Falsche Angaben bei der Berufsunfähigkeitsversicherung

Autor: , verfasst am 28.07.2014, 08:46| 1 Kommentar

Ob aus Scham oder einfach vergessen: Bei Abschluss eines Versicherungsvertrags wird des Öfteren eine Angabe vergessen oder ausgelassen, obwohl der Fragebogen der Versicherung gerade die Beantwortung dieser Angaben vorsieht. Besonders prekär sind fehlende Angaben oder Falschangaben bei Versicherungsverträgen bzgl. der Berufsunfähigkeit.

Berufsunfähigkeitsversicherung (© DOC RABE Media - Fotolia.com)
Berufsunfähigkeitsversicherung
(© DOC RABE Media - Fotolia.com)

Für gewöhnlich wird bei Abschluss des Versicherungsvertrages von der Versicherung über die Berufsunfähigkeit eine vollumfängliche Offenlegung des Gesundheitszustandes des zukünftigen Versicherungsnehmers gefordert. Mittels eines langen Fragebogens wird detailliert abgefragt, in welchem „gesundheitlichen Zustand“ sich der Versicherungsnehmer befindet. Aufgrund der teilweise intimen Fragen und der großen Auswirkung der Antworten auf den zu zahlenden monatlichen Versicherungsbeitrag wird die eine oder andere Angabe gerne mal ausgelassen und zum Positiven „verfälscht“.

Pflicht des Versicherungsgebers

Trotz der Pflicht zur Richtigkeit bei der Beantwortung der Fragen durch den Versicherungsnehmer hat auch der Versicherungsgeber einige Vorgaben des Gesetzgebers zu beachten. So ist das Formulieren von „offenen“ Fragen im Fragebogen nicht erlaubt. Daraus folgt, dass sie als Versicherungsnehmer nur Fragen beantworten müssen, nach denen sie in Textform unmissverständlich gefragt werden.

Praxisbeispiel: Werden sie nach Erkrankungen gefragt, aufgrund derer sie in ärztlicher Behandlung waren, sind sie nicht verpflichtet Krankheiten oder Leiden anzugeben, wegen derer sie nicht in ärztlicher Behandlung waren oder sind.

Richtigkeit der Angaben gewährleistet Versicherungsschutz im Ernstfall

Ganz wichtig bei Abschluss des Versicherungsvertrages ist die richtige Angabe von Vorerkrankungen. Es liegt in der Natur der Sache, dass Versicherungen gegen den Versicherungsnehmer bei höheren Schadenssummen vor Gericht ziehen. Dabei haben dutzende Fälle gezeigt, dass die Versicherung gute Chancen hat der Zahlung zu entgehen, wenn eine behandelte Vorerkrankung vorliegt, welche verschwiegen wurde und in keinem Zusammenhang mit dem schädigenden Ereignis steht.

Steigt der Versicherungsbeitrag durch die Angabe einer Vorerkrankung oder ähnliches im Rahmen eines „Risikozuschlages“, haben sie dennoch gem. § 41 VVG das Recht diesen „Risikozuschlag“ zu „widerlegen“, indem sie ärztlich nachweisen, dass von dieser Vorerkrankung keinerlei Risiken mehr ausgehen. Diese Möglichkeit besteht während der gesamten Laufzeit des Versicherungsvertrages.

Datenschutz

Die Versicherung muss neben der Einhaltung der präzisen Formulierung der Fragen auch darauf achten, dass die personenbezogenen Daten nicht unbefugt weitergegeben werden. Aus diesem Grund ist die Auskunftspflicht der Versicherung stark eingegrenzt und das Geheimhaltungsinteresse der Kunden größtenteils gewahrt.

Fazit:

Die Richtigkeit der Angaben ist unvermeidlich, um eine reibungslosen Ablauf bei Inanspruchnahme der Versicherungsleistungen zu gewährleisten. Dennoch sollte nachgehakt werden, wenn Fragen seitens der Versicherung nicht hinreichend präzise formuliert wurden oder Unklarheit über die Beantwortung der Frage herrscht.

Schlagwörter: Berufsunfähigkeitsversicherung, Versicherungsschutz


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Bisherige Kommentare zum Ratgeber (1)

Marwei80  (18.06.2015 12:27 Uhr):
was ist wenn die Verjährungsfrist abgelaufen ist und man nichts angegeben hat.





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