Bundesverband Hochschulkommunikation: Ergebnisse der Studie "Hochschulkommunikation erforschen"

12.06.2017, 12:14 | Wissenschaft | Autor: | Jetzt kommentieren


Studie „Hochschulkommunikation erforschen“ des KIT – erste Ergebnisse liegen vor
Weitere Förderung der wissenschaftlichen Untersuchung durch die VolkswagenStiftung. Die Studie wurde vom Bundesverband Hochschulkommunikation initiiert.

Bedeutung, Form und Rahmenbedingungen der Kommunikation an deutschen Hochschulen haben sich im vergangenen Jahrzehnt stark verändert. Hinzu kommt, dass Hochschulkommunikation sehr strategisch ausgerichtet ist – nicht nur, weil sich die Institutionen in Wettbewerben wie z. B. der Exzellenzinitiative des Bundes und der Länder und deren Nachfolgeprogramm, der Exzellenzstrategie, positionieren müssen, sondern auch die Wissenschaftskommunikation selbst ist zum strategischen Erfolgsfaktor für Hochschulen geworden. Kommunikationswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) unter der Leitung von Prof. Dr. Annette Leßmöllmann, Leiterin der Abteilung Wissenschaftskommunikation am Institut für Germanistik: Literatur, Sprache Medien, untersuchten im Zeitraum von Januar 2016 bis Mai 2017 Berufsbilder und Akteursrollen in der Hochschulkommunikation sowie Spannungsfelder, die sich aus dem Wandel innerhalb der Hochschulkommunikation ergeben können. Die Studie wurde vom Bundesverband Hochschulkommunikation initiiert. Die Ergebnisse dieser ersten beiden Erhebungswellen haben die Wissenschaftler aktuell veröffentlicht, damit liegen die bislang detailliertesten Daten zu Aufgaben, Umfang und Rollenverständnis der Hochschulkommunikation vor.

Auch wenn die öffentliche Diskussion in der Vergangenheit teilweise so geführt wurde, zeigen die ersten Ergebnisse der Karlsruher Wissenschaftler: Es gibt nicht DIE Hochschulkommunikation. Die Heterogenität im Berufsfeld ist je nach Hochschultyp und -größe etc. so groß, dass Aussagen derart „Für die Hochschulkommunikation gilt allgemein: …“ kaum zu treffen sind. So gibt es einige Hochschulen – insbesondere mittelgroße und große Universitäten – mit einer professionellen Ausstattung und Ausrichtung, die den Erwartungen an sie und den stark ausgeweiteten Aufgaben entsprechen. Diese Aufgabenbereiche umfassen den gesamten Wissenstransfer und Transfer der Leistungen der Mitglieder von Hochschulen und reichen mittlerweile von der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, der politischen Kommunikation, der internen Kommunikation über das Forschungs- und Studierendenmarketing, das Corporate Publishing, das Veranstaltungsmanagement, die internationale Kommunikation und die Alumni-Arbeit bis hin zum Fundraising und zur Stiftungsarbeit. An der Mehrzahl der Hochschulen, insbesondere an kleinen Universitäten oder Hochschulen für angewandte Wissenschaft, müssen diese von sehr wenigen Personen (oder teilweise sogar nur einer Mitarbeiterin in Personalunion) bearbeitet werden.

Nach ihrem eigenen Rollenverständnis gefragt, sehen sich Hochschulkommunikatoren nach innen und außen vor allem als „Dienstleister“ und „Übersetzer“: Mit Abstand die stärkste Zustimmung erhält die Aussage „Ich sehe mich als DienstleisterIn, die andere Organisationseinheiten meiner Hochschule bei ihrer Arbeit unterstützt.“ („stimme voll und ganz zu“: 62,5 %; „stimme eher zu“: 27,5 %) – gefolgt von „Ich sehe mich als ÜbersetzerIn, die komplexe Informationen aus der Wissenschaft für Laien verständlich macht.“ („stimme voll und ganz zu“: 54,6 %; „stimme eher zu“: 32 %). In der Studie werden darüber hinaus die Rollen „Gatekeeper“, „Popularisierer“, „Mediator“ und „Administrator“ untersucht und diskutiert (vgl. Bericht zweite Erhebungswelle, S. 32 ff.). Für die große Mehrzahl der Hochschulen gilt zudem, dass die zentrale Kommunikationsabteilung (in unterschiedlicher organisatorischer Ausgestaltung) direkt an die Hochschulleitung angebunden ist (mehr als 80%). Dies unterstreicht die große strategische Bedeutung der Kommunikationsabteilungen (vgl. ebd., S. 17 f.).

Ein weiterer Aspekt, der – so viel gehört und diskutiert er auch sein mag – in diesem Zusammenhang hervorgehoben werden muss, ist: Durch die Digitalisierung haben sich die Rahmenbedingungen von Kommunikation grundlegend verändert. Dies gilt auch für die Hochschulkommunikation. „Es ist unerlässlich, die Entwicklung der Hochschulkommunikation über die Gesamtheit ihrer Kanäle und Zielgruppen hinweg zu betrachten. Online-Kommunikation inklusive der Sozialen Medien darf auch an Hochschulen nicht rein als zusätzlicher Aufgabenbereich oder Kanal gesehen werden: Eine Integrierte Kommunikation, die ihre Botschaften und Dialoge eng verzahnt und crossmedial miteinander verknüpft, ist vielleicht die wesentlichste Herausforderung, der sich Hochschulen heute immer noch stellen müssen“, so Julia Wandt, seit 2014 Vorsitzende des Bundesverbands Hochschulkommunikation. In diesem Zusammenhang zeigt die Studie, dass sich die Veränderungen durch Digitalisierung (und auch die Bedeutung von Online-Kommunikation) in Strukturfragen niederschlagen: In der Struktur innerhalb der Abteilungen dominiert die Rolle der Online-Kommunikation und -Redaktion, inklusive Social Media, was die Bedeutung dieser stetig wachsenden Kanäle unterstreicht (vgl. ebd. Abb. 12, S. 19).

Rolle und Position der Abteilungen für Hochschulkommunikation werden von Kommunikationswissenschaftlern und Journalisten sowie in Hochschulen und Akademien kritisch thematisiert. Dabei werden auch Angaben über Größe, Ausstattung, Finanzierung, Art und Umfang der Arbeiten dieser Bereiche an Hochschulen diskutiert. Zwar gibt es einige Studien zur Hochschulkommunikation, aber diese zeigen – neben der Frage der bisherigen Aussagekraft der quantitativen Faktoren – Themen, zu denen es noch Forschungslücken gibt. Dies sind z. B. das Rollenverständnis und -veränderungen von Kommunikatoren, die Entstehung und Umsetzung von Kommunikationsstrategien und -kanälen sowie Qualitätsstandards in der Hochschulkommunikation im Verhältnis zu den vielfältigen Anforderungen, die an Hochschulkommunikatoren gestellt werden. Die Notwendigkeit einer systematischen und wissenschaftlich unabhängigen Untersuchung lag somit für den Bundesverband auf der Hand.

Parallel zur Arbeit an den ersten beiden Erhebungswellen stellten die Wissenschaftler gemeinsam mit dem Soziologen PD Dr. Stefan Böschen (KIT, Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse sowie RWTH Aachen) einen Förderantrag bei der VolkswagenStiftung, der vollständig bewilligt worden ist: Seit Juni 2017 wird die Studie „Hochschulkommunikation erforschen: Organisation von Hochschulkommunikation in Abhängigkeit von Hochschulformen“ als von der Stiftung mit Sitz in Hannover gefördertes Projekt fortgeführt. „Die Förderung der Studie durch die VolkswagenStiftung ist nicht nur wegen der Fördersumme eine sehr gute Nachricht, sondern vor allem auch wegen des damit verbundenen Zeichens in Bezug auf die Bedeutung der Hochschulkommunikation: Wir sind sehr froh, dass sich eine der großen Fördereinrichtungen in Deutschland für dieses Thema engagiert“, so Wandt weiter. „Ziel war und ist, wissenschaftlich unabhängig erhobene und belastbare Ergebnisse für die Diskussion der hochschulpolitisch so wichtigen, strategischen Wissenschaftskommunikation zu bekommen.“

Ergebnisse als Download:
Projektbericht zu den Ergebnissen der ersten Befragungswelle:
http://www.geistsoz.kit.edu/germanistik/downloads/Zwischenbericht%20Hochschulkommunikation%20erforschen%201.%20Welle%20Leßmöllmann%20Hauser%20Schwetje.pdf

Projektbericht zu den Ergebnissen der zweiten Befragungswelle:
http://www.geistsoz.kit.edu/germanistik/downloads/Projektbericht-Hochschulkommunikation-erforschen-2.Welle-Schwetje-Hauser-Lessmoellmann.pdf

Faktenübersicht:

- Studie: „Hochschulkommunikation erforschen: Berufsbilder, Akteursrollen, Spannungsfelder“ (zwei Erhebungswellen; Januar 2016 bis Mai 2017)

- Initiative der Studie und Anschubfinanzierung der ersten beiden Erhebungswellen durch den Bundesverband Hochschulkommunikation (25.000,- Euro)

- Forschungsprojekt „Hochschulkommunikation erforschen: Organisation von Hochschulkommunikation in Abhängigkeit von Hochschulformen“; seit Juni 2017; gefördert durch die VolkswagenStiftung (200.000,- Euro), in Kooperation mit PD Dr. Stefan Böschen (KIT, Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse und RWTH Aachen)

- Wissenschaftliche Konzeption und Durchführung:
Prof. Dr. Annette Leßmöllmann (Projektleitung)
Christiane Hauser M.A. (Projektkoordination)
Thorsten Schwetje M.A. (Wissenschaftlicher Mitarbeiter)

Quelle: idw


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