JuraForum.de > Urteile > VGH-BADEN-WUERTTEMBERG > Urteil vom 18.06.2003, Aktenzeichen: DL 17 S 5/03
| Leitsatz: | 1. Mit dem Antrag auf gerichtliche Bestimmung einer Frist zur Vorlage der Anschuldigungsschrift nach § 62 LDO kann der Beamte eine unangemessene Verzögerung des behördlichen Disziplinarverfahrens und daraus eventuell entstehende Belastungen wirksam abwenden; nach fruchtlosem Ablauf der Frist ist eine erneute disziplinarrechtliche Verfolgung wegen desselben Sachverhalts ausgeschlossen. 2. Im Hinblick auf diese effektive verfahrensrechtliche Möglichkeit verlangt das Gebot der Verhältnismäßigkeit auch in Fällen offenkundiger, vom Beamten nicht zu vertretender Verschleppung des behördlichen Disziplinarverfahrens nicht, von der Dienstentfernung abzusehen oder aus der überlangen Verfahrensdauer entstandene Nachteile auszugleichen (vgl. den dahingehenden Vorbehalt in BVerfGE 46, 17, 28 f.; BVerwGE 76, 201, 203). 3. Dienstentfernung eines Polizeibeamten, der unter Ausnutzung dienstlicher Möglichkeiten versucht hat, die bei der Polizei verwahrte Blutprobe eines Bekannten als Beweismittel für dessen Ordnungswidrigkeit zu entwerten. |
| Rechtsgebiete: | LDO, EMRK, OWiG |
| Vorschriften: | LDO § 11, LDO § 14, LDO § 18 Abs. 3, LDO § 18 Abs. 4 Satz 1, LDO § 62 Abs. 4, LDO § 62 Abs. 5, EMRK Art. 6, OWiG § 53 Abs. 1 Satz 1, |
| Stichworte: | Beschleunigungsgebot, Überlange Verfahrensdauer, Offenkundige Verfahrensverschleppung, Entfernung aus dem Dienst, Maßnahmeverbot, Verhältnismäßigkeitsgebot, Rügeobliegenheit, Polizeibeamter, Pflicht zur Erforschung von Ordnungswidrigkeiten, Blutprobe, |
| Verfahrensgang: | VG Stuttgart DL 20 K 11/02 vom 09.12.2002 |
| Rechtskraft: | ja |
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