Anklage nach Jahren, Entlastung unmöglich

Dieses Thema "ᐅ Anklage nach Jahren, Entlastung unmöglich - Recht, Politik und Gesellschaft" im Forum "Recht, Politik und Gesellschaft" wurde erstellt von Entwickler, 27. Januar 2018.

  1. Entwickler

    Entwickler V.I.P. 27.01.2018, 11:44

    Registriert seit:
    17. März 2012
    Beiträge:
    1.333
    Zustimmungen:
    172
    Punkte für Erfolge:
    63
    Geschlecht:
    männlich
    Renommee:
    123
    91% positive Bewertungen (1333 Beiträge, 125 Bewertungen)91% positive Bewertungen (1333 Beiträge, 125 Bewertungen)91% positive Bewertungen (1333 Beiträge, 125 Bewertungen)91% positive Bewertungen (1333 Beiträge, 125 Bewertungen)91% positive Bewertungen (1333 Beiträge, 125 Bewertungen)91% positive Bewertungen (1333 Beiträge, 125 Bewertungen)91% positive Bewertungen (1333 Beiträge, 125 Bewertungen)91% positive Bewertungen (1333 Beiträge, 125 Bewertungen)91% positive Bewertungen (1333 Beiträge, 125 Bewertungen)91% positive Bewertungen (1333 Beiträge, 125 Bewertungen)
    Anklage nach Jahren, Entlastung unmöglich

    Ist das eine rechtspolitische Frage? Ich stelle sie einfach mal hier ein.

    Die Frage ist eine praktische: Nehmen wir an, jemand wird geschädigt, zum Beispiel durch eine Körperverletzung. Er beschreibt den Täter, der keine besonderen Merkmale hat, aber der wird erstmal nicht gefunden.
    Nach beispielsweise zwei Jahren gibt der Geschädigte an, den Täter erkannt zu haben. Dieser angebliche Täter wird festgestellt und es kommt zu einem Prozess.
    Der Geschädigte sagt aus, dass das der Täter sei. Der angebliche Täter sagt aus, dass er es nicht gewesen sei.

    Wie wird das praktisch gelöst? Der angebliche Täter hat ja gar keine Möglichkeit sich zu verteidigen. Die einzige Verteidigung in dem Fall wäre ein Alibi. Aber wer kann schon bezeugen, dass er jemanden vor zwei Jahren an einem bestimmten Tag oder zu einer bestimmten Zeit irgendwo getroffen hat?
    Gehen wir für den Fall aus, dass der angebliche Täter nichts Verfängliches aussagt, sondern einfach sagt, dass er es nicht gewesen sei und nicht mehr wisse, wo er zu dem Zeitpunkt genau war.
     
  2. TomRohwer

    TomRohwer V.I.P. 27.01.2018, 12:38

    Registriert seit:
    16. Mai 2008
    Beiträge:
    16.793
    Zustimmungen:
    1.625
    Punkte für Erfolge:
    113
    Renommee:
    1.033
    93% positive Bewertungen (16793 Beiträge, 1173 Bewertungen)93% positive Bewertungen (16793 Beiträge, 1173 Bewertungen)93% positive Bewertungen (16793 Beiträge, 1173 Bewertungen)93% positive Bewertungen (16793 Beiträge, 1173 Bewertungen)93% positive Bewertungen (16793 Beiträge, 1173 Bewertungen)93% positive Bewertungen (16793 Beiträge, 1173 Bewertungen)93% positive Bewertungen (16793 Beiträge, 1173 Bewertungen)93% positive Bewertungen (16793 Beiträge, 1173 Bewertungen)93% positive Bewertungen (16793 Beiträge, 1173 Bewertungen)93% positive Bewertungen (16793 Beiträge, 1173 Bewertungen)
    AW: Anklage nach Jahren, Entlastung unmöglich

    Mit einer Beweiswürdigung durch das Gericht. Wobei ich es schon bezweifle, daß einfach nur auf die Aussage hin "Ich hab den Täter wiedergesehen - der da war's!" ein Gericht eine Anklage zulässt, wenn der Beschuldigte sagt "Nein, war ich nicht!"
    Vor einem Strafprozess steht ja erstmal die Ermittlungsarbeit der Polizei und der Staatsanwaltschaft, die muss sich ausreichend sicher sein, den Täter ermittelt zu haben, dann reicht sie eine Anklageschrift beim Gericht ein, und das Gericht darf diese Anklage nur zulassen, wenn die Wahrscheinlichkeit einer Verurteilung klar überwiegt.

    Die Staatsanwaltschaft wird dazu mehr ermitteln (lassen). Z.B.: wo war der Beschuldigte zum behaupteten Tatzeitpunkt? Ist die Aussage des Opfer-Zeugen ausreichend glaubwürdig? Haben Beschuldigter und/oder mutmaßliches Opfer eine Vorgeschichte? Usw. usf.
    Und dann das Verfahren weiter betreiben oder einstellen.
    Der mutmaßliche Täter muss sich nicht verteidigen. Die Tat muß ihm ausreichend zweifelsfrei nachgewiesen werden. Das Gericht ist dabei weitgehend frei in seiner Beweiswürdigung, es kann eine Aussage für glaubwürdig halten, und eine andere nicht. Es ist aber an den Grundsatz gebunden: Im Zweifel für den Angeklagten.
    Das ist nach zwei Jahren ziemlich glaubwürdig. Ich könnte teilweise nicht mal mehr sagen, wo ich vor zwei Wochen zu bestimmten Zeitpunkten gewesen bin...
     
  3. Entwickler

    Entwickler V.I.P. 28.01.2018, 11:03

    Registriert seit:
    17. März 2012
    Beiträge:
    1.333
    Zustimmungen:
    172
    Punkte für Erfolge:
    63
    Geschlecht:
    männlich
    Renommee:
    123
    91% positive Bewertungen (1333 Beiträge, 125 Bewertungen)91% positive Bewertungen (1333 Beiträge, 125 Bewertungen)91% positive Bewertungen (1333 Beiträge, 125 Bewertungen)91% positive Bewertungen (1333 Beiträge, 125 Bewertungen)91% positive Bewertungen (1333 Beiträge, 125 Bewertungen)91% positive Bewertungen (1333 Beiträge, 125 Bewertungen)91% positive Bewertungen (1333 Beiträge, 125 Bewertungen)91% positive Bewertungen (1333 Beiträge, 125 Bewertungen)91% positive Bewertungen (1333 Beiträge, 125 Bewertungen)91% positive Bewertungen (1333 Beiträge, 125 Bewertungen)
    AW: Anklage nach Jahren, Entlastung unmöglich

    Da hänge ich. Auch der wirkliche Täter wird im Allgemeinen sagen, dass er es nicht gewesen sei. Die Aussage ist also unglaubwürdig.
    Im Gegensatz dazu steht, dass der Geschädigte eine Person als Täter benennt, die seiner Beschreibung entspricht. Da könnte ein Richter doch der Meinung sein, dass diese Aussage die deutlich glaubwürdigere ist und darauf bestehend den Beschuldigten verurteilen.
    Reicht das aus, um eine Aussage zu 'ignorieren'?
     
  4. TomRohwer

    TomRohwer V.I.P. 29.01.2018, 02:02

    Registriert seit:
    16. Mai 2008
    Beiträge:
    16.793
    Zustimmungen:
    1.625
    Punkte für Erfolge:
    113
    Renommee:
    1.033
    93% positive Bewertungen (16793 Beiträge, 1173 Bewertungen)93% positive Bewertungen (16793 Beiträge, 1173 Bewertungen)93% positive Bewertungen (16793 Beiträge, 1173 Bewertungen)93% positive Bewertungen (16793 Beiträge, 1173 Bewertungen)93% positive Bewertungen (16793 Beiträge, 1173 Bewertungen)93% positive Bewertungen (16793 Beiträge, 1173 Bewertungen)93% positive Bewertungen (16793 Beiträge, 1173 Bewertungen)93% positive Bewertungen (16793 Beiträge, 1173 Bewertungen)93% positive Bewertungen (16793 Beiträge, 1173 Bewertungen)93% positive Bewertungen (16793 Beiträge, 1173 Bewertungen)
    AW: Anklage nach Jahren, Entlastung unmöglich

    Eine Menge Beschuldigter und Angeklagter geben die ihnen zur Last gelegten Taten zu...
    Ob eine Aussage unglaubwürdig ist, entscheidet das Gericht.
    Natürlich kann er das. Wenn er zu der Überzeugung gelangt, daß es das eine glaubwürdig ist, und das andere nicht...
    Noch mal: das Gericht ist weitestgehend frei in seiner Beweiswürdigung, es muss sich aber an den Grundsatz "in dubio pro reo", im Zweifel für den Angeklagten, halten. Zu der Frage, wie Glaubwürdigkeit generell einzuschätzen ist, gibt es jede Menge Rechtsprechung höherer Gerichte, und es findet sich in Urteilsbegründungen für Freisprüche immer wieder der schöne Satz "Dem Angeklagten konnte die Einlassung, daß ..., nicht mit ausreichender Sicherheit widerlegt werden", oder ähnliche Formulierungen.

    Bevor ein Gericht einen Angeklagten als Täter verurteilt, muß es sich der Schuld des Angeklagten sicher sein.
     
  5. zeiten

    zeiten V.I.P. 29.01.2018, 08:12

    Registriert seit:
    17. Februar 2008
    Beiträge:
    18.013
    Zustimmungen:
    1.790
    Punkte für Erfolge:
    113
    Geschlecht:
    weiblich
    Renommee:
    1.474
    94% positive Bewertungen (18013 Beiträge, 1656 Bewertungen)94% positive Bewertungen (18013 Beiträge, 1656 Bewertungen)94% positive Bewertungen (18013 Beiträge, 1656 Bewertungen)94% positive Bewertungen (18013 Beiträge, 1656 Bewertungen)94% positive Bewertungen (18013 Beiträge, 1656 Bewertungen)94% positive Bewertungen (18013 Beiträge, 1656 Bewertungen)94% positive Bewertungen (18013 Beiträge, 1656 Bewertungen)94% positive Bewertungen (18013 Beiträge, 1656 Bewertungen)94% positive Bewertungen (18013 Beiträge, 1656 Bewertungen)94% positive Bewertungen (18013 Beiträge, 1656 Bewertungen)
    AW: Anklage nach Jahren, Entlastung unmöglich

    Eine solche Schlussfolgerung ist schon in sich unlogisch. Die Aussage eines Beschuldigten es nicht schon deswegen unglaubhaft weil er die Tat leugnet.

    Das Gericht wird zu prüfen haben, ob wirklich kein Zweifel an der Wahrnehmung bzw. Aussage des Zeugen besteht.
     
  6. Entwickler

    Entwickler V.I.P. 29.01.2018, 13:06

    Registriert seit:
    17. März 2012
    Beiträge:
    1.333
    Zustimmungen:
    172
    Punkte für Erfolge:
    63
    Geschlecht:
    männlich
    Renommee:
    123
    91% positive Bewertungen (1333 Beiträge, 125 Bewertungen)91% positive Bewertungen (1333 Beiträge, 125 Bewertungen)91% positive Bewertungen (1333 Beiträge, 125 Bewertungen)91% positive Bewertungen (1333 Beiträge, 125 Bewertungen)91% positive Bewertungen (1333 Beiträge, 125 Bewertungen)91% positive Bewertungen (1333 Beiträge, 125 Bewertungen)91% positive Bewertungen (1333 Beiträge, 125 Bewertungen)91% positive Bewertungen (1333 Beiträge, 125 Bewertungen)91% positive Bewertungen (1333 Beiträge, 125 Bewertungen)91% positive Bewertungen (1333 Beiträge, 125 Bewertungen)
    AW: Anklage nach Jahren, Entlastung unmöglich

    Unglaubwürdig war das falsche Wort. Sie sagt halt nichts aus. Vielleicht eher 'irrelevant'.
    Ok… Da müssten wir wohl einen entsprechenden Fall abwarten.
     
  7. TomRohwer

    TomRohwer V.I.P. 29.01.2018, 13:15

    Registriert seit:
    16. Mai 2008
    Beiträge:
    16.793
    Zustimmungen:
    1.625
    Punkte für Erfolge:
    113
    Renommee:
    1.033
    93% positive Bewertungen (16793 Beiträge, 1173 Bewertungen)93% positive Bewertungen (16793 Beiträge, 1173 Bewertungen)93% positive Bewertungen (16793 Beiträge, 1173 Bewertungen)93% positive Bewertungen (16793 Beiträge, 1173 Bewertungen)93% positive Bewertungen (16793 Beiträge, 1173 Bewertungen)93% positive Bewertungen (16793 Beiträge, 1173 Bewertungen)93% positive Bewertungen (16793 Beiträge, 1173 Bewertungen)93% positive Bewertungen (16793 Beiträge, 1173 Bewertungen)93% positive Bewertungen (16793 Beiträge, 1173 Bewertungen)93% positive Bewertungen (16793 Beiträge, 1173 Bewertungen)
    AW: Anklage nach Jahren, Entlastung unmöglich

    Auch das ist falsch. Sie ist nicht irrelevant, sondern im Gegenteil äußerst relevant.
    Ob ein Angeklagter vor Gericht die ihm zur Last gelegte Tat zugibt oder bestreitet, macht einen riesigen Unterschied für das Verfahren.

    Nicht der Angeklagte muss seine Unschuld beweisen. Dem Angeklagten müssen sowohl die Tat als auch die Schuld nachgewiesen werden. (Tat und Schuld sind nicht identisch.)

    Lassen sich die Einlassungen des Angeklagten, er habe die Tat nicht begangen bzw. nicht schuldhaft begangen, nicht widerlegen, muss das Gericht freisprechen.
     
Ähnliche Themen:
Titel Forum Datum
Seit Jahren "DAS SCHWEIGEN IM WALDE" von Seiten des EuGH und dem zuständigen Anwalt - und nun??? Standesrecht 13. Dezember 2017
Kündigung nach 21 Jahren Arbeitsrecht 5. Juli 2010
Illegaler Handel vor 8 Jahren -> Deswegen jetzt ne Vorladung Betäubungsmittelrecht 11. März 2010
Cannabis als Medizin und Menschenrecht, Menschenwürde, menschlich rechtliche Probleme Betäubungsmittelrecht 19. Dezember 2008
Neu hier / Frage über unrechtmässige Anklage / Kostenerstattung Strafrecht / Strafprozeßrecht 11. Dezember 2003

© 2003-2018 JuraForum.de — Alle Rechte vorbehalten. Keine Vervielfältigung, Verbreitung oder Nutzung für kommerzielle Zwecke.


Sitemap | Kontakt | Datenschutz | AGB | Impressum