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Ärzte haften nicht für mangelhafte PIP-Brustimplantate

10.06.2013, 16:46 | Recht & Gesetz | Autor: |1 Kommentar


Ärzte haften nicht für mangelhafte PIP-Brustimplantate
Karlsruhe (jur). Frauen, die sich Brustimplantate des französischen Herstellers Poly Implant Prothèse (PIP) haben einsetzen lassen, können dafür nun nicht die Ärzte und Kliniken haftbar machen. Für diese gab es zumindest 2007 noch keine Anhaltspunkte auf eine unzureichende Qualität und betrügerisches Verhalten des Herstellers, wie das Landgericht Karlsruhe in zwei am Freitag, 7. Juni 2013, bekanntgegebenen Urteilen vom 29. Mai 2013 (Az.: 8 O 260/12) und vom 8. Februar 2013 (Az.: 7 O 94/12) entschied.

Es wies damit zwei Frauen ab, die sich 2007 die Implantate in einer Klinik in Karlsruhe hatten einsetzen lassen. PIP hatte für seine Produkte deutlich billigeres Silikon verwendet als andere Hersteller. Nachdem sich Berichte über geplatzte und undichte Silikonkissen häuften, stoppten die französischen Behörden im April 2010 den Vertrieb der PIP-Implantate. Erst im Folgemonat zog der TÜV Rheinland seine Zertifizierung für die Implantate zurück.

Da sich nicht vorhersagen lässt, ob und wann es Probleme mit den Implantaten gibt, hatte das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) am 6. Januar 2012 betroffenen Frauen empfohlen, PIP- Implantate wieder entfernen zu lassen. Die in Karlsruhe klagenden Frauen fordern nun Schadenersatz und ein Schmerzensgeld von 30.000 Euro von dem behandelnden Arzt.

Unabhängig voneinander wiesen nun zwei Kammern des Landgerichts Karlsruhe die Klagen ab. Danach mussten die Ärzte die Qualität der Implantate nicht selbst überprüfen sondern durften zumindest 2007 noch auf die Zertifizierung vertrauen. Es habe damals noch keine Anhaltspunkte gegeben, um die Qualität der PIP-Implantate in Frage zu stellen, so das Landgericht zur Begründung.

Nach einer BfArM-Schätzung vom April 2012 haben sich in Deutschland rund 6.000 Frauen PIP-Implantate einsetzen lassen.

Quelle: © www.juragentur.de - Rechtsnews für Ihre Anwaltshomepage
Foto: © picsfive - Fotolia.com


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Bisherige Kommentare zur Nachricht (1)

michael7167  (12.06.2013 12:16 Uhr):
Es ist vor allem ein Unding, was die Presse für eine Hetzjagd auf Ärzte veranstaltet hat - aus purer Sensationslust. Hier ist insbesondere die BILD München zu nennen, die mich öffentlich diffamierte, als ob ich der einzige Arzt in ganz Deutschland gewesen wäre, der noch dazu absichtlich Frauen mit angeblich "billigen" Implantaten (waren normal teuer) hätte schädigen wollen. Zum Glück hatten die meisten mit PIP behandelten und auch neue Patientinnen mit Wunsch nach Brustvergößerung Vertrauen in meine Fähigkeiten als guter und seriöser Plastischer Chirurg. Es wäre wirklich ein Unding gewesen, wenn ein Arzt verurteilt worden wäre, als ob man ein TÜV geprüftes und als Hochqualitätsimplantat bezeichnetes Implantat dann nach dem Öffnen der Packung im OP durch Riechen, Tasten und Schauen als minderwertig erkennen hätte können? Geht's noch??? Die Presse, allen voran die BILD, hat viele Patientinnen in große Angst getrieben ohne echte Fakten zu haben. In England war man besonnen und es riet das Gesundheitsministerium (NHS) nach genauer Prüfung tausender Fälle dazu erst einmal abzuwarten und nur bei nachweislichem Platzen eines Implantats (Ultraschall, MRI) einen ja wiederum mit neuen Risiken behafteten operativen Eingriff vornehmen zu lassen. Wir hatten auf diese Untersuchungen bereits frühzeitig im Sommer 2012 hingewiesen Mein teilweise etwas erschüttertes Vertrauen in den Rechtsstaat ist wieder etwas gebessert, wenn es aber natürlich auch nur ein Urteil ist, das dem gesunden Menschenverstand entspricht. Aber das ist ja nicht unbedingt bei jedem Urteil so...



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