Unerfahrenheit schützt nicht vor dem Finanzamt

03.12.2015, 15:05 | Wirtschaft & Steuern | Jetzt kommentieren


Unerfahrenheit schützt nicht vor dem Finanzamt
Koblenz (jur). Auch unerfahrene Existenzgründer müssen ihre Steuererklärungen abgeben. Andernfalls muss die Alleingeschäftsführerin auch einer eigentlich haftungsbeschränkten „Unternehmergesellschaft“ für geschätzte Steuerforderungen haften, wie das Verwaltungsgericht Koblenz in einem am Mittwoch, 2. Dezember 2015, bekanntgegebenen Urteil entschied (Az.: 5 K 526/15.KO).

Die Unternehmergesellschaft (UG) ist eine Vor- und Sonderform der GmbH. Die Gründung ist auch mit einem Stammkapital von nur einem Euro möglich. Das Unternehmen muss aber so lange 25 Prozent seiner Gewinne in eine gesetzliche Rücklage einzahlen, bis 25.000 Euro erreicht sind. Danach ist eine Umwandlung in eine GmbH möglich. Bis dahin haftet die UG nur mit ihrem zum Start eingezahlten und danach gegebenenfalls angesparten Gesellschaftsvermögen.

Im Streitfall hatte die Gründerin und Alleingeschäftsführerin ihr Unternehmen ins Handelsregister eintragen lassen, danach aber weder Steuererklärungen abgegeben noch Steuern gezahlt. Ihre Gemeinde schätzte daher die Gewerbesteuer und schickte einen entsprechenden Bescheid. Als auch danach kein Geld einging, nahm die Gemeinde die Unternehmerin persönlich in Anspruch.

Mit ihrer Klage machte die Geschäftsführerin geltend, die Schätzungen seien unrealistisch, der Gemeinde sei letztlich kein Schaden entstanden. Bislang habe ihr Unternehmen nur Verluste gemacht. Obwohl sie selbst unternehmerisch völlig unerfahren sei, habe sie daher auch kein Geld gehabt, um sich fachlichen Rat zu holen.


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