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JuraForum.deNachrichtenWissenschaftUnaufdringlicher Retter in der Not und exzellenter Skatspieler 

Unaufdringlicher Retter in der Not und exzellenter Skatspieler

12.10.2010, 08:00 | Wissenschaft | Autor: | Jetzt kommentieren


„Mobiler Assistent“ sorgt für mehr Lebensqualität in den eigenen vier Wänden

Oldenburg. Stellen Sie sich vor, sie gehen in den Baumarkt, können ein bestimmtes Produkt nicht finden und ein Roboter zeigt ihnen schließlich, wo es liegt. Das ist keine Vision sondern bereits Wirklichkeit. Der „Mobile Assistent“ hat diesen Einsatz in einem Heimwerkermarkt in Erfurt schon erfolgreich hinter sich.

Lautlos nähert er sich, plinkert seinem Gegenüber zu und die Vorstellung, er könnte zum Freund werden, ist nicht abwegig. Offiziell heißt er „Mobiler Assistent“. Aber man könnte ihn auch Max oder Paul nennen. Weil er zwei Augen und einen rundlichen Körper hat, erinnert er ein bisschen an ein menschliches Wesen. Auf keinen Fall ist er ein typischer Roboter. Denn der „Mobile Assistent“ hat keine Arme, bewegt sich auch nicht ruckartig und ist leuchtend rot „gekleidet“.

Prof. Dr. Frank Wallhoff, der seit dem Wintersemester an der Jade Hochschule in Oldenburg im Bereich Assistive Technologie lehrt, hat seine Ideen von der TU München mit nach Oldenburg gebracht, wo der Elektrotechniker mit dem Spezialgebiet Technische Informatik seine vielen Visionen bezüglich des „Mobilen Assistenten“ gemeinsam mit den Studierenden weiter umsetzen will.

Noch arbeitet er mit einer Leihgabe der Herstellerfirma Metralabs GmbH. Doch der „Mobile Assistent“ bzw. sein Gehäuse ist bereits bestellt und wird demnächst in der Hochschule eintreffen. Danach können Frank Wallhoff, die wissenschaftliche Mitarbeiterin Christiane Heidenfelder vom Netzwerk Medizintechnik und die Studierenden den „Mobilen Assistenten“ bzw. seinen Datenspeicher füttern. Der soll nämlich Menschen jeden Alters in den eigenen vier Wänden hilfreich beiseite stehen, die ein körperliches Handicap haben. „Das betrifft den verunglückten Motorradfahrer ebenso wie den alten Menschen oder jene, die mit einer Körperbehinderung geboren wurden“, sagt Frank Wallhoff.

Mit Hilfe eines Schlüssels, der wie eine Startautomatik im Auto funktioniert, wird der 1,50 Meter große und 75 Kilogramm schwere rote und unaufdringliche Helfer, ausgestattet mit Kameras, Mikrophonen, Sensoren, einem Touchscreen Bildschirm sowie einem Computer in seinem Bauch zum Leben erweckt.

Demnächst wird er auf Zuruf reagieren. „Er soll einen Notruf absetzen können, Lampen, Fernseher oder Radio einschalten, sie regulieren, das richtige Programm suchen, auf dem Bildschirm anzeigen, wer vor der Haustür geklingelt hat, eine Videokonferenz zum Apotheker oder Arzt des Vertrauens aber auch zu den besten Freunden herstellen, Lebensmittel bestellen oder auch Texte vorlesen. „Außerdem soll er mitlernen“, sagt Frank Wallhoff. „Er muss Handlungsabläufe kennen und Alarm schlagen, wenn er mehrere Unregelmäßigkeiten feststellt. Eben dann, wenn sein Besitzer plötzlich nicht mehr aufsteht, die Toilette nicht aufsucht und keinen Kaffee kocht.“

Einige Dinge kann der „Mobile Assistent“ jetzt schon. So entpuppt er sich zum Beispiel als sehr guter Schach- und Skatspieler. Auch alle anderen Spiele kann er spielen. „Das ist nur eine Frage der Programmierung“, erklärt Frank Wallhoff. Auch wenn einige Tätigkeiten noch Zukunftsmusik sind, so werden sie dennoch in einigen Jahren möglich sein. „Machbar ist das alles“, bestätigt der Fachmann und setzt bei seinen Entwicklungen vor allem auf eine sehr einfache Bedienung. „Für mich steht der Mensch klar im Vordergrund. Er muss unseren Helfer problemlos bedienen können, indem er ihn anspricht oder auf dem Bildschirm einen Befehl gibt, dass jetzt Schach gespielt wird.

Jüngst hat er seinen Helfer auf einer Seniorenmesse präsentiert. „Ablehnung gab es kaum“, berichtet er. „Dass vor allem ältere Menschen sich erst an den Gedanken gewöhnen müssen, einen Roboter im Haus zu haben, ist absolut nachvollziehbar. Aber die Generation ab 50 Jahre sieht das schon viel selbstverständlicher. Mir geht es allein darum, Menschen mit Handicaps mehr Lebensqualität zu ermöglichen. Sie sollen so lange wie möglich ihren Bedürfnissen entsprechend leben können“, sagt Frank Wallhoff und hofft, dass der „Mobile Assistent“ in ein paar Jahren auf den Markt kommt.

Quelle: idw


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