Das Erdbebenrisiko in Deutschland und Europa

10.08.2012, 13:10 | Wissenschaft | Autor: | Jetzt kommentieren


Wissenschaftlern des Deutschen GeoForschungsZentrums GFZ ist es erstmals gelungen, einen harmonisierten Erdbebenkatalog für Europa und den Mittelmeerraum für das letzte Jahrtausend zu erarbeiten. Der Katalog umfasst etwa 45 000 Erdbeben.

Das Erdbebenrisiko in Deutschland und Europa
Erstmals harmonisierter Erdbebenkatalog für Europa und den Mittelmeerraum für das letzte Jahrtausend verfügbar

Wie stark kann in Deutschland die Erde beben? Wo sind in Europa die Häufungen von Erdbeben zu finden? Diese Fragen sind Ausgangspunkt für Risikoabschätzungen und werden relevant, wenn es um die Sicherheit von Gebäuden oder das Auftreten von Tsunamis geht. Wissenschaftlern des Deutschen GeoForschungsZentrums GFZ ist es nun erstmals gelungen, einen harmonisierten Erdbebenkatalog für Europa und den Mittelmeerraum für das letzte Jahrtausend zu erarbeiten. Der Katalog umfasst etwa 45 000 Erdbeben, wie sie in der neuesten Ausgabe des „Journal of Seismology“ berichten.
Erdbeben treten in unterschiedlicher Häufigkeit auf. Das bedeutet, das in manchen Regionen starke Erdbeben in Zeitabständen von Hunderten von Jahren auftreten können. Das seltene Auftreten kann damit eine trügerische Sicherheit verursachen, die das tatsächlich vorhandene Risiko überdeckt, zumal erste messtechnische Aufzeichnungen erst seit rund hundert Jahren vorliegen und verlässliche Daten auch zu schwächeren Beben erst seit etwa fünfzig Jahren
Die einzige Möglichkeit zur Erfasssung des real existierenden Risikos ist die Auswertung historischer Beben. „Der von uns vorgelegte Katalog umfasst die Beben der letzten tausend Jahre ab einer Magnitude Mw von 3,5 im nördlichen Teil des katalogisierten Gebietes und Magnitude Mw größer als 4,0 für den südlichen Teil“, erklärt Dr. Gottfried Grünthal vom GFZ. „Unser Erdbebenkatalog überdeckt das Gebiet von den Azoren bis zum Kaspischen Meer, von der Sahara bis zum Nordkap.“ Auf der Basis von etwa 80 zumeist nationalen Katalogen, mehr als 100 weiteren Quellen sowie vielen eigener Analysen historischer Schlüsselerdbeben bietet der EMEC-Katalog (European-Mediterranean Earthquake Catalogue) jetzt erstmals eine regionale Langzeit-Datenbasis mit vereinheitlichten Magnituden zur Messung der Stärke von Beben
Bei der Zusammenführung all dieser Quellen, die teils beträchtlich differierende Stärkeangaben der Beben anhand unterschiedlicher Magnitudenskalen oder Intensitäten nutzen, wurde besonders Augenmerk darauf gerichtet, diese in Form harmonisierter Mw-Magnituden zu vereinheitlichen. Die Beben sind in EMEC für den Zeitraum von 1000 AD bis 2006 katalogisiert. Im Gebiet südlich von 40°N und östlich von 10°E erlaubt die Datenlage die Katalogisierung ab 300 AD. Natürlich sind die Bebendaten in den frühesten katalogisierten Zeiten nicht vollständig. Die Zeiten, ab derer bestimmte Bebenmagnituden hinreichend vollständig vorliegen, variiert im Kataloggebiet beträchtlich. So lässt sich abschätzen, dass beispielsweise Beben mit Mw ≥ 6,5 in der Levante ab etwa 300 AD hinreichend vollständig erfasst sind, Beben mit Mw größer als 5 dort ab etwa 1965. Dagegen liegen Beben mit Mw größer als 5 im Gebiet Deutschlands ab etwa 1600 hinreichend vollständig katalogisiert vor.
„Bestandteil der EMEC-Veröffentlichung ist zudem eine Liste von Beben, die nach unseren neuen Erkenntnissen nicht stattgefunden haben (sog. fakes) infolge von Irrtümern von Chronisten, Verwechslungen und Datumsfehlern“, erläutert GFZ-Forscher Gottfried Grünthal. Wert gelegt wurde auch auf Nutzerfreundlichkeit: „Auf der GFZ-EMEC-Webseite können die Daten innerhalb des Kataloggebietes nach Nutzerwünschen heruntergeladen und entsprechend der Vorgaben der Nutzer Karten der Epizentren der Erdbeben innerhalb gewünschter zeitlicher und räumlicher Ausschnitte, Maßstäbe und Kartenprojektionen generiert, gespeichert und gedruckt werden.“
Der EMEC-Katalog ist damit eine verlässliche Grundlage für die Gefährdungsabschätzung für Erdbeben und bebenbedingter Tsunamis. Darüber hinaus ist ein solcher Erdbebenkatalog die Grundlage vieler weiterer geowissenschaftlicher Untersuchungen und Quelle für Recherchen außerhalb von Forschungsanwendungen.

Bilder in druckfähiger Auflösung finden sich unter:


Quelle: Grünthal G., Wahlström R. (2012) The European-Mediterranean Earthquake Catalogue (EMEC) for the last millennium. Journal of Seismology 16(3): 535-570.

Quelle: idw


Weitere Nachrichten zum Thema
  • BildDeutschland – Europa – China (06.11.2012, 12:10)
    DAAD und Peking Forum versammeln Deutschland- und Europaforscher aus aller Welt in PekingUN-Generalsekretär Ban Ki-Moon begrüßte in seiner Videobotschaft 250 Sozial- und Geisteswissenschaftler aus aller Welt, die vom 1. bis 4. November beim...
  • BildEuropa-Experten aus Deutschland und Polen tagen am Collegium Polonicum: „Krisenherd Europa?" (31.01.2012, 12:10)
    „Krisenherd Europa? – Sarkozy, Merkel & die Euro-Krise“ – Europa-Experten aus Deutschland und Polen tagen am Collegium PolonicumRund 150 Europa-Expertinnen und Experten aus Polen und Deutschland kommen von Donnerstag, den 2., bis Freitag, den 3....
  • BildPflegeausbildung in Europa: „Deutschland auf Geisterfahrt“! (03.01.2012, 11:10)
    Der Direktor des Deutschen Instituts für angewandte Pflegeforschung e.V. (dip) in Köln, Prof. Frank Weidner, warnt vor Kurzsichtigkeit und Isolation der deutschen Politik bei der Frage der Zulassung zur Pflegeausbildung mit höherer Qualifikation....
  • BildAusschreibung: Gerda Henkel Gastprofessur für Deutschland in Europa, 1945-2000 (02.12.2009, 12:00)
    Zum zweiten Mal in Folge sucht das Deutsche Historische Institut London (DHIL) in Verbindung mit dem International History Department der London School of Economics and Political Science (LSE) für die Dauer von einem Jahr einen Gerda...
  • BildDeutschland braucht Europa (05.11.2009, 10:00)
    Joschka Fischer über 20 Jahre Mauerfall und die Rolle Deutschlands in Europa bei der zweiten Mercator Lecture"20 Jahre nach dem Fall der deutschen Mauer herrscht im wiedervereinigten Deutschland die Einstellung vor, dass es auch alleine...
  • BildSchavan: "Deutschland profitiert besonders stark von Europa" (04.09.2009, 15:00)
    Studie des ZEW zeigt: Forscher hier zu Lande sind in einer SpitzenpositionWissenschaftler aus Deutschland haben eine führende Rolle in Europa. Das zeigt eine Studie zum Sechsten EU-Forschungsrahmenprogramm (FRP), die das Zentrum für europäische...
  • BildNeuerscheinung: Deutschland in Europa (06.03.2009, 09:00)
    Das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) im Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR) veröffentlicht Studie zu den Ergebnissen des ESPON Programms 2006 aus deutscher Sicht.Im Zuge der europäischen Integration haben...
  • BildStandort- und Lebensbedingungen in Deutschland und Europa (09.04.2008, 11:00)
    BBR veröffentlicht mit der CD-ROM "INKAR 2007" Analyse- und Informationsinstrument zum Vergleich von Städten, Kreisen und Regionen Mit der CD-ROM "INKAR - Indikatoren und Karten zur Raum- und Stadtentwicklung 2007" bietet das BBR ein umfassendes...
  • BildParkraummanagement in Deutschland und Europa (08.10.2007, 17:00)
    Pressekonferenz am Donnerstag, den 11.10.2007 um 11:15 Uhr im Roten Rathaus (Raum 319) in BerlinDas Thema "Parken" und "Parkraumbewirtschaftung" ist aktuell wieder in der Diskussion. Bürger wehren sich gegen die vermeintliche "Abzocke" durch...
  • BildKlimawandel: Anpassungsstrategien in Deutschland und Europa (21.03.2007, 11:00)
    80. Darmstädter Seminar Umwelt- und Raumplanung der Technischen Universität Darmstadt. Deutsche und internationale Wissenschaftler diskutieren den Klimawandel. Frühlingstemperaturen im Winter 2007 irritieren und erfreuen die Menschenzugleich....

Ähnliche Themen in den JuraForen


Kommentar schreiben

96 - E.in_s =

Bisherige Kommentare zur Nachricht (0)

(Keine Kommentare vorhanden)



Fragen Sie einen Anwalt!
Anwälte sind gerade online.
Schnelle Antwort auf Ihre Rechtsfrage.

JuraForum-Newsletter

Kostenlose aktuelle Urteile und Rechtstipps per E-Mail:

Top 10 Orte in der Anwaltssuche

JuraForum-Suche

Durchsuchen Sie hier JuraForum.de nach bestimmten Begriffen:

© 2003-2016 JuraForum.de — Alle Rechte vorbehalten. Keine Vervielfältigung, Verbreitung oder Nutzung für kommerzielle Zwecke.