Unfallaufnahme ohne Polizei: Was muss man beachten?

Autor: , verfasst am 25.05.2016, 08:38| Jetzt kommentieren

Inwieweit sollten die Beteiligten eines Verkehrsunfalls die Sache selbst regeln, ohne die Polizei zu rufen? Das erfahren Sie in diesem Ratgeber.

Verkehrsunfall/ Unfallaufnahme ohne Polizei (© Monkey Business / fotolia.com)
Verkehrsunfall/ Unfallaufnahme ohne Polizei
(© Monkey Business / fotolia.com)

Gerade bei Bagatellunfällen stellt sich auch angesichts der oftmals langen Wartezeiten am Unfallort die Frage, ob die Polizei unbedingt hinzugezogen werden muss. Wer darauf verzichtet, sollte allerdings auf Einiges achten.

Hier sollte bei einem Umfall die Polizei verständigt werden

Wichtig ist zunächst einmal, dass die Polizei bei einem Verkehrsunfall unbedingt gerufen werden sollte, wenn andere Menschen verletzt oder sogar getötet worden sind. Das Gleiche gilt, wenn man den Verdacht hat, dass der Fahrer vielleicht alkoholisiert gewesen ist oder unter Drogen gestanden hat. Dies ist nicht immer einfach zu erkennen. Dafür spricht möglicherweise, dass das Fahrzeug in Schlangenlinien gefahren ist, das Gangbild auffällig ist, die Sprache verwaschen klingt oder die Pupillen besonders groß oder klein sind.

Ebenso sollten Sie darauf achten, ob der Unfall vielleicht vorgetäuscht worden ist. Dies geschieht zuweilen, um sich von der KFZ-Haftpflichtversicherung des Unfallopfers Geld zu erschleichen. Hierfür kann etwa sprechen, dass ein Fahrer an einer übersichtlichen Kreuzung plötzlich scharf bremst, obwohl dies von der Verkehrssituation offensichtlich nicht erforderlich gewesen ist. Oder aber hat Ihnen durch ein deutliches Handzeichen zu erkennen gegeben, dass er Sie vorlässt und nimmt Ihnen dann ohne erkennbaren Anlass die Vorfahrt, um bewusst einen Unfall zu provozieren. Wenn Ihnen hier etwas merkwürdig vorkommt, sollten Sie sofort die Polizei rufen. So etwas ist übrigens keine Lappalie. Neben einem Versicherungsbetrug kommt hier vor allem ein vorsätzlicher gefährlicher Eingriff in Betracht.

Ebenfalls sollte man auch bei einem hohen Sachschaden oder wenn man sich nicht über den Unfallhergang einigen kann die Polizei rufen. Schließlich sollte die Polizei eingeschaltet werden, wenn das Fahrzeug des Unfallgegners mit einem Kennzeichen außerhalb der EU versehen ist und der Fahrer über keinen Nachweis über eine Versicherung verfügt (etwa in Form der sogenannten grünen Karte).

Vorsicht bei Leihwagen: Eventuell muss Polizei gerufen werden

Wenn Sie mit einem Leihwagen unterwegs sind, müssen Sie unter Umständen auch bei einem Bagatellschaden die Polizei rufen. Ob dies der Fall ist, richtet sich nach den jeweiligen Versicherungsbedingungen. Diese sollten Sie sich am besten durchlesen, ehe Sie mit dem Leihwagen losfahren. Wenn Sie unsicher sind, fragen Sie besser bei der Autovermietung nach. Sofern Autofahrer dies versäumt haben, sollten sie nachträglich prüfen lassen, ob die entsprechende Klausel unwirksam ist.

Unfallstelle muss gesichert werden

Darüber hinaus sollte bei einem Verkehrsunfall erst einmal darauf geachtet werden, dass die Unfallstelle genügend abgesichert wird. Ansonsten kommt es schnell zu Folgeunfällen mit womöglich schweren Folgen. Das bedeutet vor allem, dass sofort die Warnblinkanlage eingeschaltet wird, das Warndreieck platziert wird und zu Beweiszwecken Fotos angefertigt werden. Ebenso sollte die Fahrbahn geräumt werden. Bei schweren Unfällen fragen Sie am besten bei der Polizei nach, wie Sie verfahren sollten.

Identität von Unfallbeteiligten überprüfen

Wenn Sie die Sache einvernehmlich ohne Polizei regeln wollen, sollten Sie auf jeden Fall die Identität Ihres Unfallgegners überprüfen und sich zumindest den Personalausweis zeigen lassen.

Protokoll erstellen

Dann sollten beide Unfallbeteiligte den Sachverhalt in Form von einem gemeinsam erstellten Protokoll festhalten. Hierzu können Sie beispielsweise das Formular des Europäischen Unfallberichtes verwenden. Diese können Sie auch beim Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e. V. bestellen. Am besten führen Sie als Autofahrer immer mehrere Exemplare bei sich, um im Falle eines Unfalls gut gewappnet zu sein.

Wichtig ist, dass dieses Formular vollständig ausgefüllt wird. Neben den Eckdaten wie Uhrzeit und Datum sollte vor allem auf die korrekten Daten wie Namen und Anschrift der beiden Fahrer geachtet werden. Diese sollten am besten mit den Angaben im Personalausweis abgeglichen werden. Selbstverständlich sollten auch der Wagentyp und das polizeiliche Kennzeichen der beiden Fahrzeuge notiert werden. Daneben ist es hilfreich, wenn Sie sich Namen und Adresse von etwaigen Zeugen notieren. Schließlich sollte auf Bilder verwiesen werden.

Auch falls Sie nicht einig werden und am Unfallort die Polizei rufen müssen, ist es hilfreich, wenn Sie sich neben dieser Daten Notizen zum Verlauf des Unfalls machen. Denn dann sind die Eindrücke noch am ehesten präsent.

Kein Schuldanerkenntnis abgeben

Bitte beachten Sie, dass Sie am Unfallort gegenüber Ihrem Unfallgegner kein Schuldanerkenntnis abgeben - auch wenn Sie von Ihrer Schuld überzeugt sind und Ihnen dieser Vorfall peinlich ist. Schon gar nicht sollten Sie ein derartiges Dokument unterschreiben. Ansonsten kann es Ihnen passieren, dass Sie mit Ihrer KFZ-Haftpflicht Ärger bekommen, weil Sie gegen Ihre Obliegenheiten als Versicherungsnehmer verstoßen haben. Die Schuldfrage ist überdies längst nicht immer so eindeutig, wie es zunächst den Anschein hat. Das Formular des Europäischen Unfallberichtes ist so gestaltet, dass es kein Schuldanerkenntnis enthält.

Versicherungen über Unfall informieren

Wichtig ist schließlich, dass Sie umgehend die fremde wie die eigene KFZ-Haftpflichtversicherung und eventuell weitere abgeschlossene Versicherungen über den Unfallhergang informieren. Ansonsten stellt das einen Verstoß gegen Ihre Obliegenheiten als Versicherungsnehmer dar. Normalerweise muss die Meldung innerhalb einer Woche erfolgt sein, wenn sich nicht etwa anderes aus dem Kleingedruckten ergibt. Am besten geben Sie die Meldung sofort ab.

Arzt aufsuchen wegen möglichem Schleudertrauma etc.

Nach einem Unfall sollten Sie sich am besten möglichst bald von einem Arzt untersuchen lassen. Ansonsten kann etwa ein Schleudertrauma unentdeckt bleiben mit negativen Folgen für Ihre Gesundheit.

Autor: Harald Büring (Juraforum.de)

Schlagwörter: Unfallaufnahme


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