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Pflanzenheilkundliche Behandlung als außergewöhnliche Belastung absetzbar

19.06.2014, 10:00 | Wirtschaft & Steuern | Jetzt kommentieren


Pflanzenheilkundliche Behandlung als außergewöhnliche Belastung absetzbar
München (jur): Verordnet ein Arzt oder ein Heilpraktiker eine homöopathische, anthroposophische oder pflanzenheilkundliche Behandlung, können die Kosten grundsätzlich als außergewöhnliche Belastungen bei der Steuer geltend gemacht werden. Ein Amtsarzt oder der Medizinische Dienst der Krankenkassen muss für eine mögliche Steuerminderung die Therapien nicht vor Behandlungsbeginn absegnen, entschied der Bundesfinanzhof (BFH) in München in einem am Mittwoch, 18. Juni 2014, veröffentlichten Urteil (Az.: VI ZR 27/13).

Im konkreten Fall hatte die im Ruhestand befindliche Klägerin in ihrer Steuererklärung aus dem Jahr 2009 die Kosten für insgesamt 36 heileurythmische Behandlungen in Höhe von 1.620 Euro als außergewöhnliche Belastungen steuermindernd geltend gemacht. Ihr Hausarzt hatte die Heileurythmie, eine Bewegungstherapie aus dem Bereich der Anthroposophischen Medizin, wegen eines Bandscheibenvorfalls und chronischer Rückenschmerzen verschrieben.

Das Finanzamt wollte die Kosten jedoch nicht anerkennen. Vor Beginn der Behandlung hätte die Frau ein amtsärztliches Gutachten oder eine ärztliche Bescheinigung des Medizinischen Dienstes der Krankenkasse (MDK) einholen müssen, die die Erforderlichkeit der Therapie nachweist.

Der BFH sah dies in seinem Urteil vom 26. Februar 2014 jedoch anders und stellte fest, dass die Aufwendungen für heileurythmische Behandlungen als außergewöhnliche Belastungen anzuerkennen seien. Laut Gesetz seien Behandlungsmethoden, Arznei- und Heilmittel der „besonderen Therapierichtungen“ besonders begünstigt. Dazu zähle die Anthroposophie mit dem Heilmittel „Heileurythmie“, die Homöopathie und die Phytotherapie (Pflanzenheilkunde). Unter bestimmten Voraussetzungen kämen daher teilweise auch die gesetzlichen Krankenkassen für diese Behandlungen auf.

Bei diesen gesetzlich anerkannten Behandlungsmethoden reiche die Verordnung eines Arztes oder Heilpraktikers aus, um die Erforderlichkeit der Therapie nachzuweisen, urteilte der BFH. Ein amtsärztliches Gutachten oder eine Bescheinigung des MDK sei hier nur für Therapien erforderlich, die in der Einkommensteuer-Durchführungsverordnung aufgelistet sind. Dazu zählten beispielsweise wissenschaftlich nicht anerkannte Behandlungsmethoden oder auch psychotherapeutische Behandlungen.

Generell gelten als außergewöhnliche Belastungen zwangsweise Ausgaben, die anderen Bürgern in vergleichbarer Lebensstellung üblicherweise nicht entstehen. Steuermindernd wirksam werden außergewöhnliche Belastungen erst, wenn sie im Steuerjahr eine „zumutbare Belastung“ übersteigen. Diese liegt je nach Einkommen und Zahl der Kinder zwischen einem und sieben Prozent der Einkünfte.

Quelle: © www.juragentur.de - Rechtsnews für Ihre Anwaltshomepage

Symbolgrafik: © Schlierner - Fotolia.com


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