„Mama ist tot“ – rechtliche Erwägungen über eine Kunstausstellung und postmortale Men

Dieses Thema "„Mama ist tot“ – rechtliche Erwägungen über eine Kunstausstellung und postmortale Men - Aktuelle juristische Diskussionen und Themen" im Forum "Aktuelle juristische Diskussionen und Themen" wurde erstellt von Saylors, 20. August 2007.

  1. Saylors

    Saylors Forum-Interessierte(r) 20.08.2007, 21:41

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    „Mama ist tot“ – rechtliche Erwägungen über eine Kunstausstellung und postmortale Men

    Zur Diskussion soll nachfolgender Sachverhält gestellt werden. Ich halte jeden Formteilnehmer gerne an, sich zu beteiligen und sich mit der Konfliktsituation zwischen Kunstfreiheit und (postmortale) Menschenwürde sowie dem sittlichen Empfinden der Allgemeinheit auseinander zu setzen.

    In einer Großstadt in Deutschland wird eine Kunstaustellung eröffnet mit dem Titel "Mama ist tot".

    Es wird u.a. eine Videoinstallation ausgestellt, im Portrait die sterbende Mutter verfilmt. Hörbar der Atem der Sterbenden. Der Anblick erinnert an die abgemagerten Gefangenen der Nazi-KZ’s. In der zweiten Szene ist die Mutter tot, kein Atemgeräusch mehr. Daneben sitzt die trauende Tochter.

    Gitarreninstallation „Er hat nicht gewollt“: Eine Gitarre, deren Kopf abgebrochen ist, und eine Ukulele nebeneinander stehend. Aus der Gitarre erklingt das Lied vom Künstler gesungen: „Guten Abend, gute Nacht…. Morgen früh, wenn Gott will, wirst Du wieder geweckt…“

    Soundinstallation: Endlos Atemgeräusche

    Videoinstallation 2: Der Künstler hat mit Asche den Schriftzug „Mama ist tot“ auf Rasen geschrieben. Es wird gezeigt, wie die Asche vom Wind, vom Pusten des Künstlers und durch einen Föhn verweht wird. Lichtstrahlen fallen auf die Verwehungen.

    Ferner werden verschiedene kleine Zeichnungen ausgestellt.

    (Anmerkung: Der Künstler ist der Sohn der Vertorbenen)
     
  2. Humungus

    Humungus V.I.P. 20.08.2007, 22:36

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    AW: „Mama ist tot“ – rechtliche Erwägungen über eine Kunstausstellung und postmortale Men

    Soll das ein Witz sein, oder werden die Antworten auch als künstlerische Collage veröffentlicht? Ich komme mir wie bei einer Mischung aus Loriot ("Jodler-Diplom") und "Gesichter des Todes" vor...

    Aber jetzt zu meiner Meinung (oder meinem "sittlichen Empfinden"):

    Dass der Tod eines Menschen auf derart widerliche Weise vermarktet wird ist für mich schlichtweg antisozial. Hier geht es nicht um Kunst, sondern um den Versuch, tiefliegende Gefühle der Betrachtenden anzusprechen, um auf die eine oder andere Art und Weise daran zu profitieren, und sei es nur darum, die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit zu gewinnen.

    Ich sehe irgendwie eine Verbindung zu den Ausstellungen von Hagens, in denen ebenfalls ein Panoptikum der Grausamkeiten für genau die angeboten wird, die das "Schaudern" lieben.

    Über eine "künstlerische Leistung" will ich mich in dem geschilderten Zusammenhang nicht äußern. Ich frage mich nur, welche Fantasien Menschen noch entwickeln können.

    Ich hoffe, der "Künstler" weiß, welches Publikum (außer RTL) er bei einer solchen Darstellung erwarten kann.

    Rechtliche Fragen? Ich sehe das ganz einfach. Wie wäre es schlicht mit Art. 1 Abs. 1 GG?
     
  3. Defendant

    Defendant V.I.P. 20.08.2007, 22:49

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    AW: „Mama ist tot“ – rechtliche Erwägungen über eine Kunstausstellung und postmortale Men

    Naja, der postmortale Würdeschutz ist wohl eher als Ausfluss der Totenruhe in Verbindung mit dem Gedenken der Angehörigen zu verstehen und daher im Lichte der Kunstfreiheit zu verstehen. Dementsprechend kann nicht einfach auf die "Widerlichkeit" bzw. vermeintlichen künstlerichen Unwert abgestellt werden.
    Vielmehr ist auch die Kunstfreiheit des Schaffenden einzubeziehen. Geschützt werden alle Arten künstlerischer Betätigung, auch solche, die von vielen als abstoßend oder unwürdig oder primitiv gewürdigt werden könnten - man erinnere nur an die sog. entartete Kunst im dritten Reich. Daher ist die beschriebene Installation auch von der Kunstfreiheit geschützt. hierdurch darf es aber eben nicht zu Eingriffen in die absolut gewährleistete Menschenwürde, die nicht zur Disposition des Rechtssubjektes steht kommen.
    Daher würde ich hier folgendes sagen: Die Installation bewegt sich jedenfalls hart an der Grenze zum Eingriff in Art. 1 GG, wobei Art. 1 GG kein Abwehrrecht gegen Private darstellt: Problematisch dürfte aber ein u.U. erforderliches Behördenhandeln sein. Denn u.U. ist die Installation im rahmen einer Ausstellung oder was auch immer von einer Gemeinde zu genehmigen. Und diese Genehmigung dürfte nicht zu erteilen sein.
    Sollte die Ausstellung o.Ä. in privaten Räumlichkeiten stattfinden, stehen aber Abwehransprüche sonstiger betroffener Angehöriger zu befürchten. Dies fußen in § 1004 BGB i.V.m. Art. 1 GG, so dass ggf. im Wege einstweiliger Verfügung die Ausstellung untersagt werden könnte.
    Aber es handelt sich nichts desto trotz um einen Grenzbereich. Und Herr von Hagens stellt bekanntlich immer noch aus...ob man sich sowas allerdings angucken muss bzw. was den Künstler zu einer solchen Maßnahme bewogen hat mag dahin stehen.
     
  4. Humungus

    Humungus V.I.P. 21.08.2007, 07:39

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    AW: „Mama ist tot“ – rechtliche Erwägungen über eine Kunstausstellung und postmortale Men

    Es geht hier nicht allein um die Würde des Toten, sondern auch um die Würde der Gesellschaft, in der das Sterben und Tod stattfinden. Eine Demokratie ist im Hinblick auf die "Kunst"freiheit permissiv, aber man muss sich fragen, ob solch eine Darstellung das Siegel "Kunst" verdient.
    Kann ich mir also in Zukunft ein weißes Band um den Kopf binden, über den Friedhof gehen, urtümliche Laute ausstoßen, auf die Umstehenden onanieren und das Ganze als Kunst ansehen und dafür Freiheit fordern? Es gibt Grenzen für die Kunst, und diese sind sowohl bei ihren Inhalten als auch (und das ist entscheidend) bei ihren Intentionen zu ziehen.

    Dass während der Nazi-Diktatur der Begriff "entartete Kunst" missbraucht wurde, um ein Menschen- und Weltbild zu prägen, rechtfertigt lange nicht die Zulassung jedes Verhaltens und seiner Vermarktung als "Kunst", bloß weil der Betreibende sich dieses Etikett gerne aufkleben möchte.
     
  5. Defendant

    Defendant V.I.P. 21.08.2007, 08:38

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    AW: „Mama ist tot“ – rechtliche Erwägungen über eine Kunstausstellung und postmortale Men

    das habe ich ja auch nie behauptet. Nur ist die Beschränkung eines jeden Rechts aufgrund gesellschaftlicher Sitten, Mehrheitsansichten oder des guten Geschmacks per se gefährlich.
    Im Übrigen ist die Gesellschaft auch nicht Trägerin des Grundrechts der Menschenwürde.
     
    Humungus gefällt das.
  6. Saylors

    Saylors Forum-Interessierte(r) 21.08.2007, 11:45

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    AW: „Mama ist tot“ – rechtliche Erwägungen über eine Kunstausstellung und postmortale Men

    Die Tote war selber Künstlerin (Fotograf, Malerin) und hat nicht ausdrücklich eingewilligt. Im Gespräch mit dem Künstler stellt sich heraus, dass dieser den mutmaßlichen Willen der Verstorbenen so einschätzt, dass Sie nichts gegen die Ausstellung einzuwenden hat, da Sie

    1. Die Mutter des Künstlers ist und dessen kreative Aktivität stets befürwortet und gefördert hat.
    2. Mit der aktuellen Situation des Kunstbetriebes vertraut war und damit auch mit solchen heiklen Themen. Wer kennt zum Beispiel die "Show" von Joseph Beuys, der einem toten Hasen die Welt erklärt?
    3. Vor Ihrem Tot sagte "Die Leute sind Gammel-Geil"

    Frage: Woher soll sich ein Abwehr- oder Unterlassungsanspruch Dritter herleiten? § 1004 BGB ist ein Abwehransprüch gegen Eingriffe in das Eigentum. Die Kunstaustellung oder die einzelnen Instatllationen gehören aber nicht Dritten.

    Noch etwas zur Widerwerigkeit bzw. Kommerzialisierung: Erschiene es gerechtfertigt, wenn man sagt, dass der Anspruch des Künstlers auf Vergütung begrenzt ist auf ein zum Aufwand angemessenes Maß, da die Menschenwürde zwar nicht die Kunstfreiheit an sich, wohl aber deren Kommerzialisierung begrenzt?

    Dritte Frage: Wie ist es in diesem Zusammenhang zu beurteilen, dass

    1. Im inländischen Fehrsehen, und zwar nicht nur auf RTL, ein Krimi nach dem Anderen ausgetrahlt wird, in denen uns Vergewaltigungen, Morde und sonstige Arten von Toten zur Prime-Time serviert werden. Ist es nicht ertaunlich, dass sich der Großteil der Menschen das ansieht und dazu sagen kann "Ist ja nur ein Film". Wird nicht dadurch Gewaltverbrechen und Tot verharmlost und ebenso kommerzialisiert? Nebenbei bemerkt sind die Nachrichten auch nicht gerade arm an Totenbilder, -beschreibungen, etc.

    2. Andere Kulturen gehen anders mit ihren Toten u. Es gibt bspw. sog. Leichenräume, in denen Generationen von Verstorbenen bzw. deren Knochen fein säuberlich gestapelt und sortiert aufbewart und jedem zugänglich gemacht werde.

    3. Ist vielleicht auch der Sinn und Zweck der Ausstellung bzw. die Intention des Künstlers von Bedeutung?
     
  7. Humungus

    Humungus V.I.P. 21.08.2007, 12:18

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    AW: „Mama ist tot“ – rechtliche Erwägungen über eine Kunstausstellung und postmortale Men

    Oh ja, Beuys ist ein guter Punkt. Ich erinnere mich noch, wie oft er neben seinen Werken stand und diejenigen angelächelt hat, die versuchten, die Kunst zu erkennen...

    Richtig, dies ist ebenso eine Kommerzialisierung. Brot und Spiele! Wenn der Künstler sich damit vergleichen will - einverstanden!

    Ebenfalls völlig richtig. Dies geschieht entweder in einem hohen Rahmen an Kultur und Dignität oder in einer anderen Form, die den Umgang mit dem Tod von Angehörigen und den Gedanken an das eigene Vergehen erleichtern soll. Dazu gehören unter anderem auch ritualisierte (Teil-)Leichenverzehrungen. In keinem dieser Fälle (außer zu touristischen Zwecken) ist eine "Delektion" von Betrachtern bezweckt!

    Dies wäre übrigens auch ein Modus, dem ich sehr wohl (unter anderem auch bei Hagens) zustimmen würde. Ich kann in der beschriebenen "Collage" so etwas allerdings nicht finden.

    Ich denke, dass Menschenwürde hier sehr wohl eine Rolle spielt. Welche Dinge soll eine "starke" Demokratie denn noch verkraften?
     
  8. Defendant

    Defendant V.I.P. 21.08.2007, 12:27

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    AW: „Mama ist tot“ – rechtliche Erwägungen über eine Kunstausstellung und postmortale Men

    § 1004 BGB schützt das Eigentum und andere, absolute Rechte wie das Recht am eigenen Bild und die Würde.
    Ansonsten begrenzt die Menschenwürde sehr wohl die Kunstfreiheit :ne: nur ist ein Eingriff in Art. 1 GG erst dann zu bejahen, wenn dem Menschen sein Menschsein abgesprochen wird und er zum Objekt herabgewürdigt wird. Dies dürfte hier noch nicht der Fall sein...

    @BeneQ
    Ob eingewillig wurde, dürfte egal sein. Die Würde ist nicht disponibel, das Recht am eigenen Bild u.Ä. kann nach dem Tode der Erbe geltend machen.
     
  9. Defendant

    Defendant V.I.P. 21.08.2007, 14:31

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    AW: „Mama ist tot“ – rechtliche Erwägungen über eine Kunstausstellung und postmortale Men

    Tja, da sie aber tot ist, könnte selbst ihre fehlende Einwilligung von dem Erben ersetzt werden; denn isoweit ist im Wege der Universalsukzession auch der Anspruch aus dem Persönlichkeitsrecht auf den Erben übergegangen, soweit übergangsfähig.
    Problematisch wirds allein, wenn noch Geschwister vorhanden sind.
     
  10. Defendant

    Defendant V.I.P. 21.08.2007, 14:51

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    AW: „Mama ist tot“ – rechtliche Erwägungen über eine Kunstausstellung und postmortale Men

    Das ist ja mehr eine rechtsfaktische Frage: Wer kann nach dem Tode Ansprüche geltend machen und durchsetzen? Die Erben. und wenn diese einen ggf. bestehenden Anspruch nicht geltend machen...ist der Ofen aus.
    Ebenso, wenn der Anspruch vom Erben gegen sich selbst geltend gemacht werden könnte...Konfusion nennt sich das.
     
  11. Saylors

    Saylors Forum-Interessierte(r) 21.08.2007, 15:08

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    AW: „Mama ist tot“ – rechtliche Erwägungen über eine Kunstausstellung und postmortale Men

    Kunsturhebergesetz (KunstUrhG)
    Auszug

    § 22
    Recht am eigenen Bilde
    Bildnisse dürfen nur mit Einwilligung des Abgebildeten verbreitet oder öffentlich zur Schau gestellt werden. Die Einwilligung gilt im Zweifel als erteilt, wenn der Abgebildete dafür, daß er sich abbilden ließ, eine Entlohnung erhielt. Nach dem Tode des Abgebildeten bedarf es bis zum Ablaufe von 10 Jahren der Einwilligung der Angehörigen des Abgebildeten. Angehörige im Sinne dieses Gesetzes sind der überlebende Ehegatte oder Lebenspartner und die Kinder des Abgebildeten und, wenn weder ein Ehegatte oder Lebenspartner noch Kinder vorhanden sind, die Eltern des Abgebildeten.

    § 23
    Ausnahmen zu § 22
    (1) Ohne die nach § 22 erforderliche Einwilligung dürfen verbreitet und zur Schau gestellt werden:

    1. Bildnisse aus dem Bereiche der Zeitgeschichte;

    2. Bilder, auf denen die Personen nur als Beiwerk neben einer Landschaft oder sonstigen Örtlichkeit erscheinen;

    3. Bilder von Versammlungen, Aufzügen und ähnlichen Vorgängen, an denen die dargestellten Personen teilgenommen haben;

    4. Bildnisse, die nicht auf Bestellung angefertigt sind, sofern die Verbreitung oder Schaustellung einem höheren Interesse der Kunst dient.

    (2) Die Befugnis erstreckt sich jedoch nicht auf eine Verbreitung und Schaustellung, durch die ein berechtigtes Interesse des Abgebildeten oder, falls dieser verstorben ist, seiner Angehörigen verletzt wird.
     
  12. Saylors

    Saylors Forum-Interessierte(r) 21.08.2007, 18:35

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    AW: „Mama ist tot“ – rechtliche Erwägungen über eine Kunstausstellung und postmortale Men

    Der Künstler sagt, er habe die Intention gehabt, dass Leid, das er miterlebt hat, darzustellen oder in die Außenwelt zu transportieren. Im Grund geht es darum, das eigene Gefühl angesichts der sterbenden Mutter zu verarbeiten und zwar im "künstlerischen Dialog".

    Neben dem - zugegebener Maßen "krassen" Video enthält die Ausstellung weitere subtile Instatlationen, wie bspw. die Guitarre und Ukulele.

    Daß der Künstler ein sensiblen Bereich anspricht, sei ihm klar. Aber muss man den Tod tabuiesieren, während er tagtäglich stattfindet? Hat die Gesellschaft sogar ein falsches, wenn nicht sogar gar kein Bild mehr vom Tod, weil wir ihn verharmlosen, ausklammern, uns auf den Konsum konzentrieren?

    Weiterer Aspekt ist, dass der Künstler keine Vergütung für die Ausstellung erhält.

    Wie ist diese künstlerische Intention zu werten und das Recht, zu sagen (oder durch das Medium der Kunst auszudrücken), was man will?
     
  13. Saylors

    Saylors Forum-Interessierte(r) 21.08.2007, 18:38

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    AW: „Mama ist tot“ – rechtliche Erwägungen über eine Kunstausstellung und postmortale Men

    Der Künstler stellt die Ausstelung in einem räumlich abgegrenzten Bereich aus, deren Besuch freiwillig ist. Dadurch unterscheidet sich diese Ausstellung von dem im Zitat gesagten.
     
  14. Saylors

    Saylors Forum-Interessierte(r) 21.08.2007, 18:46

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    AW: „Mama ist tot“ – rechtliche Erwägungen über eine Kunstausstellung und postmortale Men


    Die Ausstellung zeigt ja keine Toten-"Show", oder spielt das nach, sondern zeigt in realistischen bzw. realen Bildern das Sterben, wobei der Zeitpunkt des tatsächlichen Sterbens nicht gezeigt wird. Es handelt sich demnach um kein Spiel, sondern um Realität.

    Der Gedanke des würdevollen Rahmens ist interessant. Wird dieser unmöglich durch den Umstand, dass es sich um eine Ausstellung handelt?
     
  15. Saylors

    Saylors Forum-Interessierte(r) 21.08.2007, 18:51

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    AW: „Mama ist tot“ – rechtliche Erwägungen über eine Kunstausstellung und postmortale Men

    Es ist auf jeden Fall eine sehr interessante Diskussion auf hohem Niveau. Vielen Dank für die Teilnahme bisher.!

    Ehrlich gesagt, habe ich genau das erwartet, aber nicht mit so reger Teilnahme gerechnet.
    Gerner möchte ich anregen, weiter zu diskutieren. Ich muss ersteinmal sammeln, bewerten und drüber nachdenken.
     
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