Stellenanzeige nach erfolgshungriger Verkäuferin ist keine Männerdiskriminierung

06.12.2017, 14:10 | Arbeitsrecht | Jetzt kommentieren


Stellenanzeige nach erfolgshungriger Verkäuferin ist keine Männerdiskriminierung
Köln (jur). Sucht ein Autohaus per Stellenanzeige eine „erfolgshungrige Verkäuferin“, werden damit männliche Stellenbewerber nicht automatisch unzulässig diskriminiert. Denn arbeiten bereits bei dem Arbeitgeber ausschließlich Männer, kann die beabsichtigte Einstellung einer Frau ein gerechtfertigtes Ziel sein, „die Gleichbehandlung der Geschlechter im Berufsalltag zu fördern“, urteilte das Landesarbeitsgericht (LAG) Köln in einem kürzlich veröffentlichten Urteil vom 18. Mai 2017 (Az.: 7 Sa 913/16).

Im konkreten Fall hatte ein Autohaus auf seiner Homepage mit der Überschrift „Frauen an die Macht!“ ein Stellengesuch für das Verkaufsteam ausgeschrieben. Danach suchte der Arbeitgeber „eine selbstbewusste, engagierte und erfolgshungrige Verkäuferin“.

Doch auf die Stelle hatten sich nicht nur Frauen, sondern auch der Kläger beworben. Der ausgebildete Automobilkaufmann erhielt eine Absage. Eingestellt wurde eine Bewerberin, die ebenfalls eine Ausbildung zur Automobilkauffrau abgeschlossen und Erfahrungen als Autoverkäuferin hatte.

Männlicher Bewerber fühlte sich diskriminiert

Der abgelehnte Stellenbewerber fühlte sich wegen seines männlichen Geschlechts diskriminiert. Für die Tätigkeit als Automobilverkäufer sei ein bestimmtes Geschlecht nicht erforderlich, argumentierte er. Frauen und Männer könnten Autos gleich gut verkaufen. Er verlangte eine Diskriminierungsentschädigung von drei Monatsgehältern, insgesamt 8.775 Euro.

Das Autohaus führte aus, dass ein großer Teil seiner Kundschaft Frauen seien. Verschiedene Kundinnen hätten schon nachgefragt, ob sie nicht von einer Frau bedient werden könnten. Derzeit seien aber ausschließlich Männer angestellt, so dass man nach weiblichen Stellenbewerberinnen gesucht habe.

Klage blieb erfolglos

Die Klage auf eine Diskriminierungsentschädigung hatte vor dem LAG keinen Erfolg. Vordergründig werde der Kläger wegen eines Geschlechts zwar benachteiligt. Diese Benachteiligung sei aber aufgrund der Umstände des Einzelfalls gerechtfertigt. Der Arbeitgeber habe mit der Stellenausschreibung den „unternehmerischen Zweck“ verfolgt, seinen Kunden beim Autokauf Beratungsleistungen durch Verkaufspersonal beider Geschlechter anzubieten. So sollten die Kundschaft besser bedient und die Verkaufsergebnisse gesteigert werden.

Es müsse zudem das althergebrachte Vorurteil berücksichtigt werden, wonach Technik eine Männerdomäne sei und weibliche Kundinnen den Eindruck haben könnten, „von männlichen Verkäufern leichter übervorteilt zu werden“. Außerdem könne eine weibliche Verkäuferin unter Umständen leichter ein Gefühl dafür entwickeln, welche Kaufentscheidungen bei Frauen eine Rolle spielen.

Arbeitgeber wollte Gleichbehandlung der Geschlechter fördern

Hier habe der Arbeitgeber vor und zum Zeitpunkt der Stellenausschreibung ausschließlich Männer beschäftigt. Das Autohaus habe mit seinem Stellengesuch aber nicht beabsichtigt, die Verkaufstätigkeit nur von einem bestimmten Geschlecht ausführen zu lassen. Das Gegenteil sei vielmehr der Fall. Der Arbeitgeber habe konkret das Klischee, dass das Berufsfeld des Autoverkäufers ein typisches männliches sei, aufbrechen wollen.

Er habe mit der Einstellung einer weiblichen Autoverkäuferin die „Gleichbehandlung der Geschlechter im Berufsalltag“ fördern wollen, da bei ihm zuvor nur männliche Verkäufer arbeiteten. Dies entspreche auch dem Zweck des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes. Es wäre gerade kontraproduktiv, den Arbeitgeber dafür zu sanktionieren, dass er eine gezielte Maßnahme ergriffen hat, eine Tätigkeit nicht mehr nur ausschließlich von Angehörigen eines Geschlechts ausüben zu lassen.


Quelle: © www.juragentur.de - Rechtsnews für Ihre Anwaltshomepage

Symbolgrafik:© 1abilder - Fotolia.com


Weitere Nachrichten zum Thema
  • BildAGG-Hopper kann sich nicht auf Diskriminierung berufen (10.02.2014, 08:23)
    Steht auch einem AGG-Hopper eine Entschädigung etwa wegen Altersdiskriminierung zu? Dies erscheint zu Recht fraglich. Ein 60-jähriger promovierter Rechtsanwalt betreibt seit 1988 eine Rechtsanwaltskanzlei Sein erstes Staatsexamen legte er 1979...
  • BildStellenanzeige für "Berufseinsteiger" ist altersdiskriminierend (31.01.2014, 14:33)
    Der 60 Jahre alte Kläger ist promovierter Rechtsanwalt, der seit dem Jahre 1988 als Einzelanwalt tätig ist. Die Beklagte, eine größere Rechtsanwaltspartnerschaft, wies in einer Anzeige in der Neuen Juristischen Wochenschrift darauf hin, dass sie...
  • BildDiskriminierungsentschädigung nur vom Arbeitgeber (27.01.2014, 08:25)
    Erfurt (jur). Fordern Bewerber wegen einer diskriminierenden Stellenanzeige eine Entschädigung, kann nur der Arbeitgeber dafür geradestehen. Ein im Bewerbungsverfahren zwischengeschalteter Personalvermittler ist dagegen nicht...
  • BildVerkäuferin muss Wohnung zum Wucherpreis zurücknehmen (27.06.2012, 15:44)
    Berlin (jur). Wer eine Wohnung zum Mehrfachen ihres tatsächlichen Werts verkauft, muss sie später gegebenenfalls wieder zurücknehmen. Mit einem am Dienstag, 26. Juni 2012, veröffentlichten Urteil hat dies das Kammergericht Berlin im Fall einer...
  • BildMitarbeitersuche: Soziale Medien ersetzen keine Stellenanzeige (12.04.2012, 14:10)
    Klassische Stellenanzeigen haben auch in Zeiten von Facebook & Co. ihre Daseinsberechtigung. So lautet das Ergebnis der Untersuchung „Erfolgreiche Wege der Rekrutierung in Social Networks“ des KCS KompetenzCentrum für Statistik und Empirie der FOM...
  • Bild"Geschäftsführer gesucht" - 13.000 Euro Entschädigung wegen Stellenanzeige (19.09.2011, 11:26)
    Das Oberlandesgericht Karlsruhe sprach mit Urteil vom 13.09.2011 einer Rechtsanwältin eine Entschädigung zu, die sich vergeblich auf eine Stellenanzeige „Geschäftsführer gesucht“ beworben hatte. Die Beklagte ist ein mittelständisches Unternehmen....
  • BildPräsentation im Internet ist nicht gleich Angebot (12.10.2010, 13:27)
    München/Berlin (DAV). Auf im Internet offerierte Ware besteht kein Anspruch auf Lieferung. Eine Bestellung ist für den Verkäufer nicht bindend, erst mit entsprechender Bestätigung oder Lieferung wird der Kaufvertrag wirksam. Das Amtsgericht...
  • BildMännerdiskriminierung durch frauenfreundlichen Hinweis in Stellenausschreibung? (14.09.2010, 12:13)
    Ein öffentlicher Arbeitgeber darf in einer Stellenausschreibung unter Umständen darauf hinweisen, dass ein besonderes Interesse an der Bewerbung von Frauen besteht. In der Stellenausschreibung einer Gemeinde für einen Sportlehrer steht angegeben,...
  • BildBenachteiligung bei Stellenbesetzung (20.08.2010, 09:04)
    Macht ein Bewerber geltend, er sei bei der Besetzung einer ausgeschriebenen Stelle entgegen dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG) benachteiligt worden, so setzt dies grundsätzlich voraus, dass seine Bewerbung um die Stelle schon im...
  • BildEffizienter als jede Stellenanzeige: zweite Dortmunder Summer School Mikrotechnik (15.05.2007, 14:00)
    Die Dortmunder Summer School Mikrotechnik schafft in diesem Jahr zum zweiten Mal eine gemeinsame Plattform für Mikrotechnik-Unternehmen und angehende Ingenieurinnen und Ingenieure. Eine Woche lang, vom 20. bis 24. August 2007, vermitteln...

Ähnliche Themen in den JuraForen


Kommentar schreiben

25 + N_eu/n =

Bisherige Kommentare zur Nachricht (0)

(Keine Kommentare vorhanden)



Fragen Sie einen Anwalt!
Anwälte sind gerade online.
Schnelle Antwort auf Ihre Rechtsfrage.

JuraForum-Newsletter

Kostenlose aktuelle Urteile und Rechtstipps per E-Mail:

Anwalt für Arbeitsrecht - Top 20 Orte

Weitere Orte finden Sie unter

JuraForum-Suche

Durchsuchen Sie hier JuraForum.de nach bestimmten Begriffen:

© 2003-2017 JuraForum.de — Alle Rechte vorbehalten. Keine Vervielfältigung, Verbreitung oder Nutzung für kommerzielle Zwecke.