Nur die Brille auf der Nase wird von der Unfallversicherung ersetzt

19.05.2017, 09:37 | Recht & Gesetz | Jetzt kommentieren


Nur die Brille auf der Nase wird von der Unfallversicherung ersetzt
München (jur). Geht bei einem Unfall auf dem Weg zur Arbeit eine Brille kaputt, wird sie von der gesetzlichen Unfallversicherung ersetzt, wenn sie ihrem Zweck entsprechend auf der Nase getragen wurde. Wurde dagegen eine Lesebrille in der Handtasche mitgeführt, muss die Unfallversicherung für die Kosten nicht aufkommen, entschied das Sozialgericht München in einem am Donnerstag, 18. Mai 2017, veröffentlichten Urteil (Az.: S 23 U 667/15).

Damit scheiterte eine Frau vor Gericht, die sich die Kosten für eine beschädigte Lesebrille von der gesetzlichen Unfallversicherung ersetzen lassen wollte. Die Frau war am 3. August 2015 auf dem Weg zu ihrer Arbeit gestürzt und hatte sich an der Schulter und dem linken Knie verletzt. Bei dem Sturz fiel sie auf ihre mitgeführte Handtasche. Die darin enthaltene Lesebrille samt Brillenetui wurde zerstört.

Da es sich um ein Hilfsmittel handele, müsse die gesetzliche Unfallversicherung für die Kosten einer neuen Lesebrille aufkommen. Konkret ging es um 500 Euro.

Vorraussetzung für eine Erneuerung eines beschädigten Hilfsmittels

Doch der Unfallversicherungsträger lehnte ab. Voraussetzung für eine Wiederherstellung oder Erneuerung eines beschädigten Hilfsmittels sei, dass dieses während des Unfalls „bestimmungsgemäß“ am Körper eingesetzt wurde. Ein bloßes Mitführen in der Handtasche sei nicht ausreichend.

Das Sozialgericht wies die Klage der Frau mit seinem Urteil vom 11. Januar 2017 ab. Werde ein Hilfsmittel nicht bestimmungsgemäß am Körper getragen, sondern eher zufällig mitgeführt, sei es nach dem Gesetzeszweck nicht angezeigt, es in den Schutzbereich der Gesetzlichen Unfallversicherung einzubeziehen, so die Münchener Richter. Bei Brillen sei es daher notwendig, „dass sie im Zeitpunkt des Unfalls bestimmungsgemäß am Körper getragen werden“. Die Brille müsse damti für die konkrete versicherte Tätigkeit erforderlich sein.

Diese Voraussetzungen seien hier nicht erfüllt. Die Brille war weder zum Zurücklegen des Arbeitsweges erforderlich, noch wurde sie direkt am Körper getragen, sondern in der Handtasche mitgeführt. „Sie wurde demnach nicht infolge einer versicherten Tätigkeit zerstört“, urteilte das Sozialgericht.

Quelle: © www.juragentur.de - Rechtsnews für Ihre Anwaltshomepage

Symbolgrafik: © stockphotos - Fotolia.com


Weitere Nachrichten zum Thema
  • Bild„Elektronische Nase“ erschnüffelt Herzkrankheiten (04.04.2013, 11:10)
    Vom 03. – 06. April 2013 findet in Mannheim die 79. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) statt.Mannheim, Donnerstag, 4. April 2013 – Eine Analyse der Ausatemluft mittels „elektronischer Nase“ ermöglicht es, Menschen mit...
  • BildGeruchsforschung: Wenn die Nase leuchtet (26.03.2012, 16:10)
    Wissenschaftler aus Aachen, Mailand und Berlin haben herausgefunden, wie wir unterschiedlich starke Gerüche wahrnehmen. Doch nicht nur das: Ihre neu entwickelte Methode könnte langfristig auch hilfreich bei der Diagnose von Alzheimer oder...
  • Bild3D-Fernsehen ohne Brille (01.09.2011, 12:10)
    Wenn die Grenzen zwischen Film und Zuschauer verschwimmen, wird Fernsehen zu einem ganz besonderen Erlebnis. Fraunhofer-Forscher optimieren nun ihre Technologien, die 3D-TV ohne technische Hilfsmittel wie 3D-Brillen ermöglichen: Mit einem neuen...
  • BildFernseherlebnis für die Nase (17.06.2011, 17:10)
    Auf dem Weg zum Geruchsfernsehen: Gezielte Freisetzung verschiedener Duftstoffe aus einzeln adressierbaren KammernDie Angewandte Chemie feiert den 50. Band ihrer internationalen Ausgabe mit Symposien in Tokio und Peking am 20. und 22. Juni. Die...
  • BildStammzell-Therapie durch die Nase (22.02.2011, 12:00)
    Operationsfreie Methode zur Behandlung der Parkinson-Krankheit im Tierversuch erfolgreich – Internationale Studie unter Beteiligung der Universität TübingenMediziner auf der ganzen Welt setzen große Hoffnungen in eine Behandlung von...
  • BildSehen ohne Brille?! (17.09.2010, 14:00)
    Am 25. September 2010 ist Tag der offenen Tür in der Universitäts-Augenklinik Heidelberg / Informationen zu Laserbehandlungen und Kunstlinsen sowie kostenlose Sehtests und BeratungenAlternativen zu Brille oder Kontaktlinsen stellt die...
  • BildUngeahnte Vielfalt in der Nase (23.03.2010, 11:00)
    Wissenschaftler des HZI erforschen Bakteriengemeinschaften in der Nase, um Infektionen zu verhindern.Der menschliche Körper ist besiedelt von Bakterien. Sie leben auf unserer Haut, in den Körperöffnungen und in unserem Darm. Dort hindern sie...
  • BildMitleid entsteht in der Nase (13.07.2009, 19:00)
    Eine Arbeitsgruppe um die Düsseldorfer Psychologin Prof. Dr. Bettina Pause (Institut für Experimentelle Psychologie) konnte erstmals nachweisen, dass Angst über den Geruch zwischen zwei Menschen übertragen wird. Dabei muss der Angstgeruch nicht...
  • BildDie Nase steuert die Partnerwahl (14.05.2009, 13:00)
    Prof. Marc Spehr wurde als neuer Lichtenberg-Professor für Chemosensorik an die RWTH Aachen berufen. Er erforscht beispielsweise, wie Pheromone das Verhalten beeinflussen Lange bevor es Sprache gab, haben bereits Pheromone einen wichtigen Teil...
  • BildImmer der Nase nach (05.12.2006, 13:02)
    Max-Planck-Forscher aus Tübingen entdecken, dass Fadenwürmer der Gattung Pristionchus ihre Wirtskäfer an deren Duftstoffen erkennenFadenwürmer der Gattung Pristionchus sind nur etwa einen Millimeter lang, blind und leben in der Erde. Wie sie trotz...

Ähnliche Themen in den JuraForen


Kommentar schreiben

92 - Ach .t =

Bisherige Kommentare zur Nachricht (0)

(Keine Kommentare vorhanden)



Fragen Sie einen Anwalt!
Anwälte sind gerade online.
Schnelle Antwort auf Ihre Rechtsfrage.

JuraForum-Newsletter

Kostenlose aktuelle Urteile und Rechtstipps per E-Mail:

Top 10 Orte in der Anwaltssuche

JuraForum-Suche

Durchsuchen Sie hier JuraForum.de nach bestimmten Begriffen:

© 2003-2017 JuraForum.de — Alle Rechte vorbehalten. Keine Vervielfältigung, Verbreitung oder Nutzung für kommerzielle Zwecke.