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JuraForum.deUrteileOberlandesgericht StuttgartBeschluss vom 08.12.2005, Aktenzeichen: 4 Ws 163/05 

OLG-STUTTGART – Aktenzeichen: 4 Ws 163/05

Beschluss vom 08.12.2005


Leitsatz:1. Zur Überprüfung der Glaubhaftigkeit der Aussagen von Angeklagten und Zeugen/innen anhand von Realitätskriterien unter Verwendung der "Nullhypothese" oder ausgehend von einer "neutralen Anfangswahrscheinlichkeit" für die Zuverlässigkeit der Angaben.

2. Widersprüchliche oder nicht konstante Aussagen sprechen nur dann gegen die Glaubhaftigkeit, wenn sie das Kerngeschehen betreffen. Dieses ist subjektiv aus der Sicht der Auskunftsperson zu bestimmen. "Objektive Bezüge" zum (behaupteten) Tatgeschehen müssen nicht zwingend hergestellt werden.

3. Es spricht nicht von vornherein gegen die Glaubhaftigkeit der Angaben der Geschädigten eines Sexualdelikts, wenn sie sich nach der Tat wieder freiwillig zum Täter begibt und dort längere Zeit aufhält. Gleiches gilt, wenn erkennbar ist, dass das Opfer sich durch eine belastende Aussage am Täter rächen könnte.

4. Für die Glaubhaftigkeit einer Aussage spricht, wenn Zeugen/innen oder andere Beweismittel benannt werden, durch die der Aussageinhalt überprüft werden kann. Ob er sich sodann bestätigt, ist grundsätzlich von geringerer Bedeutung.
Rechtsgebiete:StPO
Vorschriften:§ 261 StPO

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