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Kein Schmerzensgeld nach Unfalltod eines Hundes

19.04.2012, 14:44 | Recht & Gesetz | Autor: | Jetzt kommentieren


Kein Schmerzensgeld nach Unfalltod eines Hundes
Karlsruhe (jur). Manchen Menschen steht der eigene Hund so nahe wie anderen die engste Familie. Doch rechtlich gesehen ist der Tod eines Tieres niemals mit dem eines nahen Angehörigen vergleichbar, wie der Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe in einem am Dienstag, 17. April 2012, veröffentlichten Urteil vom 20. März 2012 betonte (Az.: VI ZR 114/11). Er wies damit die Klage einer Hundehalterin auf Schmerzensgeld für den Unfalltod ihrer Labradorhündin ab. Ein solches Unglück gehöre zum „allgemeinen Lebensrisiko“.

Die Frau war im Raum Aachen auf einem Feldweg spazieren gegangen. Ein Traktor überrollte dort die nicht angeleinte, erst 14 Monate alte Hündin. Das Tier wurde so schwer verletzt, dass ein Tierarzt es einschläfern musste. Von dem Traktorfahrer verlangte die Frau nicht nur Schadenersatz für die Tierarztkosten und den Kauf eines neuen Labrador-Welpens, sondern auch Schmerzensgeld für sich selbst. Sie habe einen Schock erlitten und sei wegen schwerer Depressionen mehr als vier Monate lang in ärztlicher Behandlung gewesen.

Nach Überzeugung des Oberlandesgerichts (OLG) Köln hatten beide Seiten an dem Unglück gleich Schuld. Es teilte den materiellen Schaden daher zur Hälfte. Schmerzensgeld wegen eines Schockschadens lehnte das OLG ab.

Zu Recht, wie nun der BGH entschied. Nach ständiger Rechtsprechung komme ein Schmerzensgeld nach einem schweren oder gar tödlichen Unfall zwar in Betracht (erstmals Urteil vom 11. Mai 1971, Az.: VI ZR 78/70, zuletzt Urteil vom 6. Februar 2007, Az.: VI ZR 55/06). Voraussetzung sei aber „eine besondere personale Beziehung“ zu einem „schwer verletzten oder getöteten Menschen“. Eine Ausweitung dieser Rechtsprechung auf verunglückte Tiere gebe das Gesetz nicht her und sei vom Gesetzgeber nicht gewollt.

Wörtlich heißt es weiter in dem Karlsruher Urteil: „Derartige Beeinträchtigungen bei der Verletzung oder Tötung von Tieren, mögen sie auch als schwerwiegend empfunden werden und menschlich noch so verständlich erscheinen, gehören zum allgemeinen Lebensrisiko und vermögen damit Schmerzensgeldansprüche nicht zu begründen“.

Mit seinem Urteil bestätigte der BGH auch die hälftige Teilung des materiellen Schadens und wies die Klage der Hundehalterin auf vollen Ersatz ihrer Kosten ebenfalls ab.

Quelle: www.juragentur.de - Rechtsnews für Ihre Anwaltshomepage
Foto: © Kirill Kurashov - Fotolia.com


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