Neues telemedizinisches Netzwerk zur Versorgung von Schlaganfallpatienten in Unterfranken gestartet

02.10.2013, 15:10 | Wissenschaft | Autor: | Jetzt kommentieren


Das Transregionale Netzwerk für Schlaganfallintervention mit Telemedizin (TRANSIT-Stroke) soll in Zukunft sicherstellen, dass auch Schlaganfallpatienten in den ländlichen Regionen Ober- und Unterfrankens bestmöglich versorgt werden. Dazu arbeiten zwölf Kliniken der Region in Zukunft unter High-Tech-Einsatz eng zusammen. Koordiniert wird das neue Netzwerk von der Neurologischen Klinik des Würzburger Universitätsklinikums.

Wichtig für den Behandlungserfolg bei Schlaganfall ist neben dem ärztlichen Know-how fast immer Schnelligkeit: Viele Therapien sind nur innerhalb weniger Stunden nach dem Auftreten eines Schlaganfalls sinnvoll durchführbar. Als hocheffiziente Struktur für eine bestmögliche Diagnose, Therapie und Rehabilitation wurden in den letzten Jahren an vielen Krankenhäusern in Deutschland spezielle Schlaganfallstationen eingerichtet, die so genannten Stroke Units. Die dortigen Experten kümmern sich auch um die Sekundärprävention, also das Vermeiden eines weiteren Schlaganfalls, nachdem ein Patient einen ersten Schlaganfall überstanden hat.

Keine flächendeckende Experten-Versorgung in Stroke Units
Aktuell gibt es bundesweit knapp 250 zertifizierte Stroke Units. „Für eine allerorts umfassende Versorgung nach neuesten medizinischen Erkenntnissen sind dies aber leider noch zu wenige“, sagt Prof. Jens Volkmann, Direktor der Neurologischen Klinik des Universitätsklinikums Würzburg (UKW). Stroke Units sind häufig in großen Krankenhäusern in städtischen Gebieten eingerichtet. Eine vollständige Flächendeckung, gerade in ländlichen Gebieten, ist hingegen nicht gesichert – auch nicht in Unter- und Oberfranken.

Ein Bündnis aus zwölf Kliniken der Region
Um diesen Zustand zu verbessern, haben sich zwölf Krankenhäuser der Region zum Transregionalen Netzwerk für Schlaganfallintervention mit Telemedizin, kurz TRANSIT-Stroke, zusammengeschlossen. Die Leitung des Gesamtprojekts liegt bei der Neurologischen Klinik des UKW. Am 1. Oktober dieses Jahres fand am Würzburger Großkrankenhaus die Kick-off-Veranstaltung statt. „Unser Hauptziel ist es, eine möglichst große Zahl von Schlaganfallpatienten einer optimalen Akuttherapie zuzuführen“, berichtet Prof. Christoph Kleinschnitz. Als Geschäftsführender Oberarzt der Neurologischen Klinik des Würzburger Uniklinikums ist er einer der Koordinatoren des neuen Netzwerks.

Dreistufiges, bedarfsorientiertes Versorgungskonzept
Die kooperierenden Kliniken wurden in drei Stufen eingeteilt. Zur Stufe III zählen Krankenhäuser mit überregionaler Stroke Unit, Stufe II umfasst Kliniken mit regionaler Stroke Unit und in Stufe I finden sich Partnerkliniken ohne Stroke Unit.
Die Zentren des Netzwerks bilden das Universitätsklinikum Würzburg, das Leopoldina Krankenhaus Schweinfurt und die Neurologische Klinik Bad Neustadt/Saale. Als Einrichtungen mit der höchsten Kompetenz stellen sie in TRANSIT-Stroke einen kontinuierlichen teleneurologischen Dienst für die Kooperationskliniken der Stufe I und II sicher. Zudem gehört das Klinikum Aschaffenburg zu den Kooperationskliniken der Stufe III. „Im Detail bedeutet das, dass unsere Partner ohne eigene Stroke Unit rund um die Uhr zu allen bei ihnen eintreffenden oder stationär aufgenommenen Schlaganfallpatienten eine neurologische Konsultation in Anspruch nehmen können“, schildert Prof. Kleinschnitz.

Kommunikation per topmodernem Telemedizinsystem
Damit der nicht vor Ort anwesende Experte für seinen Rat eine ausreichende Entscheidungsgrundlage bekommt, wird für jede Klinik des Netzwerks ein topmodernes Telemedizinsystem angeschafft, das eine „bidirektionale audiovisuelle Kommunikation“ ermöglicht. „Anders ausgedrückt bedeutet das, dass die Spezialisten über ein Kamera- und Bildschirmsystem in Echtzeit mit dem behandelnden Arzt vor Ort und dem Patienten sprechen können. Gleichzeitig sehen sie in Livebildern den Patienten und können sich zum Beispiel seine radiologischen Befunde und weitere medizinischen Daten auf den Bildschirm holen“, schildert Prof. Kleinschnitz. Der Auswahl- und Anschaffungsprozess des Telemedizinsystems läuft derzeit noch, Prof. Kleinschnitz rechnet damit, dass es bis zum ersten Quartal 2014 dauern wird, bis die neue Technik bei allen Kooperationskliniken einsatzbereit ist.
Schwer betroffene Patienten, die trotz Telemedizin in Stufe I-Krankenhäusern nicht adäquat behandelbar sind, können in eine Klinik der Stufe II oder III verlegt werden.

Schwierige Fälle wandern in der Hierarchie nach oben
Beim telemedizinischen Konsiliardienst zwischen den Krankenhäusern der Stufen II und III soll es hauptsächlich um Schlaganfallpatienten mit speziellen, oft komplexen Indikationen gehen. Hierbei wird neben der Besprechung des weiteren Vorgehens auch die Verlegung in die bestausgestatteten Kliniken der Stufe III geprüft, zum Beispiel für einen besonderen Eingriff oder eine Operation.
Weitere Leistungen des Netzwerks sind regelmäßige Trainings- und Fortbildungsangebote sowie das gemeinsame Arbeiten an einer hochwertigen Qualitätssicherung, die Prof. Peter Heuschmann, Leiter des Instituts für Klinische Epidemiologie und Biometrie der Universität Würzburg, federführend koordiniert.
Prof. Volkmann zeigt die weiteren Perspektiven auf: „Gerade aus der Perspektive der Patienten wäre es zu kurz gedacht, wenn unser Netzwerk auf Dauer an den Grenzen von Bayern halt machen würde. Deshalb planen wir in einem zweiten Schritt, Kooperationskliniken in den angrenzenden Gebieten in Hessen und Baden-Württemberg einzubeziehen.“

Quelle: idw


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