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JuraForum.deUrteileOVG-NORDRHEIN-WESTFALENUrteil vom 27.10.2005, Aktenzeichen: 11 A 1751/04 

OVG-NORDRHEIN-WESTFALEN – Aktenzeichen: 11 A 1751/04

Urteil vom 27.10.2005


Leitsatz:1. Das Rechtsschutzinteresse für eine Anfechtungsklage gegen einen bergrechtlichen Planfeststellungsbeschluss entfällt in der Regel nicht schon deshalb, weil auf dessen Grundlage bereits Haupt- und Sonderbetriebspläne erlassen und ausgenutzt worden sind.

2. Die "Walsumer Verständigung" begründet für sich gesehen noch keinen Anspruch auf Aufhebung eines bergrechtlichen Planfeststellungsbeschlusses nach § 77 VwVfG NRW. Allerdings dürfen die von dem Plan Betroffenen nicht auf unabsehbare Zeit durch die Rechtswirkungen des Beschlusses gebunden werden.

3. Da es sich bei der bergrechtlichen Betriebsplanzulassung um eine gebundene und nicht um eine fachplanerische Entscheidung mit Gestaltungsspielraum handelt, ist ein etwaiger Verfahrensfehler für sich gesehen mangels Kausalität nach § 46 VwVfG NRW unbeachtlich. Das gilt trotz der Aufnahme des Artikels 10a in die UVP-Richtlinie - jedenfalls derzeit noch - auch im Rahmen der Umweltverträglichkeitsprüfung.

4. § 48 Abs. 2 BBergG vermittelt einer Gemeinde unter dem Gesichtspunkt des Selbstverwaltungsrechts eine wehrfähige Rechtsposition.

5. Der Senat lässt offen, ob § 38 Satz 1 BauGB auch für bergrechtliche Planfeststellungsbeschlüsse gilt.

6. Wegen der Spezialregelung in § 57b Abs. 3 Satz 3 BBergG ist ein bergrechtlicher Planfeststellungsbeschluss nicht schon rechtswidrig, wenn die Bergbehörde die konkreten Einzelheiten des bergbaubedingten Hochwasserschutzes der Wasserbehörde überlässt und damit entgegen der allgemein im Planfeststellungsrecht geltenden Konzentrationswirkung (§ 75 VwVfG NRW) nicht alle mit dem Vorhaben verbundenen notwendigen Folgemaßnahmen auf der Ebene des Rahmenbetriebsplans abschließend geklärt hat. Allerdings sind die rechtlich grundsätzlich selbständigen berg- und wasserrechtlichen Planfeststellungsverfahren über die Prüfung der Machbarkeit und die Aufnahme einer Zuvor-Klausel als Nebenbestimmung hinreichend miteinander zu verknüpfen.
Rechtsgebiete:VwGO, GG, LV NRW, VwVfG NRW, BBergG, Richtlinie 85/337/EWG, Richtlinie 2003/35/EG, Aarhus-Konvention, BNatSchG, BauGB, WHG
Vorschriften:VwGO § 42 Abs. 2, VwGO § 113 Abs. 1 Satz 1, GG Art. 14, GG Art. 28 Abs. 2 Satz 2, LV NRW § 78 Abs. 1, VwVfG NRW § 1 Abs. 1, VwVfG NRW § 1 Abs. 3, VwVfG NRW § 45 Abs. 1 Nr. 3, VwVfG NRW § 46, VwVfG NRW § 73 Abs. 2, VwVfG NRW § 73 Abs. 4, VwVfG NRW § 75, VwVfG NRW § 77 Abs. 1, BBergG § 5, BBergG § 48 Abs. 2, BBergG § 52 Abs. 2a, BBergG § 54 Abs. 2 Satz 1, BBergG § 55, BBergG § 55 Abs. 1 Nr. 3, BBergG § 55 Abs. 1 Nr. 9, BBergG § 56, BBergG § 57a Abs. 4 Satz 2, BBergG § 57b Abs. 3 Satz 3, BBergG §§ 110 ff., BBergG §§ 114 ff., Richtlinie 85/337/EWG Art. 10a, Richtlinie 2003/35/EG Art. 6, Aarhus-Konvention Art. 9 Abs. 2 Unterabs. 1, BNatSchG § 69 Abs. 5, BauGB § 1 Abs. 6 Nr. 8, BauGB § 9 Abs. 5 Nr. 2, BauGB § 38 Satz 1, WHG § 31b n.F., WHG § 31 Abs. 2 Satz 2, WHG § 31 Abs. 3,
Verfahrensgang:VG Düsseldorf 3 K 4774/02

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