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JuraForum.deUrteileOVG-NORDRHEIN-WESTFALENBeschluss vom 23.03.2007, Aktenzeichen: 11 B 916/06.AK 



OVG-NORDRHEIN-WESTFALEN – Aktenzeichen: 11 B 916/06.AK

Beschluss vom 23.03.2007


Leitsatz:1. Ein Verfahrensfehler kann nur dann rechtlich relevant werden, wenn nach den Umständen des Einzelfalls die konkrete Möglichkeit besteht, dass sich der gerügte Fehler auf Abwehrrechte der Antragsteller ausgewirkt hat (hier: Umweltverträglichkeit, Linienbestimmung, Raumordnung).

2. Mit der Feststellung des Plans für den Bau einer Straße kann konkludent eine Befreiung von den Schutzgebietsfestsetzungen nach dem Landschaftsgesetz erteilt sein.

3. § 4a Abs. 4 Satz 2 LG NRW, der mit § 19 Abs. 3 BNatSchG inhaltlich deckungsgleich ist, stellt in Umsetzung der europarechtlichen Vorgaben der FFH-RL und der Vogelschutzrichtlinie zum Schutz von Tieren und Pflanzen der streng geschützten Arten gegen die Folgen von Eingriffen in Biotope besondere Anforderungen auf, die der Vorhabenträger zu beachten hat.

4. In § 42 Abs. 1 Nrn. 1 und 3 BNatSchG sind individuenbezogene Verbotstatbestände geregelt, die bei Vorliegen einer sog. Befreiungslage i.S.v. § 62 BNatSchG (ggf. auch nachträglich) überwunden werden können.

5. Eine Abweichungsentscheidung nach Art. 16 FFH-RL setzt voraus, dass es keine anderweitige zufriedenstellende Lösung gibt, die Population trotz der Abweichung in einem günstigen Erhaltungszustand verweilt und für die Abweichung zwingende Gründe des überwiegenden öffentlichen Interesses vorliegen.

6. Bleibt für die durch das Planvorhaben betroffenen Vogelarten der maßgebliche Schutzstandard gewahrt, kann eine Abweichung nach Art. 9 Abs. 1 lit. a VRL i. V. m. Art. 13 VRL eingreifen.

7. Obwohl der Wortlaut des Art. 9 Abs. 1 VRL hinsichtlich des Merkmals des günstigen Erhaltungszustandes von der Parallelvorschrift des Art. 16 Abs. 1 FFH-RL abweicht, bleiben die Schutzanforderungen der Vogelschutzrichtlinie in diesem Punkt nicht hinter denen der FFH-RL zurück.

8. Auch im Rahmen des Art. 9 Abs. 1 VRL können Erfordernisse sozialer oder wirtschaftlicher Art eine Abweichung rechtfertigen.
Rechtsgebiete:FStrG, FStrAbG, UVPG, UVP-Richtlinie, Umwelt-RechtsbehelfsG, LPlG, ROG, LG NRW, BNatSchG, FFH-RL, VRL
Vorschriften:FStrG § 17a Nr. 7, FStrG § 17e Abs. 2 Satz 1, FStrG § 17e Abs. 6 Satz 1, FStrAbG § 1, UVPG § 2 Abs. 1 Satz 1, UVPG § 2 Abs. 1 Satz 6, UVPG § 2 Abs. 1 Satz 9, UVPG § 2 Abs. 1 Satz 11, UVP-Richtlinie Art. 10a, Umwelt-RechtsbehelfsG § 5, LPlG § 28, LPlG § 50 Abs. 1 Nr. 5, ROG § 3 Nr. 2, ROG § 4 Abs. 1 Satz 1, LG NRW § 4 Abs. 1, LG NRW § 4 Abs. 2 Nr. 4, LG NRW § 4 a Abs. 4 Satz 1, LG NRW § 69 Abs. 1 Satz 1 lit. b, BNatSchG § 10 Abs. 1 Nr. 2, BNatSchG § 10 Abs. 2 Nr. 11 b, BNatSchG § 11, BNatSchG § 42 Abs. 1 Nr. 1, BNatSchG § 42 Abs. 1 Nr. 3, BNatSchG § 43 Abs. 4 Satz 1, BNatSchG § 62, FFH-RL Art. 12 Abs. 1 lit. a, FFH-RL Art. 12 Abs. 1 lit. d, FFH-RL Art. 16, VRL Art. 5, VRL Art. 9 Abs. 1 lit. a, 13,
Rechtskraft:ja

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