Sparkassen und Kreditgenossenschaften zwischen EZB-Niedrigzinspolitik und Regulierungsauflagen

24.05.2016, 10:10 | Wissenschaft | Autor: | Jetzt kommentieren


Aktuelles IAT-Discussion-Paper thematisiert Handlungsdruck und warnt vor Schnellschüssen

Die über 1 400 deutschen Sparkassen und Kreditgenossenschaften sind wichtiger Faktor für die wirtschaftliche Entwicklung und Finanzierung kleiner und mittelständischer Unternehmen ihrer Region. Zurzeit stehen sie allerdings unter Druck: Politische Maßnahmen, insbesondere die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank und die Regulierungsanforderungen belasten Die Zukunftsfähigkeit des dezentralen Bankensystems in Deutschland ist Thema eines aktuellen Discussion Papers aus dem Institut Arbeit und Technik (IAT/ Westfälische Hochschule).

Franz Flögel und Dr. Stefan Gärtner vom IAT-Forschungsschwerpunkt Raumkapital diskutieren darin die Bedeutung dezentraler Banken, die auch in schwachen, peripheren Regionen wegen ihrer flexiblen Vor-Ort-Entscheidungskompetenz Wettbewerbsvorteile realisieren und mit der Finanzierung von KMU wichtige Impulse für den regionalen Wirtschaftskreislauf geben können. Ein Teil des Erfolgs regionaler Banken in schwachen Regionen liegt in dem (niedrig verzinsten) Einlagengeschäft, welches jedoch aufgrund der expansiven Geldpolitik der EZB massiv an Wert verloren hat. Dadurch stecken die regionalen Sparkassen und Kreditgenossenschaften aktuell in einer Zwickmühle: Sie müssen unattraktive Konditionen auf Einlagen anbieten und Kunden in andere Anlageprodukte lenken, da sie Einlagenüberschüsse gegenwärtig kaum wirtschaftlich anlegen können. Hierdurch fördern sie jedoch Kundenabwanderung durch E-Business und Online-Handel und gefährden mittelfristig die regionalen Spar-Investitions-Kreisläufe, welche ihre regionale Unabhängigkeit garantieren.

„Die Sparkassen und Kreditgenossenschaften können vor diesen Hintergrund nicht anders vorgehen, als weiterhin Kosten einzusparen, um konkurrenzfähig zu bleiben“, folgern Flögel und Gärtner. Aber die Möglichkeiten der Kosteneinsparung für regionale Banken sind begrenzt, da etwa die neuen Regulierungsanforderungen kleine Banken überproportional belasten. Sie stehen vor der Herausforderung, sich an die neuen Gegebenheiten anzupassen, ohne dabei die konstitutiven Elemente des dezentralen Bankings zu zerstören. „Eine Herausforderung, die sie in der Vergangenheit immer wieder gemeistert haben“, zeigen sich die Autoren optimistisch. Entsprechend sei Vorsicht vor Schnellschüssen und Aktivismus geboten, damit das dezentrale Banking nicht an den Folgen der Therapie stirbt.

Ihre Ansprechpartner: Franz Flögel, Durchwahl: 0209/1707-203, floegel@iat.eu , Dr. Stefan Gärtner, Durchwahl: 0209/1707-164, gaertner@iat.eu

Weitere Informationen:
- http://www.iat.eu/discussionpapers/download/IAT_Discussion_Paper_16_02.pdf (IAT-Discussion Papier 16/02)

Quelle: idw


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