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"Wahlsieg von Schwarz-Gelb ist wahrscheinlich."

16.09.2005, 15:00 | Wissenschaft | Autor: idw | 0 Kommentare


Bei den Bundestagswahlen 1998 und 2002 orientierten sich vor allem die kurz vor der Wahl unentschlossenen Wählerinnen und Wähler an den Themen und an den Bewertungen der Parteien und ihrer Kandidaten in den Massenmedien. Dies wird auch 2005 wieder der Fall sein. "Die Medienberichterstattung ist vor allem für die große Zahl der noch unentschlossenen Wählerinnen und Wähler ein wichtiger Anhaltspunkt für die eigene Wahlentscheidung", so Brettschneider. "Die Medienberichterstattung liefert diesen Personen Argumente der Parteien und der Spitzenkandidaten. Es gewinnt die Partei, der es am besten gelingt, ihre Themen in der Medienberichterstattung zu verankern. Und es gewinnt die Partei, der es gelingt, im Vergleich zu den Konkurrenten das beste Medienbild von sich zu zeichnen". Dominiert beispielsweise das Thema "soziale Gerechtigkeit", so profitiert davon die SPD. Dominiert das Thema "Arbeitsmarkt", so profitiert davon die Union.


In der vergangenen Woche (4.9. bis 11.9.) gelang der SPD das bessere Themenmanagement. Vor allem nach dem "TV-Duell" zwischen Gerhard Schröder und Angela Merkel sowie den folgenden SPD-Zuwächsen in den Meinungsumfragen wurde sehr intensiv und insgesamt sehr negativ über die Union berichtet. Dies dürfte einige Stammwähler der Union verunsichert haben und den Unentschlossenen einen Impuls in Richtung SPD gegeben haben. "Doch solche Bewegungen sind sehr flüchtig", so Brettschneider.


In der letzten Woche vor der Bundestagswahl 2005 lässt der Mediendruck auf die Union nun wieder nach. Im Bild der Union war die Bilanz Paul Kirchhofs zwar weiterhin negativ, dafür sorgte aber Friedrich Merz für Pluspunkte. Zusätzlich litt das Bild der Sozialdemokraten unter den Spekulationen über die "Streich-Liste" von Finanzminister Eichel. In den TV-Nachrichten, die für die Unentschiedenen bei den letzten Bundestagswahlen von besonderer Bedeutung waren, werden die Union und ihre Kanzlerkandidatin zwar immer noch überwiegend negativ bewertet. In der Gesamtbilanz schnitt die Union aber wieder besser ab als die SPD und Kanzler Schröder. Der Bilanz positiver und negativer Wertungen betrug im Medienbild der Union bezogen auf alle Aussagen -3,3 Prozentpunkte, bei den Sozialdemokraten betrug die Bilanz -8,9 Prozentpunkte (Basis: 19.472 Aussagen über die Union und Angela Merkel bzw. die SPD und Gerhard Schröder in den Hauptnachrichtensendungen von ARD, ZDF, RTL, SAT.1 und ProSieben). Damit hat der Schub zugunsten der SPD nachgelassen und die verunsicherten Stammwähler der Union kehren zu ihrer ursprünglichen Wahlabsicht zurück. "Wenn der Mediendruck auf eine Partei sehr groß wird, werden Stammwähler verunsichert und können nicht mehr mobilisiert werden", erläutert Media Tenor-Chefredakteur Roland Schatz. "Fehlt dieser Druck oder fällt er weg, dann unterstützen sie "ihre" Partei am Wahltag. Davon konnte die SPD 2002 profitieren". Diesmal ist ein solcher Druck unmittelbar vor der Wahl jedoch nicht vorhanden.


Und anders als 2002 kann diesmal auch keine der kleineren Parteien einen Schub aus den Medien für den Wahlsonntag mitnehmen: Damals hatte sich das Medienbild der Grünen in den TV-Nachrichten vor der Wahl deutlich gebessert und das der FDP verschlechtert. "In diesem Jahr ist das Bild von Grünen, FDP und Linkspartei ähnlich negativ, nach größeren Verschiebungen sieht es deshalb bisher nicht aus", so Roland Schatz. "Wenn sich der Medientrend zur Union in den nächsten Tagen fortsetzt, dann wird es für Schwarz-Gelb reichen", prognostizieren Schatz und Brettschneider.
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Die Studie ist Teil eines großen gemeinsamen Forschungsprojektes, in dem Prof. Dr. Frank Brettschneider und der Media Tenor die Medienberichterstattung über die Bundestagswahlen 1998, 2002 und 2005 sowie über die amerikanische Präsidentschaftswahl 2004 untersuchen. Das Projekt wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert und soll wichtige Aufschlüsse darüber bieten, welche Informationsgrundlage den Wählerinnen und Wählern mit der Berichterstattung zur Verfügung steht.
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Ansprechpartner:


Prof. Dr. Frank Brettschneider
Kommunikationswissenschaft
Universität Augsburg
Tel: 0821/598-5665 oder 0711/6571135
frank.brettschneider@phil.uni-augsburg.de


Quelle: idw



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