Ist Ghostwriting als Plagiat anzusehen?

Autor: , verfasst am 13.05.2014, 10:56| 3 Kommentare

Die letzten Jahre sind etliche Dissertationen als Plagiat entlarvt worden. In diesem Atemzug wird unverständlicherweise auch direkt das Wort „Ghostwriting“ in den Mund genommen, was wenig mit dem Vorliegen oder Nichtvorliegen eines Plagiats zu tun hat. Dennoch ist auch das Ghostwriting teilweise als Grauzone zu betrachten.

Ghostwriter (© Gold36 - Fotolia.com)
Ghostwriter
(© Gold36 - Fotolia.com)

Was ist Ghostwriting eigentlich?

Ghostwriting ist das Schreiben eines Werkes, wissenschaftlich oder nicht, im Auftrag einer anderen Person, die selbst nicht die Zeit oder das Know-how für das Verfassen eines solchen Textes hat. Schon anhand der Definition ist der Unterschied zum Plagiat deutlich erkennbar:

Ein Plagiat ist das Abschreiben oder unerlaubte Nutzen eines bereits anderswo verwendeten oder veröffentlichten Textes oder zumindest Teilen davon. Beim Ghostwriter erfüllt der Auftragnehmer den Auftrag des Auftraggebers, was dem Verfassen eines neuen Texten theoretisch gleichgestellt sein sollte.

Rechtliche Lage des Ghostwriting

Das Verfassen von Texten, welche dann in Büchern mit Namen von Prominenten, Politikern oder anderen Persönlichkeiten veröffentlicht werden, stellt prinzipiell kein rechtliches Problem dar. So sollte auch das Ghostwriting wissenschaftlicher Texte verstanden werden, die Professoren in ihrem Namen veröffentlichen, aber von ihren Mitarbeitern haben schreiben lassen.

Ghostwriting bei Prüfungsleistung – strafbar?

Problematisch ist das Verfassen von Prüfungsleistungen. Bekanntes Beispiel sind die Dissertationen zur Verleihung des akademischen Doktorgrades: Gesetzlich verboten ist das Verfassen einer Dissertation zumindest nicht. Es ist gewissermaßen eine Grauzone, in der eine klare Strafbarkeit für Ghostwriter oder Inanspruchnahme von Ghostwritern nicht gegeben ist.

Kein Freifahrtschein – Abgabe einer eidesstattlichen Versicherung

Bei der Abgabe der Dissertationsarbeit ist dennoch eine gewisse Strafbarkeit gegeben: Ist eine eidesstattliche Erklärung darüber abzugeben, dass die Arbeit eigenständig und ohne fremde Hilfe verfasst wurde, liegt bei Abgabe eine Strafbarkeit nach § 156 StGB vor. Dazu kann auch strafrechtlich Beihilfe geleistet werden. In der Praxis dürfte eine Nachweisbarkeit zwar schwierig sein, dennoch ist in diesen Fällen eine Strafbarkeit gegeben.

Schlagwörter: Ghostwriting, Ghostwriter, Plagiat,


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Bisherige Kommentare zum Ratgeber (3)

Peter  (12.10.2016 12:06 Uhr):
Plagiat heißt abschreiben, Ghostwriting heißt schreiben lassen. Anders verhält es sich mit dem Plagiator. Das kann nämlich auch jemand sein, der das Werk eines anderen als sein eigenes ausgibt.
Bachelor  (19.01.2016 01:14 Uhr):
Danke für die Klarstellung, dass es zwischen Plagiaten und Ghostwriting einen Unterschied gibt. Die beiden Begriffe werden leider immer wieder miteinander vermischt. Was das Ghostwriting betrifft: Soweit mir bekannt ist, gibt es auf dem deutschsprachigen Markt derzeit keine Ghostwriting Agentur, die nicht an irgend einer Stelle deutlich macht, dass es sich um Mustervorlagen und nicht um Texte handelt, die für die Abgabe an einer Hochschule unter eigenem Namen gedacht sind.
BAS  (02.07.2015 06:34 Uhr):
Ghostwriter und Plagiat werden deshalb so oft miteinander verbunden, da in der Branche sehr viele schwarze Schafe nicht wissenschaftlich arbeiten. Bei Agenturen arbeiten keine pseudowissenschaftlichen Ghostwriter, da die Agenturen nicht ihren guten Ruf riskieren dürfen (daher Vorsicht vor individual arbeitenden Ghostwriter).





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