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975.000 Euro zur Erforschung der Grammatik von Gesten

27.04.2006, 09:00 | Wissenschaft | Autor: idw | 0 Kommentare

Mit 975.000 Euro fördert die VolkswagenStiftung im Rahmen der Förderinitiative "Schlüsselthemen der Geisteswissenschaften" das Forschungsvorhaben "Towards a Grammar of Gesture: Evolution, Brain, and Linguistic Structures" von Priv.-Doz. Dr. Cornelia Müller. Sie ist Linguistin am Institut für Deutsche und Niederländische Philologie der Freien Universität Berlin und bearbeitet das Projekt in Zusammenarbeit mit drei weiteren Wissenschaftlerinnen aus Berlin, Mainz und Portsmouth.





"Reden ist Silber, Schweigen ist Gold" lautet ein Sprichwort. Aber selbst wenn wir schweigen, kommunizieren wir. Ein großer Teil der menschlichen Kommunikation verläuft jenseits der gesprochenen Sprache - etwa über Gesten. Für dieses spannende Thema interessieren sich Neurologen und Sprachwissenschaftler ebenso wie Forscher aus der evolutionären Anthropologie, der kognitiven Psychologie und der Semiotik. Gesten, darin sind sich alle einig, scheinen ihren ganz eigenen kommunikativen Regeln zu gehorchen.


Das Forscherquartett um Cornelia Müller hat sich jetzt vorgenommen, die in der Forschung vorhandenen Defizite aufzuarbeiten und eine stimmige und umfassende Darstellung der strukturellen Eigenschaften von Gesten zu erarbeiten - eine "Grammatik der Gesten" sozusagen. Die Projektbeteiligten gehen dabei davon aus, dass Gesten hochgradig strukturierte Zeichen sind, die sich in einer eigenen Grammatik verbinden. Diese Auffassung stellt das traditionelle Konzept von Sprache als ein in sich geschlossenes System lautlicher Zeichen in Frage und betont die multimodale Natur von Sprache.


Geplant sind linguistische und semiotische Analysen, die von neuropsychologischen Untersuchungen begleitet werden. So fokussiert ein Teilprojekt die spezifischen Prozesse der Gestenproduktion mit dem Ziel herauszufinden, was analog auf neuronaler Ebene abläuft und welchen Beitrag die beiden Gehirnhälften leisten. Dies lässt sich an Patienten untersuchen, bei denen die Verbindungen zwischen den Hirn-Hemisphären durchtrennt sind. Es soll gezeigt werden, dass gestische Strukturen - zumindest zu einem gewissen Grad - im Gehirn lokalisierbare Einheiten sind. Gelingt dieser Nachweis, so stellt dies die kognitive Fundierung der Sprache in Frage: Gestik würde dann nicht nur ihrer Erscheinung nach, sondern auch kognitiv ein Teil von Sprache sein. Ergänzend gehen die Wissenschaftlerinnen in mehreren vergleichenden Untersuchungen bei Menschen und Affen der Frage nach, über welche Formen der gestischen Strukturbildung bereits Affen verfügen: Welche Teile der menschlichen ?Grammatik der Gesten" sind also bei unseren nächsten Verwandten vorhanden, welche gestischen Strukturen andererseits entstanden erst mit der Entwicklung der Lautsprache? In der evolutionären Anthropologie wird eine Theorie der Evolution von Sprache, die Gestik als eine Vorstufe von Sprache begreift, bisher strittig diskutiert. Die Ergebnisse dieser Studien können einen wichtigen Beitrag zu dieser Diskussion leisten.


An dem Forschungsprojekt beteiligen sich neben Cornelia Müller auch Hedda Lausberg (Universität Mainz), Ellen Fricke (Technische Universität Berlin) und Katja Liebal (University of Portsmouth).


Kontakt:
Priv.-Doz. Dr. Cornelia Müller, Institut für Deutsche und Niederländische Philologie der Freien Universität Berlin, Tel.: 030 / 838-54439, E-Mail: cmuell@zedat.fu-berlin.de


Quelle: idw



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