opfer schon nicht mehr am Leben war. Auf diese Argumentation muss man erstmal kommen :)
     
  4. Marie Larsen

    Marie Larsen V.I.P. 16.04.2018, 13:32

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    AW: Passt diese Anklage?

    Nich ganz. Der PKW-Fahrer könnte auch eine Schaufensterpuppe überfahren und damit einen versuchten Mord begehen.
    Entscheidend ist, dass der Fahrer nicht objektiv tatbestandsmäßig handelt, also entweder den Tatbestand nicht verwirklicht, sein Handeln nicht kausal für den Tod war oder der Tod ihm nicht zugerechnet werden kann.
    Wichtig ist dann, was sich in seiner Gedankenwelt abspielt.
    Setzt er unmittelbar mit Tatentschluss, dh er nimmt mindestens billigend in Kauf, mit seinem Handeln einen Menschen zu töten, zur Deliktsvollendung an, so liegt ein Totschlagversuch vor. Kommen zusätzlich Mordmerkmale hinzu, wird daraus ein Mordversuch.
    Ein Vorgehen mit Überlegung oder eine planvolle Herangehensweise ist dafür nicht nötig. Das ist seit 80 Jahren kein Tatbestandsmerkmal mehr.
     
  5. Phil79

    Phil79 V.I.P. 17.04.2018, 07:21

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    AW: Passt diese Anklage?

    Ein wenig. :)

    Das ist so allerdings nicht richtig: Das Gesetz unterscheidet zwischen der vorsätzlichen und der fahrlässigen Tötung/Todesherbeiführung, wobei letztere alleine stehen kann (§ 222 StGB) oder schwere Folge einer anderen Vorsatztat sein (e.g., Körperverletzung mit Todesfolge; §§ 223, 227 StGB).

    Bei den vorsätzlichen Tötungsdelikten ist es hingegen eine Frage der "besonderen Verwerflichkeit" der Tötung. Ist diese nicht gegeben (also ist die Tat sozusagen "normal verwerflich"), liegt ein Totschlag vor. Unter gewissen Umständen kann dies sogar noch weiter zugunsten des Täters gemildert werden; e.g., wenn der Täter vom Opfer provoziert wurde und "im Affekt" tötet (minder schwerer Fall des Totschlags) oder wenn das Opfer ausdrücklich und ernstlich darum bittet, getötet zu werden (Tötung auf Verlangen).
    Ein vorsätzliches Tötungsdelikt, das sich durch seine "besondere Verwerflichkeit" auszeichnet, ist hingegen ein Mord, und der Gesetzgeber hat die besondere Verwerflichkeit der Tötung anhand der sog. Mordmerkmale operationalisiert. Die bekanntesten Mordmerkmale sind vermutlich die Habgier, die Heimtücke und die sonstigen niedrigen Beweggründe; aber es gibt insgesamt 9 Stück davon: § 211 Abs. 2 StGB.

    Das gilt grds. für alle vorsätzlichen Verbrechen (und auch für einige vorsätzliche Vergehen, wie Diebstahl oder Vergewaltigung): Man kann also nicht nur strafbar einen Mord "nur" versuchen, sonder ebenso auch einen Totschlag. Nur ein Fahrlässigkeitdelikt kann (schon rein denklogisch) nicht "nur" versucht werden.

    Und beim Versuch kommt es nicht nur alleine darauf an, dass der Versuch fehlschlägt (wie in Deinem Beispiel mit dem Hammer). Es kann (q.v., @Marie Larsen) auch bspw. beim Versuch bleiben, weil entweder die vorgenommene Handlung oder das Tatobjekt untauglich ist. Wer also bspw. plant, mit einer Airsoft einen Airbus A380 abzuschießen, hat genauso einen untauglichen (i.d.F. "grob unverständigen") Versuch eines Tötungsdeliktes begangen wie derjenige, der einen Menschen auf der Straße überfahren will und nicht erkennt, dass dieser Mensch bereits tot ist.

    Und letztlich ist auch "nur" wegen Versuchs zu bestrafen, wer keinen eigenen Tatbeitrag (mehr) leistet. Wenn also bspw. in Deinem Beispiel der Mann auf der Straße noch lebt, aber bereits im Sterben liegt, sodass die Knochenbrüche und Quetschungen durch das Überfahren bzgl. seines Todes keinerlei Rolle spielen (nicht einmal den Tod um wenige Sekunden beschleunigen), ist auch nur versuchter Mord einschlägig. Und ist der Tatbeitrag des Täters sozusagen "außerhalb der Sphären der ordentlichen Gerichtsbarkeit", wird der Täter auch nicht bestraft (sog. irrealer/abergläubischer Versuch): Bspw. A versucht B totzuhexen, und B verstirbt (zufällig) kurz darauf an einem Herzinfarkt.

    Insofern der A den B tatsächlich durch das Überfahren vorsätzlich schuldhaft getötet hat, wäre er wegen vollendeten Totschlags zu bestrafen. Und wenn der A dabei auch noch ein Mordmerkmal erfüllt (e.g., er überfährt den B, um ihn zu beerben, oder einfach nur, weil er schon immer mal Lust hatte, einen anderen Menschen zu töten), wäre tatsächlich Mord einschlägig.
     
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