Autofahrer müssen beim Vorfahrtachten Raser im Blick haben

28.06.2016, 08:45 | Verkehrsrecht | Jetzt kommentieren


Autofahrer müssen beim Vorfahrtachten Raser im Blick haben
Hamm (jur). Beim Vorfahrtachten müssen Autofahrer auch Raser im Blick haben. Denn bei einem Unfall können sie für den Großteil des Schadens haften entschied das Oberlandesgericht (OLG) Hamm in einem am Freitag, 24. Juni 2016, bekanntgegebenen Urteil (Az.: 9 U 43/15). Selbst bei einer massiven Tempoüberschreitung des Rasers um mehr als das Doppelte muss danach der Raser zu 30 Prozent, der der Vorfahrt missachtende Autofahrer aber zu 70 Prozent für die Schäden aufkommen, wenn er sich beim Abbiegen auch noch reichlich Zeit lässt.

Im konkreten Fall war ein 28-jähriger Motorradfahrer aus Hamm in der Nähe einer Autobahnauffahrt in Werl im Kreis Soest statt erlaubter 50 mit stolzen 121 Stundenkilometern entlang gerauscht. Ein Pkw-Fahrer sah das etwa 250 Meter entfernte Motorrad zwar auf der Vorfahrtstraße heranfahren, dennoch bog dieser in die Straße ab. Wegen des Abbiegemanövers kam es zum Zusammenstoß. Der Motorradfahrer erlitt dabei schwere Verletzungen.

Die Krankenkasse des Mannes sah in dem Autofahrer den Hauptschuldigen und verlangte von dessen Haftpflichtversicherung auch die überwiegende Erstattung der angefallenen Behandlungskosten.

Das OLG urteilte am 23. Februar 2016, dass eine Haftungsquote von 70 zu 30 zulasten des Pkw-Fahrers anzuwenden sei. Zwar sei dem Motorradfahrer eine „unfallursächliche massive Tempoüberschreitung“ vorzuwerfen. Der Pkw-Fahrer habe aber das herannahende Motorrad mit seinem eingeschalteten Fahrlicht gesehen, sei aber trotzdem in die Vorfahrtstraße in „langsamer Weise mit nur geringer Beschleunigung“ abgebogen. Schon bei einem zügigen Abbiegen wäre der Unfall zu vermeiden gewesen. Den Autofahrer treffe hier daher die Hauptschuld, so das OLG.

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