Ob Fußballspiel oder Großdemo gegen Hartz IV: Die "Wirklichkeit" in unserer von Medien dominierten Wahrnehmung wird immer mehr bestimmt von Inszenierungen. Doch wer inszeniert da eigentlich was? Und warum? Und: Haben die das überhaupt gelernt?
"Theorie der Szenografie" ist der Titel eines Kolloquiums am Fachbereich Design der Fachhochschule Dortmund, das vom 13. bis 15. Dezember stattfindet. Namhafte Experten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz referieren und diskutieren mit Studenten und Publikum einen aktuellen Trend. Der in romanischen Ländern geläufige Ausdruck "Szenografie" hat sich in letzter Zeit auch im deutschen Sprachraum mehr und mehr durchsetzen können. Seit dem laufenden Semester wird an der FH ein neuer Masterstudiengang "Szenografie" angeboten.
Doch was ist "Szenografie"? Letztlich noch immer die Tätigkeit von Bühnenbildnern, Theaterarchitekten, Production- und Setdesignern oder Ausstellungsmachern. Gängige Praxis ist weiterhin, dass Ausstellungsmacher Musiktheater inszenieren, Choreographen Sportevents, Kommunikationsdesigner Expo-Pavillons oder Bühnendramaturgen den Christopher Street Day. Alle machen alles. Wahlweise und ohne feste Zuschreibung. Gemeinsames Ziel: Die temporäre Raumgestaltung.
Disziplinen überschreitend sind auch die Wissenschaften, die sich mit der Szenografie befassen: Nicht nur Soziologen und Kulturwissenschaftler diskutieren mittlerweile gemeinsam die Reichweite des Inszenierungsbegriffs, sondern auch Theater-, Film- und Kunstwissenschaftler, Literatur-, Musik-, und Medienwissenschaftler und nicht zuletzt Philosophen.
Theoretisch also eine Menge Raum um Grenzen zu ziehen und Zuständigkeiten zu diskutieren. Mit der Tagung "Theorie der Szenografie" vom 13. bis 15. Dezember soll aber auch die längst fällige Einbeziehung der Designpraxis umgesetzt werden.
Theatralität, Intermedialität, Erweiterter Raum
Zur Theorie der Szenografie