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Keine Steuerminderung für Arbeits-Gäste-Zimmer oder Arbeitsecke

01.02.2016, 15:50 | Wirtschaft & Steuern | Autor: Juraforumadmin | Jetzt kommentieren

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Keine Steuerminderung für Arbeits-Gäste-Zimmer oder ArbeitseckeMünchen (jur). Ausgaben für ein „häusliches Arbeitszimmer“ können weiterhin nur dann steuermindernd geltend gemacht werden, wenn das Zimmer nahezu ausschließlich für die Arbeit verwendet wird. Mit einem am 27. Januar 2016 in München und am Folgetag auch im Internet veröffentlichten Beschluss lehnte der Große Senat des Bundesfinanzhofs (BFH) eine Lockerung ab (Az.: GrS 1/14).

Ein häusliches Arbeitszimmer kann gegebenenfalls steuermindernd als Werbungskosten oder Betreibsausgaben geltend gemacht werden. Voraussetzung ist, dass für bestimmte Tätigkeiten kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht. Gängiges Beispiel sind Korrekturen und Unterrichtsvorbereitung bei Lehrern. Vom zu versteuernden Einkommen abgezogen werden die Kosten des Zimmers, etwa die anteilige Miete – meist begrenzt auf 1.250 Euro pro Jahr. Nur wenn das Zimmer den „Mittelpunkt der gesamten beruflichen Tätigkeit“ bildet, gilt die Deckelung nicht, etwa bei Selbstständigen, die zuhause arbeiten.

Voraussetzung für den Steuerabzug ist nach der bisherigen Rechtsprechung, dass das Zimmer „nahezu ausschließlich“ beruflich genutzt wird. Eine Arbeitsecke im Wohnzimmer erkennen die Finanzämter daher ebenso wenig an wie ein Zimmer, das häufig auch als Gästezimmer genutzt wird.

Bereits 2009 hatte der Große Senat des BFH allerdings entschieden, dass bestimmte Kosten auch anteilig als Webungskosten oder Betriebsausgaben geltend gemacht werden können, etwa wenn an eine Dienstreise noch Urlaubstage angehängt werden (Beschluss vom 21. September 2009, Az.: GrS 1/06; entsprechend Urteil vom 24. Februar 2011, Az.: VI R 12/10, JurAgentur-Meldung vom 18. Mai 2011).

Der IX. Senat des BFH wollte diesen Gedanken auch auf das häusliche Arbeitszimmer übertragen. Im Streitfall ging es um den Eigentümer zweier vermieteter Mehrfamilienhäuser in Niedersachsen. Die bei der Vermietung anfallenden Verwaltungsarbeiten erledigt er in einem Zimmer in seiner Privatwohnung, das allerdings auch anderweitig genutzt wird. Dennoch wollte er die Kosten des Arbeitszimmers mit seinen Mieteinnahmen verrechnen.

Abweichend von der bisherigen Rechtsprechung billigte das Niedersächsische Finanzgericht dem Mann einen Steuerabzug in Höhe von 60 Prozent der Zimmerkosten zu. In diesem Umfang habe er eine betriebliche Nutzung belegt. Der IX. BFH-Senat wollte dem folgen. Weil andere Senate bislang allerdings gegenteilig entschieden hatten, legte er den Streit dem Großen Senat zur Klärung vor. In diesem sind Richter aus allen Senaten vertreten.

Mit seinem jetzt schriftlich veröffentlichten Beschluss vom 27. Juli 2015 lehnte der Große Senat eine Änderung der Rechtsprechung ab. Eine Aufteilung nach dem zeitlichen Umfang der Nutzung sei ebenso wenig praktikabel wie eine Aufteilung nach der anteiligen Fläche, erklärten die Münchener Richter zur Begründung. Beides müsse sich letztlich auf „eine bloße Behauptung des Steuerpflichtigen“ stützen. Eine sachgerechte und beweisbare Abgrenzung der beruflichen von der privaten Nutzung sei faktisch nicht möglich.

Die Rechtsprechung zur Aufteilung etwa von Reisekosten sei hier nicht übertragbar, so der Große BFH-Senat weiter. Denn diese stütze sich auf die allgemeinen steuerlichen Regelungen. Zum Arbeitszimmer enthalte das Einkommensteuergesetz aber Spezialregelungen, die hier ausschließlich anwendbar seien.


Quelle: © www.juragentur.de - Rechtsnews für Ihre Anwaltshomepage

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