Wasserschaden durch (geschmolzenen) Hagel – Hagelschaden?

Autor: , verfasst am 10.06.2014, 09:18| Jetzt kommentieren

Im Sommer ziehen immer wieder heftige Gewitter über das Land – teilweise einhergehend mit starkem Hagelfall. Das die Hagelkörner, teils die Größe eines Golfballs erreichend, starke Schäden für Pflanzen, Wellblechdächer oder die Gartendeko anrichten können, ist jedermann bewusst. Das der Hagelfall auch nach Vorbeiziehen des Unwetters noch Schäden anrichtet, ist weniger bekannt. Doch gerade nach länger anhaltendem Niederschlag geben die geschmolzenen Körner Unmengen an Wasser frei. Fließt dies beispielsweise in den Keller, bedeutet dies weitere Schäden. Doch wer kommt hierfür auf? Greift hier die Hausratversicherung oder muss man hierfür womöglich selbst zahlen?

Hagel (© bluedesign - Fotolia.com)
Hagel
(© bluedesign - Fotolia.com)

Ist ein Wasserschaden, der durch geschmolzene Hagelkörner entstanden ist, noch ein Hagelschaden im Sinne der Hausratversicherung?

Zur Erläuterung dieser Rechtsfrage eignet sich ein Urteil des Oberlandesgerichts Saarland. Im Jahr 2011 war ein starker Hagelschauer über das Haus des Antragstellers gezogen und hatte erhebliche Mengen des gefrorenen Wassers in den Keller des Betroffenen befördert. Als nach einiger Zeit der Hagel zu schmelzen begann, wurden zahlreiche im Keller befindliche Gegenstände des Hausrats des Bewohners beschädigt.

Wie gelang der Hagel in den Keller? Nach Angaben des Antragstellers war die Tür zunächst vorschriftsmäßig verschlossen, wurde jedoch durch die erheblichen Hagelmengen aufgedrückt, wodurch Wasser in die Kellerräume gelangen konnte. Den Schaden meldete der Betroffene der  Hausratsversicherung.

Versicherung will nicht für Nässeschäden aufkommen

Nicht weiter verwunderlich, lehnte die Versicherung den Antrag des Geschädigten ab. Nach Ansicht der Versicherung sei der Schaden am Hausrat nicht durch den Hagel, also beispielsweise durch den Einschlag des niederschlagenden Hagels, sondern durch Wasser entstanden. Man müsse hier eine Versicherungsleistung verneinen, da § 5 der Allgemeinen Versicherungsbedingungen der Hausratsversicherung (VHB) konkret von Hagel-, nicht aber von dessen Folgeschäden spricht.

Der Mann war hiermit nicht einverstanden und klagte anfangs vor dem Landgericht Saarbrücken. Doch der Richter teilte die Ansicht der Versicherung: Der Schaden ist nicht durch den Niederschlag der Hagelkörner entstanden, sondern erst durch hieraus folgendes Schmelzwasser. Das Gericht ließ eine Berufung zum Oberlandesgericht zu, wovon der Antragsteller und Kläger sodann Gebrauch machte.

Welche Ansicht hatten die Richter des OLG? Greift in diesem besonderen Fall des (Hagel-)Schadens die Hausratversicherung?

Eine Kostenübernahme durch die Versicherung gibt es in diesem Fall nicht. Die Versicherungsleistung beschränkt sich auf Schäden, die unmittelbar aus dem Hagelfall entstehen. Hier waren die Hausratsschäden durch Nässe entstanden und somit nicht dem Hagelfall an sich zuzurechnen.

Somit ist es ratsam, sämtliche Türen und Fenster ausreichend fest zu verschließen, wenn ein Hagelschauer zu befürchten ist. Im Zweifel sollte eine spätere Überprüfung stattfinden, um nicht auf die drohenden Kosten sitzen bleiben zu müssen.

Schlagwörter: Hagelschaden, Wasserschaden, Hausratsversicherung


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