JuraForum.de > Urteile > HESSISCHER-VGH > Urteil vom 09.11.2006, Aktenzeichen: 3 UE 3238/03.A
| Leitsatz: | 1. Bis zur Umsetzung der Richtlinie des Rates vom 29.04.2004 (2004/83/EG, Qualifikationsrichtlinie) in nationales Recht tritt neben die in § 60 Abs. 7 AufenthG geregelten Fallgruppen als Unterfall ein Anspruch auf Zuerkennung subsidiären Schutzes gemäß Art. 15 (Buchstabe c), Art. 18 QRL als unmittelbarer Rechtsanspruch hinzu. 2. Ein ernsthafter Schaden i. S. v. Art. 15 (Buchst. c) QRL setzt eine individuelle Bedrohung infolge willkürlicher Gewalt im Rahmen eines bewaffneten Konflikts voraus. Die Wahl des völkerrechtlichen Begriffs des bewaffneten Konflikts als kriegsgleichem oder bürgerkriegsgleichem Zustand erfordert ein bestimmtes Maß an Intensität und Dauerhaftigkeit der Auseinandersetzungen. Deren Folgen (schlechte Sicherheits- und Versorgungslage, Kriminalität usw.) fallen nicht in den Regelungsbereich der Vorschrift. Sie betreffen die Bevölkerung allgemein, so dass § 60 Abs. 7 Satz 2 AufenthG anzuwenden ist (ebenso Erwägungsgrund 26 QRL). |
| Rechtsgebiete: | AufenthG, Richtlinie 2004/83/EG |
| Vorschriften: | AufenthG § 60, Richtlinie 2004/83/EG vom 29. April 2004 (QRL) Art. 15 c, Richtlinie 2004/83/EG vom 29. April 2004 (QRL) Art. 18, Richtlinie 2004/83/EG vom 29. April 2004 (QRL) Art. 38, |
| Stichworte: | Abschiebungsschutz, bewaffneter Konflikt, ernsthafter Schaden, Qualifikationsrichtlinie, subsidiärer Schutz, unmittelbare Geltung, |
| Verfahrensgang: | VG Gießen 1 E 2156/03.A vom 23.10.2003 |
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