Multiple Chemikalienunverträglichkeit ist keine Berufskrankheit

22.01.2016, 15:22 | Arbeitsrecht | Jetzt kommentieren


Multiple Chemikalienunverträglichkeit ist keine Berufskrankheit
Mainz (jur). Eine mehrfache oder „multiple Chemikalienunverträglichkeit“ ist keine anerkannte Berufskrankheit. Weder kann die Erkrankung einer bekannten Berufskrankheit zugeordnet, noch wie eine solche behandelt werden, entschied das Sozialgericht Mainz in einem am Donnerstag, 21. Januar 2016 bekanntgegebenen Gerichtsbescheid vom 19. Januar 2016 (Az.: S 10 U 130/14).

Geklagt hatte ein Außendienstmonteur eines Möbelunternehmens. Als er im Frühjahr 1991 einen Neuwagen als Dienstfahrzeug erhielt, stellte er nach vier Wochen zahlreiche gesundheitliche Beschwerden fest. Würgereiz, Magen- und Darmprobleme, Müdigkeit und auch Atembeschwerden machten ihm das Leben fortan schwer. Nach einem Jahr verzichtete der Arbeitgeber darauf, das Auto weiter zu nutzen. Grund: Der Beschäftigte führte einen Autounfall auf Vergiftungserscheinungen aufgrund der Ausdünstungen des Neuwagens zurück.

Der Monteur beantragte bei der Berufsgenossenschaft die Anerkennung einer Berufskrankheit. Seit der Nutzung des Neuwagens leide er an diversen Erkrankungen. Es handele sich hier um eine multiple Chemikalienunverträglichkeit (MCS), meinte der Mann. Diese geht mit starken Unverträglichkeiten gegen vielfältige Chemikalien einher wie beispielsweise Duftstoffe, Lösungsmittel, Zigarettenrauch oder Abgase.

Die Berufsgenossenschaft lehnte die Anerkennung als Berufskrankheit ab. Weder gebe es eine einheitliche Definition, was eine MCS genau sei, noch welche Einwirkungen eine MCS-Erkrankung verursachen könne.

Das Sozialgericht schloss sich dem an. Es gebe keine Erkenntnisse darüber, dass Ausdünstungen von Neuwagen die beim Kläger bestehenden Gesundheitsstörungen verursachen könnten. Die Erkrankung MCS könne auch keiner bekannten Berufskrankheit zugeordnet und auch nicht wie eine solche behandelt werden.


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