Welche Strafe droht, wenn man die Vorfahrt missachtet?

Autor: , verfasst am 20.03.2015, 07:51| 1 Kommentar

„Rechts hat Vorfahrt“ – eine Verkehrsregel, die an allen Kreuzungen und Einmündungen gilt, und eigentlich allen Fahrzeugführern bekannt sein müsste. Doch in der Praxis kommt es immer wieder vor, dass ein Autofahrer einem anderen die Vorfahrt nimmt. Nicht immer führt dies zu Unfällen mit Personenschaden, jedoch ist die Missachtung der Vorfahrt auch dann eine Straftat, wenn sie „nur“ mit einer Behinderung oder Gefährdung des vorfahrtberechtigten Fahrzeugs einhergeht. Welche Strafe droht, wenn man die Vorfahrt missachtet?

Wer hat Vorfahrt?

Grundsätzlich ist es an allen Kreuzungen und Einmündungen so, dass derjenige Verkehrsteilnehmer, der von rechts kommt, Vorfahrt hat. Ausnahmen bestehen lediglich in jenen Fällen, in denen die Vorfahrt durch Verkehrszeichen, Polizisten oder Ampeln anders geregelt wird oder es sich bei der betreffenden Straße um einen Feldweg oder Waldweg handelt.

Zu beachten ist, dass die Vorfahrtsberechtigung auch in jenen Fällen bestehen bleibt, in denen der Berechtigte aus der falschen Richtung kommt, zu schnell fährt oder eine andere widerrechtliche Handlung vollzeiht. Diese hat keinen Einfluss darauf, dass er Vorfahrt hat.

Vorfahrtsstraße (© hero - Fotolia)
Vorfahrtsstraße
(© hero - Fotolia)

Des Weiteren ist im Kreisverkehr die Kreisfahrbahn vorfahrtberechtigt; dasselbe gilt für den fließenden Verkehr auf Autobahnen.

Die Vorfahrtsregelungen gelten für sämtliche Fahrzeugführer im Straßenverkehr. Sind jedoch Fahrzeuge im Einsatz, welche mit Sonderrechten ausgestattet sind(Polizei, Krankenwagen, Feuerwahr), so haben diese immer Vorfahrt – egal, ob sie nun von links oder rechts in die Straße einbiegen möchten.

Welche Tatbestände gehen einher beim Vorfahrt Missachten?

Wird die Vorfahrt nicht beachtet, so ist dies nicht als ein einheitlicher Tatbestand anzusehen. Im Verkehrsrecht wird differenziert zwischen

zu schnellem Heranfahren an eine Vorfahrtsstraße,

Nichtbeachtung der Vorfahrt mit Behinderung des Vorfahrtberechtigten,

Vorfahrt Missachten mit Gefährdung des Vorfahrtsberechtigten.

Welche Strafe droht, wenn man die Vorfahrt missachtet?

Wer an eine Vorfahrtsstraße zu schnell heranfährt, muss mit einem Bußgeld in Höhe von 10,- € rechnen.

Wird die Vorfahrt nicht beachtet und der Vorfahrtsberechtigte dabei behindert, so kostet dies den Fahrzeugführer 25,- €; wird der Vorfahrtsberechtigte jedoch gefährdet, drohen Strafen in Höhe von 100,- € Bußgeld, einem Punkt in Flensburg und weiteren Sanktionen. Diese liegen gemäß § 315c StGB bei einer Geldstrafe, Führerscheinentzug sowie einer bis zu fünfjährigen Freiheitsstrafe – je nach Schwere der Gefährdung.

Die Strafen scheinen relativ hoch zu sein; dies ist auch gewollt. Wird die Vorfahrt nicht beachtet, kann es zu schweren Unfällen kommen. Um diese zu verhindern, ist nicht nur dass Missachten der Vorfahrt an sich eine Straftat, sondern bereits das zu schnelle Heranfahren an eine Vorfahrtsstraße.

Wie hat man sich einer Vorfahrtsstraße zu nähern?

Gemäß dem Verkehrsrecht hat man sich als Fahrzeugführer einer Vorfahrtsstraße in so gemäßigtem Tempo zu nähern, dass kein starkes Bremsen notwendig ist, wenn ein Vorfahrtsberechtigter auftaucht.

Vor der Haltelinie sollte das Fahrzeug langsam zum Stillstand gebracht werden.

Danach sollte man nach rechts schauen, um sich zu vergewissern, dass keine Wartepflicht besteht.

Ist dies der Fall, darf man weiterfahren.

Kommt jedoch ein Verkehrsteilnehmer, dem man die Vorfahrt gewähren muss, hat man so lange zu warten, bis er abgebogen ist.

Gelten die Vorfahrtsregelungen auch für Radfahrer?

Auch Radfahrer unterliegen – wie jeder andere Fahrzeugführer auch – den Vorfahrtsregelungen. Dies bedeutet, dass sie ebenfalls Vorfahrt gewähren müssen, wenn ihnen ein vorfahrtberechtigtes Fahrzeug begegnet. Dabei ist es unerheblich, ob sie sich auf der Straße oder auf einem Radweg befinden.

Im Umkehrschluss muss jedoch auch ein Autofahrer die Vorfahrt gewähren, wenn sie diese innehaben.

Darf die Vorfahrt erzwungen werden?

Kommt ein Fahrzeugführer von rechts, so hat er Vorfahrt. Doch was ist, wenn der Vorfahrtsverpflichtete nicht anhält? Darf er dann einfach die Vorfahrt erzwingen?

Diese Frage kann nur mit einem klaren Nein beantwortet werden. Zwar ist es so, dass ein Vorfahrtsberechtigter darauf vertrauen darf, dass ihm die Vorfahrt gewährt wird. Ist jedoch die Verkehrssituation unübersichtlich oder schwierig, so darf er sich nicht einfach die Vorfahrt erzwingen. Schlimmstenfalls macht er von seinem Recht auf Vorfahrt keinen Gebrauch – verhindert aber dadurch eine Kollision.

Fazit: Das Missachten der Vorfahrt wird mit hohen Bußgeldern und Strafen geahndet. Je nach Schwere des Vergehens liegen diese zwischen Bußgeld in Höhe von 10,- € und einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren.

Schlagwörter: Vorfahrtsstraße, Vorfahrt, Vorfahrtsregelungen


Nachrichten zum Thema
  • BildKeine Vorfahrt auf Verteilerfahrbahnen (16.12.2008, 18:07)
    Köln/Berlin (DAV). Auf so genannten Verteilerfahrbahnen, die den Übergang von einer Autobahn auf die andere ermöglichen, gibt es keine Vorfahrtsregeln. Alle Fahrer haben die Pflicht zur gegenseitigen Rücksichtnahme und Verständigung, um einen...
  • BildVorfahrt für die Wissenschaft (01.09.2006, 14:00)
    Max-Planck-Gesellschaft: Die High-Tech-Strategie gibt Forschung und Entwicklung einen kräftigen Schub"Die High-Tech-Strategie der Bundesregierung stärkt Deutschland als Forschungsstandort und sichert seine wirtschaftliche Zukunft", erklärt Prof....
  • BildFahrradfahrer haben Vorfahrt (18.05.2006, 12:53)
    Berlin (DAV). Auch wenn ein Radfahrer auf einem Radweg in die falsche Richtung fährt, kann bei einer Kollision die alleinige Schuld den Autofahrer treffen. Dies urteilte das Landgericht Oldenburg am 07. Dezember 2005 (AZ.: 5 S 562/05). Wie die...
  • BildVorfahrt für grünen Strom (01.03.2006, 13:00)
    Erneuerbare Energien zur Stromerzeugung sollen gefördert werden. Aber wie? Das Fraunhofer ISI hat für die Europäische Union die verschiedenen Förderinstrumente auf den Prüfstand gestellt.21 Prozent erneuerbare Energien bis 2010 - diese Vorgabe der...
  • BildVorfahrt für innovative Produkte (12.12.2005, 16:00)
    Die öffentliche Hand ist in vielen Märkten ein wichtiger Kunde: Sie kauft Autos für Fuhrparks, Computer für Verwaltungen und viele weitere Produkte und Dienstleistungen. Weil bei größeren Beschaffungen in der Regel die günstigsten Anbieter zum...
  • BildStraßenbahn hat immer Vorfahrt (24.07.2005, 12:27)
    Berlin (DAV). Autofahrer müssen als Linksabbieger immer auf Straßenbahnen achten. Wollen sie abbiegen und ordnen sich deshalb in eine Verkehrsspur auf der Straßenbahnschiene ein, haben sie schlechte Karten, wenn es zu einem Unfall mit der Tram...

Kommentar schreiben

24 - D.r;ei =

Bisherige Kommentare zum Ratgeber (1)

Name  (25.05.2016 23:06 Uhr):
Auch hier: "Des Weiteren ist im Kreisverkehr die Kreisfahrbahn vorfahrtberechtigt;" stimmt nicht. Es gilt grundsätzlich auch im Kreisverkehr rechts vor links, außer, wenn ein Schild dem Innenverkehr Vorfahrt gibt, was zwar meist, aber nicht immer der Fall ist. Das betreffende Gesetz wird von vielen Leuten falsch interpretiert, aber die Rechtsprechung ist eindeutig, kann auch leicht ergoogelt werden.




Inhaltsverzeichnis


Weitere Verkehrsrecht-Ratgeber


Anwalt für Verkehrsrecht

Weitere Orte finden Sie unter

JuraForum-Suche

Durchsuchen Sie hier JuraForum.de nach bestimmten Begriffen:

© 2003-2017 JuraForum.de — Alle Rechte vorbehalten. Keine Vervielfältigung, Verbreitung oder Nutzung für kommerzielle Zwecke.