Für Kindererziehung gibt es kein extra Rentenzuschlag

23.03.2018, 09:32 | Familie & Erben | Jetzt kommentieren


Für Kindererziehung gibt es kein extra Rentenzuschlag
Kassel (jur). Neben der bisherigen Anrechnung von Kindererziehungszeiten können Eltern keinen weiteren Zuschlag zu ihrer Rente bekommen. Auch wenn Familien mit Kindern als zukünftige Beitragszahler das Rentensystem stützen, kann der betreuende Elternteil keinen aus dem Grundgesetz ableitbaren Anspruch auf einen zusätzlichen Rentenbetrag geltend machen, entschied das Bundessozialgericht in Kassel in einem am Mittwoch, 21. März 2018, verkündeten Urteil (Az.: B 13 R 19/14 R). Versicherte haben danach auch keinen Anspruch auf eine entsprechende Änderung ihrer jährlich von der Rentenversicherung versandten Renteninformation. Diese sei rechtlich nicht bindend.

Geklagt hatte eine Mutter von vier Kindern aus Baden-Württemberg. Als die Frau im Alter von 41 Jahren von der Deutschen Rentenversicherung Bund ihre Renteninformation über ihre zu erwartende Rente erhielt, war sie mit den dort berücksichtigten Erziehungszeiten nicht zufrieden. Für ihre Kindererziehung müssten ihr in der Information zusätzlich 1,4733 Entgeltpunkte gutgeschrieben werden, verlangte sie.

Kinder sind künfitge Beitragszahler und stützen Rentensystem

Die Mutter meinte, dass sie schließlich mit der Erziehung ihrer vier Kinder einen „generativen Beitrag“ leiste, der sich deutlicher als bislang in einer höheren Rente zu Buche schlagen müsse. Denn ihre Kinder seien künftige Beitragszahler und würden das Rentensystem stützen.

Sie verwies auf eine Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts von 2001 zur Pflegeversicherung. Das Gericht hatte damals dem Gesetzgeber aufgegeben, dass Erziehungsleistungen dort mehr berücksichtigt werden müssen. Dies müsse auch für die Rentenversicherung gelten, so die Klägerin.

Als Folge der Verfassungsgerichtsentscheidung hatte der Gesetzgeber den Zusatzbeitrag für Kinderlose in der Renten- und Pflegeversicherung eingeführt.

Es gibt andere Ausgleichsmechanismen um Familien zu entlasten

Doch vor dem 13. Senat des BSG hatte die Mutter keinen Erfolg. Die Renteninformation sei rechtlich nicht bindend. Sie beruhe allein auf der aktuellen Rechtslage. Die Berücksichtigung weiterer, über diese Rechtslage hinausgehender Ansprüche sei gar nicht möglich.

Auch sei eine Berücksichtigung weiterer Kindererziehungszeiten bei der Rente „von Verfassungs wegen“ nicht zwingend geboten. Der Gesetzgeber habe andere Ausgleichsmechanismen geschaffen, um Familien zu entlasten. Das Grundgesetz gebiete zwar die Gleichbehandlung und die Förderung von Familien. Eine Verletzung dieser Rechte sei aber nicht erkennbar, so das BSG.

Kläger legen Verfassungsbeschwerde ein

Der 13. BSG-Senat verwies zudem auf eine Entscheidung des für das Beitragsrecht der Rentenversicherung zuständigen 12. BSG-Senat vom 20. Juli 2017. Dieser hatte eine Entlastung von Familien in Form geringerer Rentenbeiträge abgelehnt, da es auch andere Hilfen wie Kinder- und Elterngeld gebe. Die damaligen Kläger hatten gegen diese Entscheidung Verfassungsbeschwerde eingelegt, über die das Bundesverfassungsgericht aber noch nicht entschieden hat.

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