JuraForum.de > Urteile > SAARLAENDISCHES-OLG > Urteil vom 23.12.2003, Aktenzeichen: 4 U 199/03
| Leitsatz: | Ein Direktunterrichtsvertrag über eine Ausbildung zur "psychologischen Beraterin", durch den bei einer Gesamtlaufzeit von 18 Monaten die Möglichkeit zur ordentlichen Kündigung für zwölf Monate ausgeschlossen wird, ist im Regelfall weder gem. § 138 BGB sittenwidrig noch besteht ein außerordentliches Kündigungsrecht. Dies gilt auch, wenn der zu Unterrichtende nur unzureichende Kenntnisse der deutschen Sprache besitzt. Jedoch verstößt eine als Studienordnung bezeichnete Laufzeitklausel entsprechenden Inhalts in allgemeinen Geschäftsbedingungen gegen die Generalklausel des § 9 AGBG. Die Bindung für die Dauer eines Jahres stellt im Hinblick auf das Interesse des zu Unterrichtenden, seine Eignung für die Ausbildung im Rahmen einer Probephase herauszufinden, auch unter Berücksichtigung des Interesses des Unterrichtsinstituts an Planungssicherheit eine unangemessene Benachteiligung dar. Dies gilt jedenfalls dann, wenn das Unternehmen Verträge mit Auszubildenden abschließt, welche eine im Hinblick auf das Ausbildungsziel vergleichsweise geringe bzw. unzureichende schulische Qualifikation aufweisen. In diesem Fall ist dem Auszubildenden im Rahmen der ergänzenden Vertragsauslegung in Anlehnung an den Rechtsgedanken des § 5 Abs. 1 FernUSG ein Kündigungsrecht zum Ende des sechsten Monats der Vertragslaufzeit einzuräumen. |
| Rechtsgebiete: | BGB, AGBG, FernUSG, ZPO, EGBGB |
| Vorschriften: | BGB § 138, BGB § 138 Abs. 1, BGB § 157, BGB § 242, BGB § 286, BGB § 288 a. F., BGB § 288 Abs. 2 a. F., BGB § 295 Satz 1, BGB § 296 Satz 1 a. F., BGB § 324 Abs. 1 Satz 2, BGB §§ 611 ff, BGB § 611 Abs. 1, BGB § 615 Abs. 2, BGB § 621, BGB § 621 Nr. 3, BGB § 626, BGB § 626 Abs. 1, BGB § 627, BGB § 627 Abs. 1, AGBG § 1 Abs. 1 Satz 1, AGBG § 2 Abs. 1 Nr. 1, AGBG § 2 Abs. 1 Nr. 2, AGBG § 3, AGBG § 4, AGBG § 5, AGBG § 6 Abs. 2, AGBG § 9, AGBG § 9 Abs. 1, AGBG § 11 Nr. 12, AGBG § 11 Nr. 12 Buchstabe a), AGBG § 11 Nr. 12 Buchstabe b), AGBG § 11 Nr. 12 Buchstabe c), FernUSG § 5, FernUSG § 5 Abs. 1, FernUSG § 5 Abs. 1 Satz 1, ZPO § 513 Abs. 1, ZPO § 529, ZPO § 540 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1, ZPO § 546, EGBGB Art. 229 § 5, |
| Verfahrensgang: | LG Saarbrücken 12 O 243/02 vom 12.03.2003 |
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