Entschädigung für Adoptivsohn eines orthodoxen Mönches

09.12.2013, 16:26 | Recht & Gesetz | Autor: | Jetzt kommentieren


Entschädigung für Adoptivsohn eines orthodoxen Mönches
Straßburg (jur). Griechenland muss wegen einer unwirksam erklärten Adoption durch einen orthodoxen Mönch 300.000 Euro Schadenersatz zahlen. Dies hat der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) am Donnerstag, 5. Dezember 2013, entschieden (Az.: 56759/08). Bereits 2011 hatten die Straßburger Richter dem griechischen Adoptivsohn recht gegeben, dabei aber noch nicht die Schadenersatzhöhe festgelegt.

Der Mann war 1984 als 20-Jähriger von seinem in den USA lebenden Onkel, einem orthodoxen Mönch und Bischof, adoptiert worden. Die Adoption wurde auch von den griechischen Behörden zunächst anerkannt. Als jedoch 1998 der Mönch starb, fürchteten die anderen Verwandten wegen des Adoptivsohnes um ihr Erbe. Sie zogen vor Gericht.

Die griechischen Gerichte erklärten daraufhin die Adoption wieder für unwirksam. Das mönchische Leben sei mit der Adoption eines Kindes nicht vereinbar. Dies gehe aus kirchenrechtlichen Vorschriften aus dem 17. und 19. Jahrhundert so hervor. Damit sollte der Adoptivsohn auch beim Erbe leer ausgehen.

Der EGMR hatte schon in seinem Urteil aus 2011 einen Verstoß gegen das Recht auf Achtung des Privat- und Familienlebens, des Rechts auf Eigentum und gegen das Diskriminierungsverbot gerügt (Az.: 56759/08, Urteil vom 3. Mai 2011, JurAgentur-Meldung vom selben Tag). Auch nach griechischem Recht sei die Adoption nicht verboten. So könnten Mönche seit 1982 heiraten und eine Familie gründen. Der mittlerweile verstorbene Mönch habe zudem immer betont, dass sein Adoptivsohn sein Erbe erhalten solle.

Da der Kläger sein Erbe nicht antreten konnte, sei der griechische Staat nun zu Schadenersatz verpflichtet. Wegen des erlittenen Vermögensschadens sprach der EGMR dem Adoptivsohn eine Entschädigung von 300.000 Euro zu - und zusätzlich ein Schmerzensgeld in Höhe von 5.200 Euro.


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