genehmigten Urlaub widerrufen, Stornokosten für dritte Personen?

Dieses Thema "ᐅ genehmigten Urlaub widerrufen, Stornokosten für dritte Personen? - Arbeitsrecht" im Forum "Arbeitsrecht" wurde erstellt von Cloakmaster, 17. August 2017.

  1. Cloakmaster

    Cloakmaster V.I.P. 17.08.2017, 15:24

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    genehmigten Urlaub widerrufen, Stornokosten für dritte Personen?

    A und B seinen Geschwister, die Eltern beide pflegebedüftig. B lebt bei den Eltern und pflegt diese. Zudem sei B auch noch allein erziehende Mutter von drei Kindern.

    A will B entlasten, und während seines Urlaub die Pflege der Eltern übernehmen. Dazu bucht A eine Urlaubsreise für B und ihre Kinder, die alle Erholung dringend nötig haben.

    A soll in der der Woche vor seinem Urlaubsantritt einen neuen Mitarbeiter einweisen, damit dieser während A's Urlaub dessen Aufgaben übernehmen könne. Doch leider wird immer wieder nichts daraus: Die neuen Mitarbeiter springen immer wieder noch vor Arbeitsantritt ab, bzw. erscheinen einfach nicht zum Dienst. Somit hat die Firma niemanden, der A vertreten kann.

    Darum wird A nun mitgeteilt, daß der genehmigte Urlaub wegen dringender betrieblicher Erfordernisse widerrufen sein, und A angewiesen, den Urlaub später nachzuholen.

    Dies würde bedeuten, daß B nicht wie geplant mit den Kindern in den Urlaub fliegen kann, diese Reise also storniert werden müsste. So kurz vor Abreise betragen die Stornokosten 100%, und für insgesamt vier Personen ergibt dies einen mittleren vierstelligen Betrag.

    Kann A diese Kosten von seinem Arbeitgeber zurück verlangen?
     
  2. TomRohwer

    TomRohwer V.I.P. 17.08.2017, 18:20

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    AW: genehmigten Urlaub widerrufen, Stornokosten für dritte Personen?

    Bereits genehmigter Urlaub kann vom AG nur in Notfällen widerrufen werden. "Dringende betriebliche Erfordernisse" zählen nicht dazu, sondern nur Vorfälle wie ein Brand im Betrieb o.ä. Auf das plötzliche Vorkommen von "dringenden betrieblichen Erfordernissen" muss sich der Arbeitgeber von vornherein einstellen, sowas kann immer passieren und muss halt eingeplant werden.
    Das ist kein "Notfall", sondern Organisationsversagen des Arbeitgebers.

    Sollte tatsächlich der Urlaub widerrufen werden können, muss der AG dem AN sämtliche daraus entstehende Kosten ersetzen. Ich sehe im beschriebenen Fall aber weit und breit keinen hinreichenden Grund, den Urlaub überhaupt widerrufen zu können.
     
  3. Cloakmaster

    Cloakmaster V.I.P. 17.08.2017, 18:36

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    AW: genehmigten Urlaub widerrufen, Stornokosten für dritte Personen?

    Die Frage wäre nun - angenommen, der AG würde den Urlaub rechtmäßig widerrufen - ob die Reise der Schwester und ihrer Kinder als Kosten des AN, und damit erstattungsfähig anerkennt würden. Der AN wollte ja "nur" zum Elternhaus fahren, und dort die von der Schwester ausgeführte Pflege vertetungsweise übernehmen, damit diese sich erholen kann. Der AN selbst hätte also keine direkten, eigenen Kosten, welche vom Ag zu erstatten wären.

    Grundsätzlich käme da wohl auch die Option "Kurzzeitpflege" der Eltern ins Spiel, was unter Umständen günstiger wäre, als die Absage der Familienreise.

    Dies würden die Eltern aber nicht wünschen, da sie keine "Fremden im Haus" dulden wollen.
     
  4. ElJogi

    ElJogi V.I.P. 17.08.2017, 18:56

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    AW: genehmigten Urlaub widerrufen, Stornokosten für dritte Personen?

    Einen Widerruf kann man natürlich immer erklären.

    Ob dieser wirksam ist oder berechtigt, muss im Streitfall ein Gericht klären.
    Es galt früher daher stets, dass auch ein unberechtigter Widerruf zunächst zu einem nicht genehmigten Urlaub führt.
    Dessen Antritt dann zwangsläufig Arbeitsverweigerung ist.
    Dagegen konnte man sich nur durch umgehende Beantragung des vorläufigen Rechtsschutz wehren.
    Das ist auch heute noch ein sinnvoller Weg.

    Allerdings hat das LAG Köln 2012 festgestellt, dass der Weg entbehrlich sein kann, da der Widerruf unwirksam ist und somit die ursprüngliche Genehmigung fortbesteht. LAG Köln, 27.09.2012 - 6 Sa 449/12

    Das BAG hat dazu noch nicht entschieden.


    Bei einem wirksamen Widerruf ist der Arbeitgeber nur zum Ersatz des Schadens verpflichtet, der dem Arbeitnehmer entsteht.
    Mittelbar und unmittelbar.
     
    onkelotto und filter gefällt das.
  5. Cloakmaster

    Cloakmaster V.I.P. 17.08.2017, 18:58

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    AW: genehmigten Urlaub widerrufen, Stornokosten für dritte Personen?

    Und würdest du nun die Flugreise der Schwester als mittelbaren, oder unmittelbaren Schaden des AN einschätzen?
     
  6. ElJogi

    ElJogi V.I.P. 17.08.2017, 19:12

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    AW: genehmigten Urlaub widerrufen, Stornokosten für dritte Personen?

    Unmittelbar natürlich nicht.

    Und mittelbar nur dann, wenn der Arbeitnehmer belegen kann, dass er dem Geschädigten seinerseits zu Schadensersatz verpflichtet ist.

    Es ist in aller Regel schwierig bis unmöglich, in solchen Situationen den Nachweis zu führen. Er müsste darstellen, dass er, zum Beispiel wenn er erkrankt wäre, ebenfalls zu Schadensersatz verpflichtet gewesen wäre.

    Das ist zum Beispiel dann der Fall, wenn man bei Verhinderung einer nebenberuflichen Betätigung seinerseits nicht für redundante Organisation gesorgt hat.
    bei einer Hilfe ohne Gegenleistung hingegen, dürften Ansprüche kaum zu erklären sein.

    Letztlich liegt es aber in der Verantwortung des Arbeitnehmers es zu einem solchen Schaden gar nicht erst kommen zu lassen, da er ja überhaupt nicht verpflichtet ist, zur Arbeit zu erscheinen.
    Jedenfalls ist der Beschreibung Nicht zu entnehmen, warum hier einer der äußerst seltene Notfälle vorliegen sollte.

    der Arbeitnehmer kann jedoch gegenüber dem Unternehmen seine Bereitschaft erklären, den Urlaub zu verschieben, wenn der Arbeitgeber die entstehenden Kosten auch der anderen Personen übernimmt. Das wäre dann kein Widerruf mit Gegenansprüchen, sondern eine vertragliche Einigung. Die kann man frei gestalten.
     
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