Umfrage zum Thema Mobbing

24.03.2015, 10:14 | Wissenschaft | Autor: | Jetzt kommentieren


Wie weit verbreitet ist Mobbing im Öffentlichen Dienst? Das untersucht der Würzburger Jurist Sebastian Hartmann in einer aktuellen Studie. Dabei geht er auch der Frage nach, inwieweit der Gesetzgeber bei diesem Thema gefordert ist. Für die Studie werden noch Teilnehmer gesucht.

Im Öffentlichen Dienst geben doppelt so viele Menschen an, Mobbing am eigenen Leib erfahren zu haben, wie in den meisten Branchen der Privatwirtschaft. Rund zehn Prozent berichten von Mobbingattacken gegen sie selbst. Das ist das Ergebnis einer deutschlandweiten Untersuchung aus dem Jahr 2002, die von der Bundesregierung zwei Jahre zuvor in Auftrag gegeben worden war.

Neue Zahlen will jetzt der Würzburger Diplom-Jurist Sebastian Hartmann ermitteln; er hat deshalb im Rahmen seiner Doktorarbeit eine Online-Umfrage gestartet, an der sich möglichst viele Mitarbeiter aus Behörden und Verwaltung beteiligen sollen. Hartmann forscht am Lehrstuhl für Staatsrecht, Völkerrecht, Internationales Wirtschaftsrecht und Wirtschaftsverwaltungsrecht der Universität Würzburg. Ziel seiner Arbeit ist es, die aktuelle Situation darzustellen, spezifische Probleme im Öffentlichen Dienst zu erfassen und den Bedarf einer „rechtlichen Ausgestaltung“ zu ermitteln.

Hohe Hürden auf rechtlicher Seite

„Bislang gibt es vom Gesetzgeber keine Definition, was unter Mobbing zu verstehen ist“, erklärt Sebastian Hartmann. Wenn der Chef morgens im Büro die eine Mitarbeiterin freundlich grüßt, den anderen Mitarbeiter aber nicht: Ist das schon Mobbing? Dazu äußert sich der Gesetzgeber nicht. In der Literatur wird für den Mobbing-Nachweis in erster Linie ein lang andauernder Prozess gefordert, in dem sich unterschiedliche Aktionen wie Perlen in einer Kette aneinander reihen und aufeinander aufbauen.

„Auf rechtlicher Seite ist die Hürde also hoch: Wer sich vor Gericht wehren will, muss über einen längeren Zeitraum hinweg gravierende Fälle dokumentieren“, sagt Hartmann. Gleichzeitig werde das Schlagwort „Mobbing“ mittlerweile inflationär gebraucht und komme häufig auch in Situationen zum Einsatz, in denen zumindest aus rechtlicher Sicht die Kriterien bei Weitem nicht erfüllt sind.

Wer an der Studie teilnehmen kann

Wer an Hartmanns Studie teilnehmen will, muss kein Mobbing-Opfer oder Täter sein oder Mobbingfälle beobachtet haben. Dem Juristen geht es auch darum, herauszufinden, wie Beschäftigte im Öffentlichen Dienst rechtliche Möglichkeiten im Kampf gegen Mobbing einschätzen, welche Maßnahmen ihrer Meinung nach sinnvoll sein könnten. So zeigen erste Zwischenergebnisse der Befragung schon jetzt, dass weder Täter noch Opfer davon ausgehen, dass klare Verbote Mobbing verhindern können. „Allerdings glauben beide Seiten, dass rechtliche Maßnahmen helfen könnten, wenn es um die Beweisbarkeit geht“, so Hartmann.

Mobbing im Öffentlichen Dienst stellt nach Ansicht des Juristen nicht nur wegen der hohen Fallzahlen eine Besonderheit dar. Anders als in der Privatwirtschaft, wo Mobbingopfer kündigen und auf Schmerzensgeld klagen, komme es im Öffentlichen Dienst so gut wie nie zur Klage. „Hier lassen sich die Betroffenen eher versetzen oder krank beziehungsweise dienstunfähig schreiben“, sagt Hartmann. Dabei hat der Staat in seiner Rolle als „Arbeitgeber“ eine Fürsorgepflicht den Beschäftigten gegenüber. Demnach sollte er auch ein Interesse daran haben, Mobbing zu definieren.

Österreich als Vorbild

Österreich hat seit Kurzem solch eine Regelung. Dort heißt es im Beamten- Dienstrechtsgesetz, dass die Beschäftigten „einander mit Achtung zu begegnen und zu einem guten Funktionieren der dienstlichen Zusammenarbeit beizutragen“ haben. Im Umgang mit Vorgesetzten, Kollegen und Mitarbeitern sollen sie „Verhaltensweisen oder das Schaffen von Arbeitsbedingungen unterlassen, die deren menschliche Würde verletzen oder dies bezwecken oder sonst diskriminierend sind“.

Will Sebastian Hartmann mit seiner Doktorarbeit dazu beitragen, solch eine Regelung auch in Deutschland einzuführen? Nicht in erster Linie, sagt er. Ihm gehe es vor allem darum zu untersuchen, wie Mobbing im Öffentlichen Dienst aus rechtlicher Sicht zu bewerten ist und wie entsprechende Vorschriften dagegen ausgestaltet sein müssten. Dennoch: Ein Antimobbing-Gesetz schwebt „als Fernziel am Horizont“, wie er sagt.

Zur Person

Sebastian Hartmann (25) ist Diplom-Jurist. Er hat an der Universität Würzburg Rechtswissenschaften studiert und das erste Staatsexamen erfolgreich abgelegt. Derzeit ist er für den Aufbaustudiengang „Europäisches Recht“ eingeschrieben.

Die Umfrage

Die Umfrage wendet sich an alle Beschäftigen im Öffentlichen Dienst in Deutschland; die Daten werden selbstverständlich anonym erhoben. Die Teilnahme dauert nur wenige Minute. Das Passwort lautet „Spiegel0130“.

Hier geht’s zur Umfrage: https://evasys.zv.uni-wuerzburg.de/evasys_02/online.php

Kontakt

Sebastian Hartmann, T: (0931) 31-80061, shartmann@jura.uni-wuerzburg.de

Quelle: idw


Weitere Nachrichten zum Thema
  • BildOnline-Studie zum Thema Mobbing gegen Lehrerinnen und Lehrer (09.12.2013, 15:10)
    Zum Mobbing am Arbeitsplatz sind bereits zahlreiche Studien durchgeführt worden. Im schulischen Kontext ist der Kenntnisstand noch eher gering. Hier konzentrierten sich bisher viele Untersuchungen auf das Mobbing unter Schülern, auch „Bullying“...
  • BildJunges Kolleg: Stellungnahme und Umfrage zum Thema „Frauenquote in der Wissenschaft“ (24.10.2013, 14:10)
    Die AG Hochschulpolitik des Jungen Kollegs der Nordrhein-Westfälschen Akademie der Wissenschaften und der Künste spricht sich im Falle einer Einführung einer Frauenquote in der Wissenschaft für ein flexibles Kaskadenmodell aus. Dieses solle auf...
  • BildBitte teilnehmen: Online-Umfrage des Jungen Kollegs zum Thema "Frauenquote" (04.12.2012, 10:10)
    Die Arbeitsgruppe „Hochschulpolitik“ des Jungen Kollegs der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und der Künste startet ab sofort eine Online-Umfrage zum Thema "Frauenquote an deutschen Universitäten und außeruniversitären...
  • BildINQA-Thema: Führungskräfte sind häufig Mobbing-Täter oder Mobbing-Mittäter (11.04.2011, 00:00)
    Beitrag Nr. 199221 vom 11.04.2011 INQA-Thema: Führungskräfte sind häufig Mobbing-Täter oder Mobbing-Mittäter Jeder Mitarbeiter kann zum Mobbing-Opfer werden. Am stärksten betroffen sind allerdings die Arbeitnehmer-Gruppen unter 25 Jahren wie die...
  • BildNeue Eurobarometer-Umfrage (23.11.2010, 15:00)
    Deutsche skeptisch beim Thema BiotechnologieUnter Beteiligung des Instituts für Sozialwissenschaften der Universität Stuttgart wurde von der EU-Kommission eine repräsentative Eurobarometer-Umfrage durchgeführt, um die Einstellungen der Europäer...
  • BildStart der aktuellen Umfrage für das neue Bildungsbarometer zum Thema Nachhilfe (09.03.2009, 11:00)
    Das Bildungsbarometer geht in eine neue Runde. Diesmal steht der Nachhilfeunterricht im Zentrum der Befragung. Die Online-Befragung ist unter der Adresse zu erreichen und läuft bis zum 27. April 2009."Das Bildungsbarometer greift wieder ein...
  • BildEuropäische Online-Kurse zum Thema Gewalt und Mobbing in der Schule (18.09.2008, 12:00)
    Im Rahmen des Projekts VISTOP (Violence in Schools Training Online Project) bieten Projektpartner aus Deutschland, Bulgarien, Irland, Spanien und Großbritannien moderierte, englischsprachige Online-Kurse für Lehrer, Eltern und politische...
  • BildEine halbe Stunde für die Forschung: internationale Online-Umfrage zum Thema Hautkrebs (15.05.2007, 11:00)
    Eine der weltweit größten Online-Umfragen soll helfen, den rasanten Anstieg von Hautkrebs-Erkrankungen innerhalb der letzten 20 Jahre zu erklären. Im Fokus steht dabei vor allem die besonders aggressive Form des Hautkrebses, das Melanom. Ziel der...
  • BildUmfrage "Virtuelle Unternehmen" gestartet (10.11.2005, 13:00)
    Unter allen Erwerbstätigen, die heute schon in virtuellen Unternehmen tätig sind, hat das IZT - Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung eine Online-Befragung gestartet. Das Ausfüllen des Fragebogens dauert nur ca. 10 Minuten.Im...
  • BildUmfrage der Universitätsbibliothek Leipzig (21.07.2005, 12:00)
    "Im letzten Uni-Ranking wurde die Bibliotheksausstattung an der Universität Leipzig schlecht bewertet.", stellt die kommissarische Direktorin der Universitätsbibliothek Leipzig, Charlotte Bauer, fest. "Jetzt wollen wir es genauer wissen." Auf der...

Ähnliche Themen in den JuraForen


Kommentar schreiben

56 + N e/un =

Bisherige Kommentare zur Nachricht (0)

(Keine Kommentare vorhanden)



Fragen Sie einen Anwalt!
Anwälte sind gerade online.
Schnelle Antwort auf Ihre Rechtsfrage.

JuraForum-Newsletter

Kostenlose aktuelle Urteile und Rechtstipps per E-Mail:

Top 10 Orte in der Anwaltssuche

JuraForum-Suche

Durchsuchen Sie hier JuraForum.de nach bestimmten Begriffen:

© 2003-2017 JuraForum.de — Alle Rechte vorbehalten. Keine Vervielfältigung, Verbreitung oder Nutzung für kommerzielle Zwecke.