Vertragslaufzeit im Fitnessstudio – wie lange maximal?

Autor: , verfasst am 06.02.2015, 07:35| 3 Kommentare

Fitnessstudios erfreuen sich stärkerer Beliebtheit als jemals zuvor. Ein Vertragsabschluss in einem solchen stellt in der Regel eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten dar: die Betreiber des Fitnesscenters verdienen ihren Lebensunterhalt, die Sportbegeisterten wiederum tun etwas für ihre Gesundheit, ihre Fitness und ihr allgemeines körperliches Wohlbefinden. Dennoch kommt es immer wieder zu Streitigkeiten zwischen den Parteien bezüglich der Vertragslaufzeit im Fitnessstudio: wie lange darf diese maximal vereinbart werden?

Fitnessstudio  (© Kzenon-Fotolia.com)
Fitnessstudio
(© Kzenon-Fotolia.com)

Vorab gesagt: eine konkrete gesetzliche Regelung für Verträge für die Benutzung von Fitnessstudios existiert nicht. Es ist allerdings unumstritten, dass die Unterzeichnung eines derartigen Vertrages bindend ist, und dass kein Widerrufs- beziehungsweise Rücktrittsrecht für den Kunden besteht. Einmal unterzeichnet, ist er also für die Länge der vereinbarten Laufzeit an diesen Vertrag gebunden.

Die meisten Verträge für Fitnessstudios sind dahingehend ausgerichtet, dass zunächst eine Vertragslaufzeit von 24 Monaten vereinbart wird; gelegentlich auch nur für 12 Monate. Vielen Sportbegeisterten kommen derartige Erstlaufzeiten zu lang vor, doch per Gesetz sind sie nicht verboten [BGH, 08.02.2012, XII ZR 42/19]. In Verträgen für Fitnessstudios hält nach Meinung des BGH eine „vorformulierte Vertragsbestimmung, die eine Erstlaufzeit des Vertrages von 24 Monaten vorsieht, grundsätzlich der Inhaltskontrolle nach § 307 Abs. 1 BGB stand“. Erst, wenn beim Abschluss des Vertrages eine Laufzeit von mehr als 24 Monaten vereinbart wird, so gilt diese als unzulässig, da sie als eine unangemessene Benachteiligung des Nutzers angesehen wird [LG Aachen, 20.12.2007, 6 S 199/07].

Des Weiteren wird häufig eine stillschweigende Verlängerung der Erstlaufzeit für einen bestimmten Zeitraum vereinbart. Auch derartige Vereinbarungen sind gestattet, solange die Verlängerung nicht länger als die Erstlaufzeit sein darf.

Zu beachten ist, dass ein Vertrag nicht alleine dadurch nichtig wird, dass unzulässige Laufzeiten vereinbart worden sind. Vielmehr wird er den maximal zulässigen Vertragslaufzeiten angepasst.

Unterzeichnet ein Fitnessstudionutzer einen Vertrag, so ist er für die vereinbarte Dauer an diesen gebunden und kann ihn nicht kündigen, wann es ihm einfällt. Die Möglichkeit einer außerordentlichen Kündigung besteht nur dann, wenn auch wirklich ein wichtiger Kündigungsgrund vorliegt. Alleine die Tatsache, dass jemand keine Lust mehr darauf hat, sich sportlich zu betätigen, wird nicht als ein solcher angesehen. Als wichtige Kündigungsgründe können jedoch anerkannt werden:

  • Schwangerschaft
  • Umzug
  • Krankkeit

Wird eine Nutzerin eines Fitnessstudios schwanger, so kann sie diese Tatsache als außerordentlichen Kündigungsgrund verwenden [AG München, 09.06.2014, 251 C 26718/09]. Eine ärztliche Bestätigung der Schwangerschaft sollte sie allerdings dem Studiobetreiber vorlegen. Dennoch ist er nicht verpflichtet, die Kündigung anzunehmen. Vielmehr kann er die beitragsfreie Aussetzung des Vertrages für die Dauer der Schwangerschaft verlangen – oder sogar eine Erfüllung des Vertrages. Dies ist in jenen Fällen möglich, in denen bei Vertragsschluss die Möglichkeit bestanden hat, eine kürzere Laufzeit oder eine Aussetzung zu vereinbaren. Machte die Nutzerin von diesen Optionen keinen Gebrauch, so kann sie ihre Schwangerschaft nicht als einen wichtigen Kündigungsgrund angeben [AG Hannover, 28.05.2009, 568 C 15608/08]; [AG Tettnang, 06.06.1986, 3 C 393/86]. Zu beachten ist, dass ein Aussetzen des Vertrages für die Dauer der Schwangerschaft nicht zu einer Verlängerung der Laufzeit führt [AG Itzehoe, 26.11.1999, 56 C 1402/99].

Zieht ein Mitglied eines Fitnessstudios um und ist dies mit einem Wohnortwechsel verbunden, so wird dies für gewöhnlich als ein außerordentlicher Kündigungsgrund angesehen [AG München, 17.12.2008, 212 C 15699/08]. In der Regel gilt dies für Entfernungen ab 20 km. Klauseln in Verträgen, gemäß derer eine Kündigung nur möglich ist, wenn der neue Wohnort mehr als 50 km vom Fitnessstudio entfernt sind, sind hingegen unwirksam [LG Düsseldorf, 07.11.1990, 12 O 190/90].

Auch Krankheiten können ein Grund für eine außerordentliche Kündigung sein. Allerdings ist es nicht so, dass jede Krankheit automatisch als ein solcher angesehen wird. Die gesundheitlichen Einschränkungen – egal ob physischer oder psychischer Art – müssen begründet und per Attest belegt werden [SG Hamburg, 05.07.1990, 13b C 96/90]; [BGH, 08.02.2012, XII ZR 42/10]. Ist die Erkrankung dem Sportbegeisterten jedoch bereits bei Vertragsabschluss bekannt und/oder ist sie nicht so gravierend, dass sie sportliche Betätigungen komplett unmöglich macht, so wird sie nicht als ein Kündigungsgrund angesehen [AG Hamburg, 20.11.1998, 4 C 411/97].

Um Streitigkeiten bezüglich ihrer Vertragslaufzeit zu umgehen, bieten immer mehr Fitnessstudios eine Alternative an: Sammelkarten, ähnlich wie man sie von Schwimmbädern her kennt. Der Fitnessbegeisterte kauft eine Einheit, die aus 5 bis 10 Einzeltickets besteht. Immer, wenn ihm nach sportlicher Betätigung zumute ist, verwendet er eines dieser Tickets für einen einmaligen Besuch im Fitnessstudio. Da derartige Sammelkarten nicht gerade kostengünstig sind, ist ihr Erwerb allerdings nur für jene Menschen empfehlenswert, die sehr, sehr selten einen Fitnesstag planen.

Schlagwörter: Fitnessstudio Vertragslaufzeit, Kündigung Fitnessstudio


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Bisherige Kommentare zum Ratgeber (3)

13  (06.02.2015 09:57 Uhr):
Als Hinweis: Im 3. Absatz ist das BGH-Az. unrichtig Tippfehler): Es muss richtig heißen ..../10 (nicht: 19).
13  (06.02.2015 09:54 Uhr):
Wie schon einmal mitgeteilt: Nach der aktuellen Rechtsprechung ist ein Ortswechsel/Umzug des Kunden während der Vertragslaufzeit kein Grund (mehr) für eine fristlose Kündigung des Vertrags. Bei Schwangerschaften ist die Rechtsprechung uneinheitlich. Es ist ein Trend dahingehend zu erkennen, dass die schwangere beweisen muss, dass sie zur Vertragsfortsetzung nicht mehr in der Lage ist. Auch für die Zeit nach der Geburt gibt es unterschiedliche Entscheidungen. Als Beispiel sei erwähnt: AG München, Urt. v. 09.06.2010 – 251 C 26718/09 = NJW-RR 2011, 67 = juris (KORE 507832010)
13  (06.02.2015 09:54 Uhr):
Wie schon einmal mitgeteilt: Nach der aktuellen Rechtsprechung ist ein Ortswechsel/Umzug des Kunden während der Vertragslaufzeit kein Grund (mehr) für eine fristlose Kündigung des Vertrags. Bei Schwangerschaften ist die Rechtsprechung uneinheitlich. Es ist ein Trend dahingehend zu erkennen, dass die schwangere beweisen muss, dass sie zur Vertragsfortsetzung nicht mehr in der Lage ist. Auch für die Zeit nach der Geburt gibt es unterschiedliche Entscheidungen. Als Beispiel sei erwähnt: AG München, Urt. v. 09.06.2010 – 251 C 26718/09 = NJW-RR 2011, 67 = juris (KORE 507832010)





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