Fernbus: Hat man Entschädigungsanspruch bei Verspätung oder Ausfall?

Autor: , verfasst am 25.01.2017, 11:01| Jetzt kommentieren

Eine Fahrt mit dem Fernbus ist bei Fahrgästen beliebt, die preisgünstiger als bei der Deutschen Bahn fahren möchten. Doch wie sieht es aus, wenn der Fernbus später ankommt oder sogar ausgefallen ist? Hier können Sie ggfs. einen Anspruch auf Entschädigung haben. Dies ergibt sich aus der VERORDNUNG (EU) Nr. 181/2011 DES EUROPÄISCHEN PARLAMENTS UND DES RATES vom 16. Februar 2011 über die Fahrgastrechte im Kraftomnibusverkehr und zur Änderung der Verordnung (EG) Nr. 2006/2004.

 (© Yuri Bizgaimer - Fotolia.com)

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Eine Entschädigung setzt zunächst einmal voraus, dass die vorgesehene Fahrstrecke wenigstens 250 km beträgt. Darüber hinaus muss der Fernbus wenigstens 120 Minuten zu spät abgefahren ist. Das Gleiche gilt, wenn er ausfällt oder Sie nicht mitfahren konnten, weil beim Fernbus eine Überbelegung vorlag.

In dieser Situation haben Sie zunächst einen Anspruch darauf, dass das Busunternehmen die Erstattung des Fahrpreises oder die Weiterreise auf anderem Wege zu vergleichbaren Bedingungen anbietet. Hierfür darf der Anbieter keinen Aufpreis verlangen. Als Fahrgast dürfen Sie dann auswählen, ob Sie eine Erstattung oder das Fortsetzen der Fahrt präferieren.

Höhe des Entschädigungsanspruches bei Fernbus

Sofern das Busunternehmen dies unterlässt, steht Ihnen normalerweise, außer der Erstattung des Fahrpreises, eine Entschädigung zu. Die Höhe dieser Entschädigung liegt in Höhe von 50% des Fahrpreises.

Fahrgäste können Anspruch auf weitergehende Hilfeleistungen haben

Bei einer verspäteten Abfahrt des Fernbusses von mehr als 90 Minuten und einer geplanten Reisedauer von wenigstens 3 Stunden hat der Fahrgast auch Anspruch auf einen Imbiss, Erfrischungen und andere Hilfeleistungen. Dies gilt jedenfalls soweit diese zur Verfügung stehen oder der Beförderer sie auf zumutbare Weise beschaffen kann. Unter Umständen muss das Busunternehmen eine Unterbringung zur Verfügung stellen.

Verspätung am Zielort ist irrelevant

Pech haben Sie jedoch, wenn der Fernbus lediglich etwa aufgrund eines Staus später am Zielort ankommt. Hier steht Ihnen kein Anspruch auf eine Entschädigung zu. Denn es kommt anders als bei Zugverspätungen lediglich auf den Zeitpunkt der Abfahrt und nicht auf die Ankunft des Fernbusses an.

Entschädigung bei höhere Gewalt?

Darüber hinaus ist unklar, ob sich das Busunternehmen hinsichtlich einer Verspätung oder Annullierung bei der Abfahrt auf höhere Gewalt berufen kann, wenn es in seinen Beförderungsbedingungen einen Ausschluss der Fahrpreisentschädigung bei höherer Gewalt vorsieht. Aus dem Wortlaut der VERORDNUNG (EU) Nr. 181/2011ergibt sich lediglich, dass das Busunternehmen bei der Notwendigkeit einer Übernachtung keine Übernachtungsmöglichkeit zur Verfügung stellen muss, wenn die Verspätung oder Annullierung der Busreise auf durch widrige Wetterbedingungen oder schwere Naturkatastrophen verursacht worden ist. Fahrgäste eines Fernbusses können sich hier - anders als bei Zugverspätungen - nicht einfach auf die Entscheidung des europäischen Gerichtshofes (EuGH) vom 26.09.2013 Az. C-509/11 berufen. Dies ergibt sich aus dem Wortlaut des Urteils wonach die Entscheidung sich lediglich auf den Eisenbahnverkehr bezieht.

Wo müssen Entschädigungsansprüche geltend gemacht werden?

Ansprüche auf Entschädigung sind normalerweise beim Busunternehmen als Beförderer geltend zu machen. Dieser muss die Erstattung innerhalb eines Monats bezahlen, nachdem er den Antrag erhalten hat. Bei Problemen im Zusammenhang mit der Beförderung im Fernbus können Sie sich an die Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr (SÖP) sowie an die Nahverkehr Schlichtungsstelle Niedersachsen und Bremen e.V. (SNUB) wenden. Darüber hinaus können Sie sich auch beim Eisenbahn-Bundesamt (EBA) beschweren. Das Beschwerdeformular finden Sie hier.

Fazit:

Fahrgäste eines Fernbusses sind daher bei erheblichen Verspätungen oder Ausfällen nicht rechtlos. Allerdings sind sie gegenüber Bahnreisenden häufig schlechter gestellt. Dies ergibt sich bereits daraus, dass es bei Zugfahrten nach der VERORDNUNG (EU) Nr. 181/2011 auf den Zeitpunkt der Ankunft am Zielbahnhof ankommt. Darüber hinaus kommt Entschädigungsleistungen bereits bei einer Verspätung von wenigstens einer Stunde in Betracht. Am besten sehen Sie aber auch in den Beförderungsbedingungen des jeweiligen Busunternehmens nach. Denn hieraus können sich ebenfalls Entschädigungsansprüche ergeben, die der Gesetzgeber nicht vorschreibt.

 

Autor: (Harald Büring)


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