BVERWG – Aktenzeichen: BVerwG 6 C 30.98

Urteil vom 10.11.1999


Leitsatz:Leitsätze:

1. Ein Verstoß gegen § 6 VwGO ist im Rechtsmittelverfahren nur beachtlich, wenn er zugleich eine Verletzung einer prozessualen Gewährleistung der Verfassung (rechtliches Gehör, gesetzlicher Richter) darstellt. Ein Gehörsverstoß, welcher der ohne die erforderliche Anhörung erfolgten Einzelrichterübertragung anhaftet, ist bis zur Endentscheidung - insbesondere im Zusammenhang mit einer etwaigen Entscheidung über die beantragte Rückübertragung auf die Kammer - heilbar.

2. Ein Verstoß gegen § 116 Abs. 2 VwGO beinhaltet nicht stets zugleich eine Verletzung rechtlichen Gehörs und hindert daher - bei Verneinung einer Gehörsverletzung - nicht die Bestätigung des angefochtenen Urteils durch das Revisionsgericht gemäß § 144 Abs. 4 VwGO.

2a) Wer nach Vollendung des 25. Lebensjahres als Kriegsdienstverweigerer anerkannt wird, ist zur Ableistung des Zivildienstes verpflichtet, wenn in der Zeit vor Vollendung des 25. Lebensjahres die Heranziehung zum Wehrdienst aus Gründen unterblieben ist, welche die Hinausschiebung der Altersgrenze nach § 5 Abs. 1 WPflG rechtfertigen.

3. Die Hinausschiebung der Altersgrenze in den Fällen des § 5 Abs. 1 Satz 2 Nr. 1 Buchst. b WPflG setzt voraus, daß der Wehrpflichtige wegen seines ungenehmigten Auslandsaufenthalts nicht mehr rechtzeitig vor der Regelaltersgrenze einberufen werden konnte. An der erforderlichen Kausalität fehlt es nur dann, wenn der Wehrpflichtige den ungenehmigten Auslandsaufenthalt noch so rechtzeitig vor Vollendung des 25. Lebensjahres beendet hat, daß er noch vor diesem Zeitpunkt einberufen werden konnte.

4. Die in § 3 Abs. 2 WPflG getroffene Regelung über die Genehmigungspflicht von Auslandsaufenthalten Wehrpflichtiger ist mit Europäischem Gemeinschaftsrecht, insbesondere mit der Freizügigkeitsgarantie des Art. 18 Abs. 1 EG, vereinbar.

Urteil des 6. Senats vom 10. November 1999 - BVerwG 6 C 30.98 -

I. VG Karlsruhe vom 30.04.1998 - Az.: VG 9 K 3193/97 -
Rechtsgebiete:VwGO, WPflG, EG, ZDG
Vorschriften:§ 6 VwGO, § 116 Abs. 2 VwGO, § 3 Abs. 2 WPflG, § 5 Abs. 1 Satz 2 Nr. 1 Buchst. b WPflG, § EG Art. 18, § 23 ZDG, § 24 ZDG
Stichworte:Beachtlichkeit einer verfahrensfehlerhaften Einzelrichterübertragung im Rechtsmittelverfahren, Anhörungspflicht vor Einzelrichterübertragung, Heilbarkeit einer Gehörsverletzung, Verletzung der Pflicht zur rechtzeitigen Urteilsniederlegung, Hinausschiebung der Altersgrenze bei ungenehmigtem Auslandsaufenthalt eines Wehrpflichtigen, Freizügigkeitsgarantie nach Europäischem Gemeinschaftsrecht.

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Leitsätze:

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Urteil des 8. Senats vom 3. November 1999 - BVerwG 8 C 19.98 -

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