Alf Michael Conrad lebt in einer farbenfrohen Welt. Durch sein Gedächtnis und weitere Faktoren vermag es der im Jugendalter erblindete, vor seinem inneren Auge alle Farben zu sehen. Im Rahmen der öffentlichen Veranstaltungsreihe Studium universale, die sich im Sommersemester 2010 dem Thema "Schön bunt: Im Spektrum der Farben" widmet, redet der 42-Jährige beim zweiten Veranstaltungstermin über "Die Farben der Blinden".
Im Alltag des 42-Jährigen stellen Farben, genauso wie Töne, einen festen Bestandteil dar. "Ich kenne äußere Farben zwar noch aus meiner Erinnerung, nehme durchgehend aber auch innere Farben wahr", sagt der praktizierende Physiotherapeut. Indem er vor Publikum über seine persönlichen Erfahrungen als Blinder spricht, möchte er "Barrieren niederreißen und die Scheu abbauen, mit Blinden über das Sehen - in diesem Fall über Farben - zu sprechen", so Conrad. "Ich will nichts aus der Distanz darstellen, sondern eine Teilmenge der Gesellschaft." Zuhörer erwarte deshalb keine wissenschaftliche Abhandlung, sondern eher ein detaillierter Lebensbericht.
Insbesondere die Empfindungen bestimmter Sachverhalte rufen bei Conrad innere Farbwahrnehmungen hervor. Paradoxerweise seien die "ähnlich denen aus meinem Gedächtnis, manchmal aber auch ganz anders und meist sehr drastisch", sagt er. Auf technische Hilfsmittel, wie ein Farberkennungsgerät, verzichtet der Leipziger. Denn er verlässt sich lieber auf seine Sinne. Farben sehen funktioniere gut über Berührung, Gehör, Geschmack oder Geruch, bei ihm aber vor allem über seinen siebten Sinn. Für den Familienvater steckt in der Redewendung "mit Herzen gut sehen" viel Wahrheit: "Da bin ich den Sehenden, den Verblendeten vielleicht sogar überlegen."
Katrin Henneberg
Quelle: idw
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