Auch für Selbstsändige ein häussliches Arbeitszimmer

20.04.2017, 10:15 | Recht & Gesetz | Jetzt kommentieren


Auch für Selbstsändige ein häussliches Arbeitszimmer
München (jur). Auch Selbstständige können ein häusliches Arbeitszimmer steuermindernd geltend machen, wenn beispielsweise in ihrer Praxis ein geeigneter Büroraum nicht eingerichtet werden kann. Dabei ist nicht jeder Schreibtischarbeitsplatz automatisch zumutbar, wie der Bundesfinanzhof (BFH) in München in einem am Mittwoch, 19. April 2017, veröffentlichten Urteil zugunsten eines Logopäden entschied (Az.: III R 9/16).
Üblich können Arbeitnehmer ein häusliches Arbeitszimmer steuermindernd geltend machen, wenn in ihrem Betrieb für bestimmte Tätigkeiten kein Raum zur Verfügung steht – etwa für Unterrichtsvorbereitung und Korrekturen bei Lehrern. Die abzugsfähigen Ausgaben sind auf 1.250 Euro pro Jahr begrenzt.

Im Streitfall geht es um einen Logopäden in Sachsen-Anhalt, der in angemieteten Räumen zwei Praxen mit zusammen vier Angestellten betreibt. Für allgemeine Verwaltungstätigkeiten nutzte er ein Zimmer seiner Wohnung, das er steuerlich als „häusliches Arbeitszimmer“ geltend machte.

Das Finanzamt wollte dies nicht anerkennen. Laut Gesetz scheide die Berücksichtigung eines häuslichen Arbeitszimmers aus, wenn im Betrieb ein „anderer Arbeitsplatz“ zur Verfügung steht. Hier könne der Logopäde seine Verwaltungstätigkeiten auch in den Behandlungsräumen erledigen, die mit Tischen, Computern und teils auch mit Aktenschränken ausgestattet seien.

Nutzung des Arbeitsplatzes


Doch nicht jeder verfügbare Schreibtisch ist als „anderer Arbeitsplatz“ zumutbar, betonte nun der BFH. „Soweit die Nutzung des Arbeitsplatzes in einer Weise eingeschränkt ist, dass der Steuerpflichtige in seinem häuslichen Arbeitszimmer einen nicht unerheblichen Teil seiner beruflichen oder betrieblichen Tätigkeit verrichten muss, kommt das Abzugsverbot nicht zum Tragen.“ Vielmehr müsse „der andere Arbeitsplatz so beschaffen sein, dass der Steuerpflichtige auf das häusliche Arbeitszimmer nicht angewiesen ist“, betonten die obersten Finanzrichter unter Hinweis auf ein Urteil aus 2014 zu einem sogenannten Pool-Arbeitsplatz (Urteil vom 26. Februar 2014, Az.: VI R 37/13; JurAgentur-Meldung vom 4. Juni 2014).

Im Gegensatz zu Arbeitnehmern könnten allerdings Selbstständige ihre Betriebsräume selbst gestalten. Daher müssten sie auch einen Büroarbeitsplatz im Betrieb einrichten, wenn dies nach den räumlichen Gegebenheiten möglich ist.

Notwendigkeit eines häuslichen Arbeitszimmers

Insgesamt ist nach dem Münchener Urteil die Notwendigkeit eines häuslichen Arbeitszimmers jeweils im Einzelfall zu prüfen.

Hier würden die Behandlungsräume durchgehend von den Angestellten genutzt. Erst abends oder an den Wochenenden würden sie für den Praxischef frei. Bei zwei Praxen mit vier Angestellten falle aber ein erheblicher Verwaltungsaufwand an. Behandlungen und Einnahmen müssten zudem teils am selben Tag verbucht werden. Hierfür ein getrenntes Arbeitszimmer einzurichten, sei in den betrieblichen Räumen nicht möglich.

Da der Logopäde auf das häusliche Arbeitszimmer angewiesen sei, könne er es auch steuerlich geltend machen, entschied dar BFH in seinem jetzt schriftlich veröffentlichten Urteil vom 22. Februar 2017.


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