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15.000,- € Schmerzensgeld wegen Entfernung beider Eierstöcke ohne Zustimmung der Patientin?

18.07.2012, 11:43 | Recht & Gesetz | Autor: | Jetzt kommentieren


15.000,- € Schmerzensgeld wegen Entfernung beider Eierstöcke ohne Zustimmung der Patientin?
OSNABRÜCK. Die Arzthaftungskammer des Landgerichts Osnabrück hat am Mittwoch, den 18.07.2012, um 10:30 Uhr im Saal 87 die Frage zu entscheiden, ob der aus dem Südkreis stammenden Klägerin ein Anspruch auf Schmerzensgeld wegen der Entfernung ihrer beiden Eierstöcke zusteht, Aktenzeichen 2 O 1417/11. Sie hat ein Krankenhaus aus dem Landkreis Osnabrück und den Chefarzt der gynäkologischen Abteilung auf Zahlung von 15.000,- € verklagt.

Die von der Kanzlei Dr. Kahlert aus Hamm vertretene Klägerin befand sich im März 2011 in stationärer Behandlung, weil sich an ihren Eierstöcken Tumore befanden. Vor der Operation stand nicht fest, ob die Tumore gut- oder bösartig waren. Einen Tag vor der Operation erfolgte ein Aufklärungsgespräch, dessen genauer Inhalt zwischen den Parteien umstritten ist. In dem Aufklärungsbogen wurde notiert, dass im Falle eines Borderlinetumors nur der Tumor und bei Bösartigkeit des Tumors auch der betroffene Eierstock entfernt werden sollte. Ein Borderlinetumor liegt an der Grenze zwischen Gut- und Bösartigkeit, zeigt aber meistens keinen bösartigen Verlauf.

Bei der Operation wurden beide Eierstöcke entfernt. Der rechte Eierstock war vollständig von einem Borderlinetumor befallen. Der gerichtlich bestellte Sachverständige Prof. Dr. Lindner hat die Entfernung des rechten Eierstocks als medizinisch notwendig und alternativlos angesehen, weil der Tumor nur gemeinsam mit dem rechten Eierstock habe entfernt werden können. Der Chefarzt hat - trotz Kinderwunsches der Patientin - auch den linken Eierstock nebst Tumor entfernt. Er hat hierzu im Operationsbericht ausgeführt, dass es nicht sinnvoll erscheine, diesen Tumor vom Eierstock zu entfernen. Eine Entfernung im Gesunden sei kaum möglich und eine Schwangerschaft sei eher unwahrscheinlich. Nach der Operation wurde festgestellt, dass auch der Tumor am linken Eierstock lediglich ein Boderlinetumor war. Die linke Eierstockentfernung hat der Sachverständige aus rein medizinischer Sicht ebenfalls nicht beanstandet, weil die Therapie von Borderline-Tumoren grundsätzlich durch der Entfernung des Eierstocks erfolge.

Die Parteien streiten nun darüber, ob die klägerische Einwilligung in die Operation auch die Entfernung eines Eierstocks im Falle eines Borderline-Tumors umfasst hat. Die 35-Jährige behauptet, dass sich ihre Einwilligung nur darauf erstreckt habe, dass lediglich im Falle einer Bösartigkeit des Tumors eine Radikalentfernung erfolgen sollte. Im Falle eines Boderlinetumors sollte nur dieser entfernt werden, damit die Möglichkeit, Kinder zu bekommen, weiterhin bestehen bleiben würde.

Die von der Meppener Kanzlei Hamacher vertretenen Beklagten behaupten hingegen, dass die Klägerin der Entfernung beider Eierstöcke zugestimmt habe. Sie habe jedwedes Risiko in Bezug auf eine lebensgefährliche Krebserkrankung bestmöglich minimieren wollen. Die Erhaltung der Möglichkeit, ein weiteres Kind bekommen zu können, sei dem untergeordnet worden. Selbst bei Belassen des linken Eierstocks sei eine Schwangerschaft der Klägerin unmöglich gewesen.

Der Vorsitzende der mit insgesamt drei Berufsrichtern besetzten Arzthaftungskammer wird in dem öffentlichen Termin die Sach- und Rechtslage sowie die Möglichkeiten einer gütlichen Einigung erörtern. Außerdem werden der klägerische Ehemann und der Arzt, der das Aufklärungsgespräch geführt hat, als Zeugen zu den Einzelheiten des Aufklärungsgesprächs vernommen werden. Mit einem Urteil ist in dem Termin noch nicht zu rechnen.

Quelle: Landgericht Osnabrück
Foto: © mario beauregard - Fotolia.com


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