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JuraForum.deUrteileSchlagwörterJJugoslawien 

Jugoslawien

Entscheidungen der Gerichte

VGH-BADEN-WUERTTEMBERG – Beschluss, 6 S 620/97 vom 13.05.1997

1. Seit der vorläufigen Anwendbarkeit des Abkommens zwischen der Regierung der Bundesrepublik Deutschland und der Bundesrepublik Jugoslawien über die Rückführung und Rückübernahme von ausreisepflichtigen deutschen und jugoslawischen Staatsangehörigen ab dem 01.12.1996 kann ohne einen entsprechenden Nachweis nicht mehr davon ausgegangen werden, daß eine freiwillige Rückkehr in die Bundesrepublik Jugoslawien an der fehlenden Bereitschaft jugoslawischer Stellen scheitert, Rückreisepapiere auszustellen oder eigene Staatsangehörige einreisen zu lassen.

VG-OLDENBURG – Urteil, 11 A 4680/00 vom 11.12.2002

Versagung von Aufenthaltsbefugnissen für jugoslawische Staatsangehörige (möglicherweise Ashkali) wegen möglicher freiwilliger Rückkehr nach Jugoslawien (Kosovo, Serbien und Montenegro) und nicht erfüllter Voraussetzungen der niedersächsischen Altfallregelungen

NIEDERSAECHSISCHES-OVG – Beschluss, 13 LA 128/03 vom 08.04.2003

Es bedarf der Klärung in einem Berufungsverfahren (grundsätzliche Bedeutung), ob die Versorgung mit Insulin in der BR Jugoslawien hinreichend gesichert erscheint.

VGH-BADEN-WUERTTEMBERG – Beschluss, 1 S 2378/95 vom 23.10.1995

1. Nach der Gründung der "Bundesrepublik Jugoslawien" am 27.4.1992 genügt die Bezeichnung des Abschiebeziels "Jugoslawien" dem Bestimmtheitsgebot (Ergänzung des Beschlusses des Senats vom 30.3.1993 - 1 S 2801/92 -).

VGH-BADEN-WUERTTEMBERG – Urteil, 13 S 1194/95 vom 04.12.1996

1. Seit der vorläufigen Anwendbarkeit des Abkommens zwischen der Regierung der Bundesrepublik Deutschland und der Bundesregierung der Bundesrepublik Jugoslawien über die Rückführung und Rückübernahme von ausreisepflichtigen deutschen und jugoslawischen Staatsangehörigen (ab dem 1.12.1996) läßt sich ohne vorherige Durchführung des darin vorgesehenen Verfahrens grundsätzlich nicht mehr feststellen, daß eine Abschiebung restjugoslawischer Staatsangehöriger in die Bundesrepublik Jugoslawien aus tatsächlichen Gründen unmöglich ist.

VGH-BADEN-WUERTTEMBERG – Urteil, 13 S 2886/95 vom 28.11.1995

1. Seit der Gründung der "Bundesrepublik Jugoslawien" am 27.4.1992 genügt die Bezeichnung des Abschiebeziels "Jugoslawien" in einer Abschiebungsandrohung dem Bestimmtheitsgebot (wie VGH Baden-Württemberg, Urt v 25.3.1994 - A 14 S 2105/93 - und Beschl v 23.10.1995 - 1 S 2378/95 -; aA noch VGH Baden-Württemberg, Beschl v 19.10.1993 - 11 S 1183/93 -).

VGH-BADEN-WUERTTEMBERG – Urteil, A 12 S 159/95 vom 06.11.1995

1. Die gegenwärtig von der Bundesrepublik Jugoslawien praktizierte Form der Einreisebeschränkung, unter die insbesondere ehemalige Asylbewerber fallen, die der Volksgruppe der Albaner aus dem Kosovo angehören, stellt keine politische Verfolgung dar.

VGH-BADEN-WUERTTEMBERG – Urteil, 13 S 1983/00 vom 15.06.2001

1. Ein Ausländer ist bereits dann im Sinne von § 30 Abs. 3 und 4 AuslG unanfechtbar ausreisepflichtig, wenn ihm bestandskräftig die Abschiebung angedroht worden ist (im Anschluss an BVerwG, Urteil vom 15.2.2001 - 1 C 23.00 -).

2. Zur freiwilligen Ausreise nach Jugoslawien bedarf es, da derzeit das zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Bundesrepublik Jugoslawien bestehende Rückübernahmeabkommen suspendiert ist, außer einem gültigen Reisepass keines weiteren Rückreisedokuments, auch keines "Putni List".

VGH-BADEN-WUERTTEMBERG – Urteil, A 14 S 1167/98 vom 17.03.2000

Albanische Volkszugehörige aus dem Kosovo sind gegenwärtig und auf absehbare Zeit hinreichend sicher vor politischer Verfolgung durch die Bundesrepublik Jugoslawien; ihnen drohen im Regelfall im Kosovo auch keine sonstigen Nachteile und Gefahren (inländische Fluchtalternative).

VGH-BADEN-WUERTTEMBERG – Beschluss, 6 S 1264/95 vom 19.06.1995

1. Leistungsberechtigten nach dem Asylbewerberleistungsgesetz, die eine Duldung erhalten haben, weil die "Bundesrepublik Jugoslawien" ihnen keine Reisepapiere ausstellt, sind Hilfen zum Lebensunterhalt in entsprechender Anwendung des Bundessozialhilfegesetzes zu gewähren.

VGH-BADEN-WUERTTEMBERG – Urteil, A 14 S 1062/94 vom 13.09.1994

1. Albanische Volkszugehörige aus dem Kosovo sind in Albanien vor politischer Verfolgung und vor einer Abschiebung nach (Rest-)Jugoslawien (Serbien/Montenegro) sicher.

2. Gewährt das Bundesamt für die Anerkennung ausländischer Flüchtlinge Abschiebungsschutz nach § 51 Abs 1 AuslG (AuslG 1990), so darf in der nach § 34 AsylVfG (AsylVfG 1992), § 51 Abs 4 AuslG (AuslG 1990) erlassenen Abschiebungsandrohung nicht die Abschiebung in einen Drittstaat angedroht werden, in dem der Flüchtling nicht vor einer Weiterschiebung in den Verfolgerstaat (sog Kettenabschiebung) sicher ist.

3. Flüchtlinge aus (Rest-)Jugoslawien sind derzeit in Kroatien, wenn sie dort keinen Aufenthalt hatten, grundsätzlich nicht vor einer Weiterschiebung in ihr Heimatland sicher.

VGH-BADEN-WUERTTEMBERG – Urteil, A 14 S 2105/93 vom 25.03.1994

1. Eine im Mai 1993 erlassene Abschiebungsandrohung gegenüber einem erfolglosen Asylbewerber, der im April 1993 aus dem Kosovo eingereist ist, ist nicht wegen mangelnder Bestimmtheit rechtswidrig, wenn als Abschiebungsziel "Jugoslawien" genannt wird (aA VGH Baden-Württemberg, Beschluß vom 19.10.1993 - 11 S 1183/93 - bezüglich einer Abschiebungsandrohung vom Februar 1993).

VGH-BADEN-WUERTTEMBERG – Beschluss, 1 S 2801/92 vom 30.03.1993

1. Ist die erforderliche Betreuung eines Kindes, dessen Eltern nicht oder nicht mehr verheiratet sind, im Heimatland möglich, ist es regelmäßig nicht ermessensfehlerhaft, den Nachzug zu einem Elternteil zu verweigern, auch wenn diesem das Sorgerecht übertragen ist.

2. Eine Verfügung, mit der die Abschiebung nach Jugoslawien angedroht wird, ist rechtswidrig, da dieser Staat in seiner früheren Form nicht mehr existiert.

VGH-BADEN-WUERTTEMBERG – Urteil, A 14 S 531/96 vom 18.06.1996

1. Die Heranziehung albanischer Volkszugehöriger aus dem Kosovo zum Wehrdienst in den Streitkräften der Bundesrepublik Jugoslawien und eine etwaige Bestrafung wegen Wehrdienstentziehung oder Desertion stellen auch nach derzeitiger Erkenntnislage grundsätzlich keine politische Verfolgung dar (Fortführung der Rechtsprechung des Senats).

2. Die albanischen Volkszugehörigen im Kosovo sind auch nach derzeitiger Erkenntnislage keiner Gruppenverfolgung im Hinblick auf ihre ethnische Abstammung ausgesetzt (Fortführung der Rechtsprechung des Senats).

VGH-BADEN-WUERTTEMBERG – Urteil, 6 S 3094/92 vom 21.12.1994

1. Die aktive Mitgliedschaft in der "Deutschen Evangelischen Christlichen Landeskirche AB (Augsburgischen Bekenntnisses) im Königreich Jugoslawien" (bzw ab April 1941 "im Unabhängigen Kroatischen Staat") vor und während des Zweiten Weltkriegs indiziert jedenfalls für die Zagreber Gemeinde ein Bekenntnis zum deutschen Volkstum.

NIEDERSAECHSISCHES-OVG – Beschluss, 8 ME 131/03 vom 22.08.2003

Die Ausländer, die die Voraussetzungen für die Erteilung der Aufenthaltsbefugnis erst nach der behördlichen Entscheidung über ihre Anträge erfüllt haben, werden von der Anordnung des Niedersächsischen Innenministeriums nach § 32 des Ausländergesetzes zur Erteilung von Aufenthaltsbefugnissen an erwerbstätige Flüchtlinge aus Bosnien und Herzegowina und der Bundesrepublik Jugoslawien (Serbien einschließlich Kosovo und Montenegro) vom 22. Mai 2001 nicht begünstigt.

VGH-BADEN-WUERTTEMBERG – Beschluss, A 14 S 2105/92 vom 06.10.1993

1. Makedonischen und albanischen Volkszugehörigen aus Makedonien, die sich im ehemaligen Jugoslawien bis zu ihrer Ausreise (hier: Oktober 1988) aktiv für die politischen Forderungen der albanischen Bevölkerungsgruppe im Kosovo eingesetzt haben, droht bei einer Rückkehr nach Makedonien mit hinreichender Sicherheit keine politische Verfolgung durch den makedonischen Staat.

VG-OLDENBURG – Beschluss, 12 B 4988/02 vom 03.12.2002

Der Abschiebestopp-Erlass zugunsten Angehöriger der ethnischen Minderheiten aus dem Kosovo steht einer Abschiebung in den Kosovo, nicht aber in die Bundesrepublik Jugoslawien außerhalb des Kosovo entgegen.

Zur Vereinbarkeit einer vorübergehend getrennten Abschiebung von ausreisepflichtigen Familienangehörigen. Eine Duldung nach § 55 Abs. 3 AuslG kann nicht mit Hinweis auf zeilstaatsbezogene Abschiebungshindernisse i.S.d. § 53 AuslG begehrt werden.

VG-KARLSRUHE – Urteil, 12 K 2459/99 vom 21.08.2001

Annahme eines atypischen Sachverhalts bei einem aus dem Kosovo stammenden Ausländer, der wegen illegaler Einreise im Juli 1999 zu einer Freiheitsstrafe ohne Bewährung verurteilt wurde und damit den Tatbestand einer Regelausweisung nach § 47 Abs 2 Nr 1 AuslG (AuslG 1990) erfüllte, wegen der zum Zeitpunkt des Erlasses der Ausweisungsverfügung (Anfang August 1999) in der Bundesrepublik Jugoslawien und im Kosovo herrschenden Verhältnisse.

VGH-BADEN-WUERTTEMBERG – Beschluss, 13 S 2506/88 vom 30.11.1988

1. Nicht jede Beeinträchtigung der körperlichen Integrität im Heimatstaat (hier: Jugoslawien) stellt sich unabhängig von ihrer Dauer, Art und Schwere als grausame, unmenschliche oder gezielt erniedrigende Behandlung im Sinne des Art 3 EMRK dar, die Foltermerkmale aufweist, als solche dem Gebot der Achtung der Menschenwürde widerstreitet und deshalb ein Abschiebungshindernis begründet.

VGH-BADEN-WUERTTEMBERG – Urteil, A 14 S 1327/94 vom 19.09.1995

1. Es ist nach aktueller Erkenntnislage weiterhin davon auszugehen, daß bei albanischen Volkszugehörigen aus dem Kosovo grundsätzlich weder die Heranziehung zum Wehrdienst in den Streitkräften der Bundesrepublik Jugoslawien noch eine Bestrafung wegen Wehrdienstentziehung oder Desertion politische Verfolgung darstellen. Dies gilt namentlich auch für in ihr Heimatland (freiwillig) zurückkehrende oder abgeschobene Kosovo-Albaner (Bestätigung und Fortführung der Senatsrechtsprechung, vgl Urteile vom 25.02.1994 - A 14 S 1941/93 - und vom 13.09.1994 - A 14 S 736/94 -).

VGH-BADEN-WUERTTEMBERG – Beschluss, 11 S 1183/93 vom 19.10.1993

1. Eine mangels Berücksichtigung der in § 55 Abs 2 AuslG (AuslG 1990) genannten Duldungsgründe ermessensfehlerhafte Ausweisung kann nicht in eine die unbefristete und die befristete Verlängerung der Aufenthaltserlaubnis nach § 26 Abs 3 S 1 und S 2 AuslG (AuslG 1990) versagende Ermessensentscheidung umgedeutet werden, wenn die Ausländerbehörde bei der Ausübung des Ausweisungsermessens den Rechtsanspruch des Ausländers nach § 26 Abs 1 AuslG (AuslG 1990) nicht berücksichtigt hat.

2. Die in einer Abschiebungsandrohung vom Februar 1993 enthaltene Bezeichnung "Jugoslawien" für den Staat, in den der Ausländer abgeschoben werden soll (§ 50 Abs 2 AuslG (AuslG 1990)), ist nicht hinreichend bestimmt (wie VGH Bad-Württ, Beschl v 30.03.1993 - 1 S 2801/92 -).

VGH-BADEN-WUERTTEMBERG – Beschluss, A 13 S 2937/90 vom 11.03.1991

1. Jugoslawische Staatsangehörige albanischer Volkszugehörigkeit aus der Provinz Kosovo unterliegen in Jugoslawien allein im Blick auf ihre ethnische Abstammung keiner Gruppenverfolgung.

2. Ihnen stehen - jedenfalls derzeit - in den nördlichen Teilrepubliken Slowenien und Kroatien inländische Fluchtalternativen zur Verfügung.

3. Die Ausweismöglichkeiten in diese Teilrepubliken stellen sich hinsichtlich der Frage des Vorliegens von Abschiebungshindernissen als Aufenthaltsalternativen dar. Die Abschiebebehörde muß gegebenenfalls bei der Durchführung der Abschiebung prüfen, wie den Abzuschiebenden die Möglichkeit eingeräumt werden kann, in den sicheren Teilen ihres Heimatlandes Aufenthalt zu nehmen.

4. Die allgemeine Feststellung, in Teilen des Landes, in das abgeschoben werden soll, herrschten bürgerkriegsähnliche Verhältnisse, und es komme hier und da zu rechtsstaatswidrigen Übergriffen, begründet als solche noch kein Abschiebungshindernis im Sinne des Art 3 EMRK (wie Beschluß des Senats vom 25.9.1987 - 13 S 2008/87 -).

VG-KARLSRUHE – Beschluss, A 4 K 10655/02 vom 18.06.2002

1. Es lässt sich nicht erkennen, dass die Angehörigen der Bevölkerungsgruppe der Roma/Ashkali aus Serbien/Montenegro (ohne Kosovo) dort einer allgemeinen Gefahr iS von § 53 Abs 6 S 2 AuslG (AuslG 1990) ausgesetzt sind. Für Angehörige dieser Bevölkerungsgruppe ist demnach die Anwendbarkeit des § 53 Abs 6 S 1 AuslG (AuslG 1990) nicht gesperrt.

2. Besteht im Einzelfall eine beachtliche Wahrscheinlichkeit für eine erhebliche konkrete Gefährdung der in § 53 Abs 6 S 1 AuslG (AuslG 1990) aufgeführten Rechtsgüter der Angehörigen der Bevölkerungsgruppe der Roma/Ashkali aus Serbien/Montenegro (ohne Kosovo), kann die Ausländerbehörde von einer Abschiebung absehen, auch wenn die Gefahrenlage etwa durch die schlechten wirtschaftlichen Verhältnisse in der Bundesrepublik Jugoslawien mithervorgerufen werden würde.

VGH-BADEN-WUERTTEMBERG – Urteil, 1 S 1450/93 vom 21.02.1994

1. Im Regelfall muß bei Sozialhilfebezug einem Ausländer die Erteilung einer Aufenthaltsgenehmigung nach § 7 Abs 2 Nr 1 AuslG (AuslG 1990) iVm § 46 Nr 6 AuslG (AuslG 1990) versagt werden. Liegt ein Ausnahmefall vor, steht die Versagung der Aufenthaltsgenehmigung nach § 7 Abs 1 AuslG (AuslG 1990) im pflichtgemäßen Ermessen der Ausländerbehörde. Diese hat in ihre Ermessenserwägungen auch den Regelversagungsgrund einzubeziehen. Die Frage, ob ein Regel- oder Ausnahmefall vorliegt, unterliegt voller gerichtlicher Nachprüfung (im Anschluß an BVerwG, Urt v 29. Juli 1993 - BVerwG 1 C 25/93 -, DVBl 1994, 52).

2. Zum Vorliegen eines Ausnahmefalles und zur Ermessensausübung bei der Entscheidung über die Verlängerung einer Aufenthaltserlaubnis einer Staatsangehörigen aus dem ehemaligen Jugoslawien, die nach langjährigem Aufenthalt aufgrund einer psychischen Erkrankung nicht in der Lage ist, ihren Lebensunterhalt ohne Inanspruchnahme von Sozialhilfe zu bestreiten.

3. Es entspricht Sinn und Zweck der Vorschrift des § 30 Abs 2 Nr 1 AuslG (AuslG 1990), die Erteilung einer Aufenthaltsbefugnis auf die Fälle zu beschränken, in denen die Erteilung oder Verlängerung einer anderen Aufenthaltsgenehmigung absolut und ausnahmslos ausgeschlossen ist (im Anschluß an BVerwG, Urt v 29. Juli 1993, aaO).

VG-BRAUNSCHWEIG – Beschluss, 6 B 83/04 vom 11.03.2004

1. Die durch Erlass des Nds. Innenministeriums vom 22.05.2001 (Nds. MBl. S. 492) getroffene "Anordnung nach § 32 des Ausländergesetzes (AuslG) zur Erteilung von Aufenthaltsbefugnissen an erwerbstätige Flüchtlinge aus Bosnien und Herzegowina und der Bundesrepublik Jugoslawien (Serbien einschl. Kosovo und Montenegro)" begegnet rechtlichen Bedenken nicht, soweit sie eine Verlängerung der Aufenthaltsbefugnis für Ausländer ausschließt, die zu einer Strafe von mehr als 50 Tagessätzen verurteilt worden sind und dabei Familienmitglieder im Sinne des § 31 AuslG einschließt.

2. Neben dem Antrag auf Verlängerung einer Aufenthaltsbefugnis betrifft das hilfsweise auf Erteilung einer Duldung gerichtete Begehren nicht "denselben Gegenstand" im Sinne des § 19 Abs. 1 Satz 3 GKG, so dass bei der Streitwertfestsetzung der Wert des Hilfsantrages gemäß § 19 Abs. 1 Satz 2 dem Wert des Hauptanspruches hinzuzurechnen ist.

3. Entsprechend der Staffelung des § 83b Abs. 2 Satz 3 AsylVfG ist auch in ausländerrechtlichen Streitigkeiten bei der Streitwertberechnung im Falle einer Mehrzahl von Antragstellern der für den ersten Antragsteller festzusetzende Wert grundsätzlich für jeden weiteren Antragsteller um den Faktor 0,3 zu erhöhen.

VGH-BADEN-WUERTTEMBERG – Beschluss, A 14 S 709/00 vom 26.05.2000

1. Wird ein Asylbewerber jugoslawischer Staatsangehörigkeit auf eine inländische Fluchtalternative im Kosovo verwiesen, bezeichnet die Abschiebungsandrohung jedoch die "Bundesrepublik Jugoslawien" ohne Einschränkung, so steht dies in Übereinstimmung mit § 50 Abs 2 AuslG (AuslG 1990) iVm § 34 Abs 1 S 1 AsylVfG (AsylVfG 1992) (im Anschluss an BVerwG, Urt v 16.11.1999 - 9 C 4/99 -, InfAuslR 2000, 122).

2. Voraussetzung für den Erlass einer uneingeschränkten Abschiebungsandrohung ist in diesem Fall nicht, dass das Bundesamt in seiner Begründung der Abschiebungsandrohung darauf hingewiesen hat, die Abschiebung in die nicht verfolgungsfreien Landesteile müsse unterbleiben. Dies gilt gleichermaßen für die Fälle, in denen eine Verfolgung in einem bestimmten Landesteil ausdrücklich festgestellt, wie auch für die Fälle, in denen Verfolgung lediglich unterstellt oder offen gelassen wurde. Die Ausländerbehörde, welche die Abschiebung vollzieht, ist in beiden Fällen mit Rücksicht auf § 4 S 1 AsylVfG (AsylVfG 1992) gehindert, eigenständig über die Verfolgungslage außerhalb des Gebiets der inländischen Fluchtalternative zu befinden (Fortführung der Senatsrechtsprechung, vgl Urt vom 16.3.2000 - A 14 S 2443/98).

VGH-BADEN-WUERTTEMBERG – Urteil, A 14 S 2443/98 vom 16.03.2000

1. Auch allgemeinkundige Tatsachen, die der Begründung eines Asylfolgeantrags dienen sollen, sind innerhalb der Drei-Monats-Frist des § 51 Abs 3 VwVfG geltend zu machen (im Anschluss an VGH Bad-Württ, Urt v 15.6.1999 - A 6 S 2766/98).

2. Ein Grund für das Wiederaufgreifen des Verfahrens im Sinne von § 71 Abs 1 S 1 AsylVfG (AsylVfG 1992) iVm § 51 Abs 1 Nr 1 VwVfG liegt jedenfalls dann vor, wenn sich aus dem substantiierten und glaubhaften Vortrag ergibt, dass sich die für die frühere Entscheidung maßgebliche Sachlage zu Gunsten des Folgeantragstellers geändert hat und hieraus die (nicht nur theoretische) Möglichkeit einer für ihn positiven Entscheidung folgt. Nicht erforderlich ist es hingegen, dass bereits der materielle Anspruch selbst festgestellt wird.

3. Für die Beurteilung der Frage, ob ein Wiederaufgreifensgrund nach § 51 Abs 1 Nr 1 VwVfG vorliegt, ist der Zeitpunkt der mündlichen Verhandlung maßgeblich.

4. Der Rückkehr von Kosovo-Albanern in das Kosovo steht gegenwärtig ein Abschiebungshindernis nach § 53 Abs 6 S 1 AuslG (AuslG 1990) nicht entgegen.

5. Wird im Falle des Verweises auf eine inländische Fluchtalternative im Kosovo in der Abschiebungsandrohung die "Bundesrepublik Jugoslawien" ohne Einschränkung bezeichnet, so ist dies rechtlich einwandfrei (im Anschluss an BVerwG, Urt v 16.11.1999 - 9 C 4/99 -, NVwZ 2000, 331).

HESSISCHER-VGH – Beschluss, 7 UE 3645/99.A vom 15.02.2000

1. Albanische Volkszugehörige aus dem Kosovo sind gegenwärtig und auf absehbare Zeit in der serbischen Provinz Kosovo mangels effektiver Gebietsgewalt des jugoslawischen Staates hinreichend sicher vor politischer Verfolgung.

2. Aufgrund der hinreichenden Sicherheit vor politischer Verfolgung für jeden zurückkehrenden albanischen Volkszugehörigen aus dem Kosovo kann offen bleiben, ob dieser seine Heimat vorverfolgt verlassen hat bzw. ob ihm heute in Jugoslawien außerhalb der Provinz Kosovo politische Verfolgung unter dem Gesichtspunkt einer staatlichen Gruppenverfolgung oder aus individuellen Gründen drohen würde.

3. Die zum Asylrecht entwickelten Grundsätze zur "inländischen Fluchtalternative" sind auch im Rahmen der Prüfung von Abschiebungsschutz nach § 51 Abs. 1 AuslG zu berücksichtigen.

4. Der Bejahung einer inländischen Fluchtalternative im Kosovo für zurückkehrende Kosovo-Albaner steht weder entgegen, dass der jugoslawische Staat dort seine Gebietsgewalt vorübergehend verloren hat noch, dass in diesen Fällen der Herkunftsort und das gegenwärtig und auf absehbare Zeit verfolgungssichere Gebiet zusammenfallen.

5. Fallen Herkunftsort und verfolgungssicheres Gebiet zusammen, so erübrigt sich die Prüfung anderer als durch die politische Verfolgung bedingter Nachteile und Gefahren am Ort der inländischen Fluchtalternative. Solche Gefahren können dann allein im Rahmen der Prüfung des § 53 AuslG Berücksichtigung finden.

6. Das Nichtbestehen einer Abschiebemöglichkeit in das verfolgungssichere Gebiet steht der Bejahung einer inländischen Fluchtalternative dann nicht entgegen, wenn der Betroffene dieses Gebiet jedenfalls freiwillig in zumutbarer Weise erreichen kann.

7. Ein Abschiebungshindernis nach § 53 Abs. 4 AuslG i. V. m. Art. 3 EMRK oder nach § 53 Abs. 6 AuslG steht albanischen Volkszugehörigen aus dem Kosovo regelmäßig nicht zur Seite.

8. Ein beschränkender Hinweis in der Abschiebungsandrohung auf das sichere Teilgebiet des Herkunftsstaates (hier: die Provinz Kosovo) ist weder bundesgesetzlich vorgesehen noch zur Gewährung effektiven Rechtsschutzes geboten.

VGH-BADEN-WUERTTEMBERG – Beschluss, 13 S 2185/95 vom 03.11.1995

1. Die Erteilung einer Duldung setzt über das Vorliegen eines Duldungsgrundes hinaus allgemein voraus, daß der Ausländer vollziehbar ausreisepflichtig ist. Nicht erforderlich ist jedoch, daß die weiteren für die Durchführung einer Abschiebungsmaßnahme erforderlichen Voraussetzungen (Abschiebungsgrund, erforderliche vollziehbare Abschiebungsandrohung) vorliegen. Ob etwas anderes gilt, wenn dem Ausländer eine Frist zur freiwilligen Ausreise gesetzt wurde und diese Frist noch nicht verstrichen ist, bleibt offen.

2. Liegt ein Duldungsgrund nach § 55 Abs 2 AuslG (AuslG 1990) vor und ist der Ausländer vollziehbar ausreisepflichtig, muß eine Duldung erteilt werden. Dieser behördlichen Pflicht zur Duldungserteilung entspricht ein subjektives Recht des Ausländers, das mit der Verpflichtungsklage und gegebenenfalls mit einem Antrag auf Erlaß einer einstweiligen Anordnung durchgesetzt werden kann; das Verbot der Vorwegnahme der Hauptsache steht dem regelmäßig nicht entgegen (wie VGH Bad-Württ, Beschl v 19.5.1992 - 11 S 2748/91 -, VBlBW 1993, 29).

3. Der Duldungsanspruch nach § 55 Abs 2 AuslG (AuslG 1990) steht nicht unter dem Vorbehalt der erfolglosen Durchführung eines Asylverfahrens, wenn der Ausländer - auch - Duldungsgründe vorbringt, die möglicherweise die Annahme politischer Verfolgung im Sinne von Art 16a Abs 1 GG oder von § 51 Abs 1 AuslG (AuslG 1990) rechtfertigen könnten.

4. Der Duldungsanspruch wegen einer aus tatsächlichen Gründen unmöglichen Abschiebung nach § 55 Abs 2 AuslG (AuslG 1990) setzt nicht voraus, daß auch eine freiwillige Ausreise des Ausländers aus tatsächlichen Gründen unmöglich ist.

5. Beruft sich der Ausländer auf den Duldungsgrund der aus tatsächlichen Gründen unmöglichen Abschiebung, ist dem Antrag im vorläufigen Rechtsschutzverfahren der Erfolg zu versagen, wenn das Vorliegen eines tatsächlichen Abschiebungshindernisses lediglich behauptet, nicht aber durch die Darlegung eines fehlgeschlagenen Abschiebungsversuchs glaubhaft gemacht wird. Etwas anderes gilt nur dann, wenn feststeht, daß ein solcher Abschiebungsversuch mit Sicherheit zum Scheitern verurteilt wäre (Bestätigung des Senatsbeschlusses vom 3.12.1992 - A 13 S 3108/92 -, NVwZ-RR 1993, 295).

6. Nach derzeitiger Sachlage muß davon ausgegangen werden, daß ein Versuch, restjugoslawische Staatsangehörige in die Bundesrepublik Jugoslawien abzuschieben, mangels tatsächlicher Aufnahmebereitschaft der Behörden dieses Staates mit Sicherheit zum Scheitern verurteilt wäre, es sei denn, es handelte sich um Straftäter oder um Personen mit Aufenthaltsrecht für die Bundesrepublik Deutschland.


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