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Grenzen der Toleranz gegenüber Muslimen?

29.01.2014, 18:10 | Wissenschaft | Autor: idw | Jetzt kommentieren

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Viel beachtete Emnid-Erhebung zur Religionsvielfalt in Buchform erschienen – Studie des Religionssoziologen Detlef Pollack zeigt kritische Haltung zum Islam

Unter dem Titel „Grenzen der Toleranz“ ist die viel beachtete internationale Studie zur Religionsvielfalt von Prof. Dr. Detlef Pollack aus dem Exzellenzcluster „Religion und Politik“ in Buchform erschienen. Zentrales Ergebnis der repräsentativen Emnid-Erhebung des Religionssoziologen und seines Teams ist, dass die Mehrheit der Deutschen ein viel negativeres Bild von Muslimen hat als ihre Nachbarn in Frankreich, Dänemark oder den Niederlanden. Solchen Vorurteilen könne am besten durch persönliche Kontakte zu Muslimen vorgebeugt werden. In Politik und Medien stießen die 2010 erstmals vor der Presse veröffentlichen Befunde auf viel Resonanz. Gut 200 Journalisten in 20 Ländern berichteten darüber. Die Studie kam im Bundestag und auf zahlreichen Symposien zu Sprache. Nun hat das Forscherteam eine ausführliche und differenzierte religionssoziologische Auswertung des Zahlenwerks im Verlag Springer VS vorgelegt.

Die Autoren des Buches legen in vertiefenden Analysen dar, wie Menschen in Europa Muslime, Juden, Buddhisten, Hindus und Atheisten wahrnehmen und welche individuellen und gesellschaftlichen Faktoren ihre Bereitschaft zur religiösen Toleranz beeinflussen. Die Forscher zeigen auch auf, unter welchen Bedingungen die befragten Menschen religiöse Vielfalt in ihrem Land akzeptieren oder ablehnen. Zudem wird erörtert, warum es mehr Ablehnung von Muslimen in Ost- als in Westdeutschland gibt und ob sich in Deutschland beim Thema Einwanderung und Islam eine neue kulturelle Spannungslinie ausmachen lässt. Die Beiträge des Buches befassen sich darüber hinaus mit dem soziostrukturellen Profil der Muslime in Europa sowie mit dem Zusammenhang zwischen Staatsbürgerschaft, nationaler Identität und den Haltungen gegenüber Muslimen. Untersucht wird auch das Verhältnis zwischen Christen, Muslimen und Atheisten.

Abwehrreflexe gegenüber fremden Religionen

Wo die „Grenzen der Toleranz“ liegen, wie es im Buchtitel heißt, hängt nach Einschätzung der Autoren davon ab, was unter dem Begriff zu verstehen sei. „Fasst man Toleranz lediglich als Form ‚bedingter Duldung‘ auf, die von religiösen Minderheiten Anpassung erwartet, findet man in Deutschland und anderen europäischen Ländern eine nahezu unbegrenzte Toleranz vor“, schreiben die Autoren. Verstehe man unter Toleranz hingegen wechselseitige Achtung und echte Gleichbehandlung von unterschiedlichen religiösen Überzeugungen, seien die Grenzen bald klar: Das Recht auf sichtbare Religionsausübung im Alltag rufe gegenüber anderen Religionen vielfach abwehrende Reflexe hervor. „Dies gilt insbesondere für die Deutschen und ganz besonders für ihre Bereitschaft, den Muslimen Gleichberechtigung einzuräumen.“

Allerdings lässt die Studie erkennen, dass die Positionen nicht so festgefahren sind, dass ein Umdenken unmöglich wäre: „Obwohl ein bedeutender Teil der deutschen Bevölkerung in der zunehmenden Zahl von Muslimen eine Ursache für Konflikte sieht, lässt sich nur bedingt von einer tief verankerten, politisch wirksamen Konfliktlinie sprechen. Die Mehrheit nimmt die Konflikte nicht als ‚Kampf der Kulturen‘ wahr.“ Zwischen der zunehmenden religiösen Vielfalt und einer reservierten Mehrheit gebe es zwar Spannungen. Sie hätten aber kein so hohes Maß erreicht, dass sie zu einem mentalitätsprägenden Kennzeichen der politischen Kultur geworden seien. „Insofern geben die an sich ernüchternden Ergebnisse der Studie auch ein Hoffnungszeichen“, unterstreichen die Forscher.

Zu den Autoren gehören die Religionssoziologen Prof. Dr. Detlef Pollack, Dr. Olaf Müller, Dr. Gergely Rosta, Nils Friedrichs und Alexander Yendell. Die Studie ist in der ersten Förderphase des Exzellenzclusters entstanden. Das Team führte die repräsentative Erhebung Mitte 2010 mit TNS Emnid in fünf europäischen Ländern unter dem Titel „Wahrnehmung und Akzeptanz religiöser Vielfalt in Europa“ durch. Ein neues Forschungsprojekt aus der zweiten Förderphase des Exzellenzclusters schließt an die Erhebung an. Es befasst sich mit der kulturellen und sozialen Integration türkischstämmiger Muslime in Deutschland. (vvm/han)

Hinweis: Detlef Pollack, Olaf Müller, Gergely Rosta, Nils Friedrichs und Alexander Yendell, Grenzen der Toleranz. Wahrnehmung und Akzeptanz religiöser Vielfalt in Europa, Wiesbaden: Springer VS, 2014, ISBN 978-3-531-18678-8, 247 Seiten, 39,99 Euro.

Aus dem Inhaltsverzeichnis:

Wahrnehmung und Akzeptanz religiöser Vielfalt in ausgewählten Ländern Europas: Erste Beobachtungen, Detlef Pollack

Grenzen der Toleranz: Deutschlands Plädoyer für die Ungleichbehandlung von Religionsgemeinschaften, Detlef Pollack

Das Verhältnis zu den Muslimen, Detlef Pollack

Warum die Bevölkerung Ostdeutschlands gegenüber Muslimen ablehnender eingestellt ist als die Bevölkerung Westdeutschlands, Alexander Yendell

„Objektive“ Lage und soziale Ablehnung: Das soziostrukturelle Profil der Muslime in Deutschland und Europa im Vergleich, Olaf Müller

Der Zusammenhang zwischen Regelungen der Staatsbürgerschaft, nationaler Identität und der Ablehnung von Muslimen, Alexander Yendell

Zwischen Akzeptanz und Ablehnung: Überlegungen zu einem Modell religiöser Toleranz, Nils Friedrichs

Das Verhältnis von Christen zu Muslimen und Atheisten: Zur Bedeutung von sozialer Kategorisierung und Identifikation im interreligiösen Vergleich, Nils Friedrichs

Eine neue religiös-kulturelle Spannungslinie in Deutschland? Gergely Rosta und Detlef Pollack

Links-Rechts und religiöse Vielfalt, Gergely Rosta

Möglichkeitsbedingungen und Grenzen der Toleranz: Einige abschließende Bemerkungen, Detlef Pollack, Nils Friedrichs

Weitere Informationen:
- http://www.uni-muenster.de/Religion-und-Politik/aktuelles/2014/jan/PM_Grenzen_der_Toleranz_gegeueber_Muslimen.html

Quelle: idw



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