Wann gilt eine Produktplatzierung als Schleichwerbung?

Autor: , verfasst am 14.04.2014, 08:48| Jetzt kommentieren

Der Verdacht von Schleichwerbung liegt schneller in der Luft als die Medien denken.

Schleichwerbung (© THesIMPLIFY - Fotolia.com)
Schleichwerbung
(© THesIMPLIFY - Fotolia.com)

Oft ist die Grenze zwischen wirklicher Schleichwerbung und einer zufälligen Produktplatzierung nicht klar erkennbar. Der Rundfunkstaatsvertrag hat so etwas wie eine Definition für Schleichwerbung formuliert: „...die Erwähnung oder Darstellung von Waren eines Herstellers oder eines Erbringers von Dienstleistungen in Programmen, wenn sie vom Veranstalter absichtliche zu Werbezwecken vorgesehen ist und mangels Kennzeichnung die Allgemeinheit hinsichtlich des eigentlichen Zwecks dieser Erwähnung oder Darstellung irreführen kann.“

Bei weiter Auslegung kann auch dieser Definition der Verdacht der Schleichwerbung eines Anbieters für Ghostwriting in Verbindung mit den deutschen Verfassern des Rundfunkstaatsvertrages nicht ganz von der Hand gewiesen werden.

Natürlich wird im Zweifel kein Veranstalter zugeben, dass es sich um eine absichtliche Produktplatzierung handelt, wenn dieser dafür Geld als Gegenleistung bekommen hat.

Rechtlich klar unzulässig

Schleichwerbung wird durch das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG), § 4 Nr. 3, untersagt. Jede Werbemaßnahme muss so beschaffen sein, dass ihr werbender Charakter vom Publikum erkannt werden kann.

Erlaubt sind gekennzeichnete Produktplatzierungen (§ 2 Abs. 2 Nr. 11 RStV) im fiktionalen Programm (TV-Serien, Fernsehfilme), Sportfilme und Sendungen der leichten Unterhaltung. Private Sender dürfen diese Platzierungen auch gegen Entgelt vornehmen. Nach dem Rundfunkstaatsvertrag gibt es allerdings ein striktes Verbot von Produktplatzierungen für Nachrichtensendungen, Kindersendungen, Ratgeber- und Verbrauchersendungen.

Anders sieht es natürlich für die öffentlichen Sender aus: Diese dürfen kein Entgelt für etwaige Platzierungen nehmen. Als Kennzeichnung von Sendungen mit Produktplatzierungen reicht ein Hinweis zu Beginn und zum Ende der Sendung bzw. der sie unterbrechenden Werbepausen. Die Produkte dürfen nicht als Werbung präsentiert werden.

Im Kino waren Produktplatzierungen schon immer erlaubt. Es steht dem Produzenten und dem Regisseur frei sich zu entscheiden mit wem zusammengearbeitet wird.

Wo besteht nun aber der Unterschied zwischen erlaubter Produktplatzierung und unzulässiger Schleichwerbung?

Folgt man den Definitionen und den erlaubten Tatbeständen des Rundfunkstaatsvertrages darf der redaktionelle Bereich der Medien nicht beeinflusst werden. Damit ist gemeint, dass etwaige Entscheidungen bei der Gestaltung des Programms, in welchem Produktplatzierungen zulässig sind, nicht durch Geld oder der Bereitstellung teurer Produkte der Redaktion nicht genommen werden dürfen. Die Redaktion muss es von sich aus und aus inhaltlichen Gründen für sinnvoll erachten ein spezielles Produkt zu platzieren.
In anderen Worten gibt es keine klare Trennlinie zwischen Schleichwerbung und Produktplatzierung, wenn den Privaten sogar gestattet ist dafür Geld entgegen zu nehmen.

Schlagwörter: Schleichwerbung, Werbung, unlauterer Wettbewerb, Wettbewerb,


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