Ab welchem Alter dürfen Jugendliche Zigaretten kaufen oder rauchen?

Autor: , verfasst am 14.01.2015, 07:56| 5 Kommentare

Der Trend, dass Jugendliche rauchen, geht immer mehr zurück: heute greift Statistiken zu Folge nur noch die Hälfte der unter Achtzehnjährigen zur Zigarette, die dies noch vor 10 Jahren getan hatten. Doch trotz der rückläufigen Zahlen sind es immer noch viele Jugendliche, die mit dem Rauchen anfangen. Dabei taucht immer wieder die Frage auf: ab welchem Alter dürfen Jugendliche Zigaretten kaufen oder rauchen?

Zigaretten  (© walter luger - Fotolia)
Zigaretten
(© walter luger - Fotolia)

Diesbezügliche Antworten sind im Jugendschutzgesetz zu finden. Gemäß § 10 Abs. 1 JuSchG ist es seit dem 01.09.2007 Jugendlichen unter 18 Jahren weder gestattet, Zigaretten zu kaufen, noch diese in der Öffentlichkeit zu rauchen. Dabei ist es unerheblich, ob das Rauchen regelmäßig oder nur ab und zu geschieht. Zuvor lag die diesbezügliche Altersgrenze bei 16 Jahren.

Das Jugendschutzgesetz definiert klar ein generelles Abgabeverbot von Tabakwaren an Jugendliche. Verstößt ein Verkäufer gegen dieses, so muss er mit Bußgeldern rechnen, denn gemäß § 28 Abs. 1 S. 12 und 13 „handelt ordnungswidrig, wer als Veranstalter oder Gewerbetreibender fahrlässig oder vorsätzlich Tabakwaren abgibt oder einem Jugendlichen das Rauchen in der Öffentlichkeit gestattet oder Tabakwaren an einem Automaten anbietet“. Wiederholt sich der Verstoß nachweislich, kann dem Gewerbetreibenden seine Konzession entzogen werden [VG Gießen, 29.04.2013, 8 L 326/13.GI].

Den Jugendlichen selbst droht hingegen keine Strafe, wenn sie beim Kaufen von Tabakwaren oder Rauchen in der Öffentlichkeit erwischt werden – dies ist nicht verboten.

Auch an Zigarettenautomaten besteht das Abgabeverbot für Tabakwaren für Jugendliche. Die gesetzliche Grundlage hierfür ist in § 10 Abs. 2 JuSchG zu finden: „In der Öffentlichkeit dürfen Tabakwaren nicht in Automaten angeboten werden. Dies gilt nicht, wenn ein Automat

  1. an einem Kindern und Jugendlichen unzugänglichen Ort aufgestellt ist oder

  2. durch technische Vorrichtungen oder durch ständige Aufsicht sichergestellt ist, dass Kinder und Jugendliche Tabakwaren nicht entnehmen können.“

Ein Gewerbetreibender hat also nicht nur darauf zu achten, dass Jugendliche an seinem vorhandenen Automaten keine Zigaretten kaufen können: auch hat er bereits bei der Wahl des Standorts die Bestimmungen des Jugendschutzgesetzes zu erfüllen.

Während es früher möglich war, durch Einwurf einiger Münzen die gewünschten Zigaretten zu erhalten, ist dies seit dem 01.01.2009 technisch nicht mehr umzusetzen: bis zu diesem Zeitpunkt mussten alle Zigarettenautomaten dahingehend umgerüstet werden, dass nur noch volljährige Personen an Tabakwaren gelangen können. Dies geschieht mithilfe einer ec-Karte beziehungsweise eines EU-Führerscheins, welche eine auf ihrem Chip Altersangabe enthalten. Nur, wenn bestätigt wird, dass die betreffende Person tatsächlich das 18. Lebensjahr vollendet hat, gibt der Automat die Zigaretten aus.

Auch die Zigarettenautomaten, die sich in gastronomischen Einrichtungen befinden, können nur mithilfe einer derartigen Karte bedient werden. Da es in der Praxis häufig der Fall ist, dass Gäste beim Ausgehen weder einen Führerschein noch eine ec-Karte mit sich herumtragen, wurde die Servicekarte „ZIGGI“ entwickelt. Diese ermöglicht es, Zigaretten am Automaten zu kaufen. Das gastronomische Servicepersonal hält sie unter Verschluss und gibt sie bei Bedarf an die Gäste heraus. Auch hierbei ist zu beachten, dass der Jugendschutz und somit die Altersbeschränkung beim Zigarettenkaufen eingehalten werden muss: Servicekräfte, die die ZIGGI an Jugendliche herausgeben, machen sich strafbar. In Fällen, in denen sie sich unsicher bezüglich des Alters sind, sind sie zwingend verpflichtet, die Jugendlichen nach ihrem Ausweis zu fragen.

Anders hingegen ist die Situation in der häuslichen Umgebung: die gesetzlichen Regelungen des Jugendschutzgesetzes finden dort keine Anwendung. Wenn Jugendliche also im Besitz von Zigaretten sind, so können sie diese ungeniert in den eigenen vier Wänden rauchen. Auch ihre Eltern haben keinerlei Repressalien zu befürchten: obwohl das Jugendschutzgesetz einige Vorschriften enthält, gemäß derer Eltern dazu angehalten werden, ihren Nachwuchs so lange wie möglich von Zigaretten und ähnlichen Suchtmitteln fernzuhalten, werden keinerlei Bußgelder gegen sie verhängt, wenn sie diesen Anweisungen keine Folge leisten. Dass Eltern sich in der moralischen Verpflichtung sehen sollten, ihren Kindern das Rauchen zu verbieten und dies gegebenenfalls mit einem generellen Rauchverbot im Hause zu untermauern, ist ein anderes Kapitel…

Schlagwörter: Jugendliche Zigaretten, Jugendliche Rauchen, Jugendschutzgesetz, Abgabeverbot


Nachrichten zum Thema
  • BildE-Zigaretten sind keine Medizin (18.09.2013, 11:30)
    Münster (jur). E-Zigaretten sind kein zulassungspflichtiges Arzneimittel. Sie weisen keine therapeutische Eignung oder therapeutische Zwecke auf, urteilte am Dienstag, 17. September 2013, das Oberverwaltungsgericht (OVG) Nordrhein-Westfalen in...
  • BildElektrische Zigaretten - ein unkontrollierter Versuch am Verbraucher (14.05.2013, 13:10)
    Elektrische Zigaretten erzeugen – anders als herkömmliche Zigaretten – nicht tausende giftiger und krebserzeugender Substanzen, dennoch sind sie nicht harmlos. Sie enthalten als Hauptbestandteil eine atemwegsreizende Substanz, in der Regel...
  • BildE-Zigaretten sind nicht zulassungspflichtig (26.04.2012, 09:32)
    Münster (jur). Die neuartigen „E-Zigaretten“ sind kein zulassungspflichtiges Medizinprodukt. Deshalb darf das nordrhein-westfälische Gesundheitsministerium auch keine entsprechenden Warnungen herausgeben, wie am Montag, 23. April 2012, das...
  • BildE-Zigaretten sind keine zulassungspflichtigen Arzneimittel (05.04.2012, 09:17)
    Köln (jur). Die umstrittenen E-Zigaretten sind nach Einschätzung des Verwaltungsgerichts Köln keine zulassungspflichtigen Arzneimittel. Das gelte auch, wenn sie eine Flüssigkeit mit Nikotin enthalten, heißt es in einem am Dienstag, 3. April 2012,...
  • BildWarnung vor E-Zigaretten erlaubt (18.01.2012, 10:14)
    Düsseldorf (jur). Das Gesundheitsministerium in Nordrhein-Westfalen darf weiter vor den neuen sogenannten E-Zigaretten warnen. Das Ministerium sei generell befugt, „öffentlichkeitswirksame Informationen“ zu Arzneimitteln und Medizinprodukten...
  • BildBesteuerung überlanger Zigaretten (30.07.2008, 16:30)
    Nach Auffassung des BFH ist für die Bestimmung des stückbezogenen Steueranteils einer überlangen Zigarette ausschließlich die Länge des jeweiligen Tabakstrangs maßgebend (BFH vom 20.6.2008, Az. VII B 251/07). Nach den Bestimmungen des...

Kommentar schreiben

82 - F;ü/nf =

Bisherige Kommentare zum Ratgeber (5)

Lechen  (03.07.2017 14:44 Uhr):
Meine Eltern sind Polizisten und sagen das man ab 16 rauchen darf es aber erst ab 18 kaufen darf. was stimmt nun?
P en 15  (23.11.2016 21:11 Uhr):
Langweilig
KING  (02.11.2016 20:09 Uhr):
Ich denke diese Annahme, dass die Anzahl der Raucher zurückgeht nicht stimmt! Ich bin in der Q1 und bei mir rauchen von 108 Schülern circa 45 Schüler!
Gushurst  (13.06.2016 18:11 Uhr):
Hallo, eine Frage: Nach §10, Jugendschutzgesetz, ist Kauf und Rauchen (Öffentlichkeit) von Tabakwaren untersagt. Andererseits steht in diesem Artikel geschrieben, das dies nicht verboten sei und Jugendliche nicht mit Strafe belegt werden, wenn sie erwischt werden, was in § 10 verboten ist. Was ist nun richtig? Darf man oder doch nicht?
nick123  (29.03.2016 07:39 Uhr):
das mit jungenricht rauchen geht zurück stimm nicht ich bin 15 und rauche selber und ich sehen 12 jähriger wie die zigarette in Hand halten jeder 3 Person rauchen vom jungenlich





Weitere Zivilrecht-Ratgeber


Anwalt für Zivilrecht

Weitere Orte finden Sie unter

JuraForum-Suche

Durchsuchen Sie hier JuraForum.de nach bestimmten Begriffen:

© 2003-2017 JuraForum.de — Alle Rechte vorbehalten. Keine Vervielfältigung, Verbreitung oder Nutzung für kommerzielle Zwecke.