Unfall mit Fahrerflucht: So verhalten Sie sich als Geschädigter richtig

Autor: , verfasst am 02.08.2016, 06:12| Jetzt kommentieren

Was sollten Opfer eines Verkehrsunfalls unternehmen, wenn der Verursacher des Unfalls eine Fahrerflucht begeht? Das erfahren Sie in diesem Ratgeber.

Unfall Fahrerflucht (© hero@ Fotolia.com)
Unfall Fahrerflucht
(© hero@ Fotolia.com)

Fahrerflucht ist kein Kavaliersdelikt. Autofahrer - oder auch andere Verkehrsteilnehmer - die sich als Unfallbeteiligte einfach von der Unfallstelle entfernen, dürfen auf keine Gnade hoffen. Das gilt auch, wenn sie nur einen kleinen Sachschaden angerichtet haben. Der Gesetzgeber sieht für das unerlaubte Entfernen vom Unfallort in § 142 Abs. 1 StGB eine Freiheitsstrafe von bis maximal drei Jahre oder Geldstrafe vor. Darüber hinaus kommt eventuell eine Bestrafung des Unfallverursachers nach anderen Straftatbeständen wie unterlassene Hilfeleistung nach § 323c StGB oder fahrlässige Tötung gem. § 222 StGB in Betracht. Unter besonderen Umständen muss ein Autofahrer sogar mit einer Bestrafung wegen vorsätzlichen Totschlags durch Unterlassen nach § 212 StGB, § 13 StGB rechnen, wenn dadurch etwa ein schwer verletztes Unfallopfer stirbt (vgl. BGH, Urteil vom 07.11.1991 - 4 StR 451/91). Daneben muss bei einer Fahrerflucht mit Punkten in Flensburg und eventuell einem mehrmonatigen Fahrverbot sowie einem Entzug der Fahrerlaubnis gerechnet werden. Gleichwohl schrecken viele Unfallverursacher nicht vor Begehung einer solchen Straftat zurück.

Umso wichtiger ist, dass Opfer einer Fahrerflucht als Geschädigte sich möglichst auf diese Situation einstellen und wissen, was zu tun ist.

Fahrerflucht: Absichern der Unfallstelle und Beweise durch Fotos sichern

Normalerweise sichern Sie zunächst einmal die Unfallstelle ab und rufen bei einem schweren Verkehrsunfall mit Verletzten und Toten die Polizei über den Notruf und den Rettungsdienst. Dann notieren Sie sich Datum und Uhrzeit und die Ihnen bekannten Daten des Unfallverursachers. Hierzu gehört etwa das polizeiliche Kennzeichen des Fahrzeugs. Dann fotografieren Sie möglichst die Unfallstelle und alle erkennbaren Unfallschäden. Darüber hinaus versuchen Sie auch Zeugen ausfindig zu machen.

Polizei rufen für das Sichern von Unfallspuren

Im Anschluss daran sollten Sie auf jeden Fall die Polizei über den Notruf verständigen. Dabei sollten Sie darauf hinweisen, dass Sie das Opfer einer Fahrerflucht geworden sind. Sie sollten außerdem angeben, dass Sie auf die Polizei vor Ort angewiesen sind und dabei natürlich auch den Ort des Unfalls angeben. Dabei sollten Sie darauf achten, dass vor Ort durch die Beamten auch alle erkennbaren Unfallspuren an Ihrem Fahrzeug gesichert werden. Dabei handelt es sich etwa um Spuren am Lack, Glasscherben etc. Am besten achten Sie auch mit darauf, ob sich Lackspuren vom Fahrzeug des Unfallverursachers an Ihrem Wagen befinden.

Auch Bagatellschaden sollten ernst genommen werden

Bei einer Fahrerflucht sollten Sie die Polizei als Geschädigter auch dann umgehend rufen, wenn vermutlich nur ein Bagatellschaden an Ihrem Fahrzeug eingetreten sind. Denn durch die Fahrerflucht erhalten diese ein viel schweres Gewicht. Ansonsten können Sie eventuell gegen ihre Obliegenheiten etwa gegenüber Ihrer Kaskoversicherung verstoßen. Die kann zur Folge haben, dass diese nicht für den Schaden aufkommt. Darüber hinaus ist auch möglich, dass es zu schweren Schäden gekommen ist, die nicht ohne Weiteres erkannt werden können. Das gilt übrigens auch für erlittene Verletzungen. Möglich ist beispielsweise, dass Sie ein Schleudertrauma erlitten haben, ohne dass Sie das erst mal merken.

Nach Unfall Strafanzeige stellen

Falls noch nicht geschehen, sollten Sie jetzt Strafanzeige bei der Polizei - unter anderem wegen unerlaubten Entfernens vom Unfallort - stellen. Am besten stellen Sie die Strafanzeige gegen Unbekannt. Der Strafanzeige sollten Sie auch alle Beweismittel wie Fotos beifügen. Diese Strafanzeige kann online übers Internet gestellt werden. Sie können aber hierzu auch eine Dienstelle der Polizei aufsuchen. In diesem Fall sollten Sie auch Ihren Personalausweis mitnehmen.

Arzt oder Ambulanz aufsuchen

Als Opfer einer Fahrerflucht sollten Sie auch sicherheitshalber so bald wie möglich einen Arzt aufsuchen. Das gilt jedenfalls dann, wenn sie womöglich aufgrund des Unfalls eine Verletzung erlitten haben. Dies dient außer der Behandlung dazu, dass diese Verletzungen dokumentiert werden. Das geschieht teilweise auch durch Bilder. Sofern Sie keinen Arzt erreichen können, können Sie hierzu auch die Notfallambulanz eines Krankenhauses aufsuchen. Manche Gemeinden verfügen auch über eine rechtsmedizinische Ambulanz für Gewaltopfer. Am besten rufen Sie dort vorher an, inwieweit Sie auch für Opfer von Verkehrsunfällen infolge einer Beweissicherung bei Fahrerflucht zuständig sind. Die dort arbeitenden Ärzte sind als Rechtsmediziner gerade bei der rechtssicheren Dokumentation von Verletzungsfolgen besonders geschult.

Bei Strafverfahren Rechtsanwalt einschalten

Kommt es nach Ermittlungen der Polizei und Staatsanwaltschaft zu einer Anklage gegenüber dem Unfallverursacher sollten Sie sich am besten einen auf Verkehrssachen spezialisierten Rechtsanwalt konsultieren. Hierbei ist unter anderem zu klären, ob Sie als Nebenkläger auftreten. So etwas kommt unter anderem in Betracht, wenn Sie durch den Unfall verletzt worden sind oder sogar ein naher Angehöriger getötet worden ist. Der Vorteil liegt darin, dass durch die Stellung als Prozesspartei womöglich Ihre Rechte als Geschädigter besser gewahrt werden können.

Eventuell an Verkehrsopferhilfe e.V. wenden

Sofern der Verursacher des Unfalls - beziehungsweise dessen Auto-Haftpflichtversicherung - nicht in Anspruch genommen werden kann, weil er etwa nicht ermittelt werden kann, sollten sich Geschädigte mit dem gemeinnützigen Verein Verkehrsopferhilfe e.V. (VOH) in Verbindung setzen. Unter Umständen stehen Ihnen Entschädigungsleistungen aufgrund der Rechtsgrundlage von § 12 Abs.1 PflVersG zu. Nähere Informationen hierzu finden Sie auf diesen Seiten zum Download.

Quelle: Harald Büring


Nachrichten zum Thema
  • BildKeine Fahrerflucht nach Unfall mit Einkaufswagen (14.03.2012, 15:50)
    Düsseldorf (jur). Auch mit einem Einkaufswagen kann es schon mal zu einem Unfall kommen. „Fahrerflucht“ ist danach allerdings nicht möglich, wie das Landgericht Düsseldorf in einem Urteil entschied, auf das die Deutsche Anwaltshotline am Dienstag,...
  • BildMietwagenkosten bei Unfall: Geschädigter darf auf sein bestelltes Neufahrzeug warten (31.10.2007, 12:12)
    Hat ein Geschädigter bereits vor einem Unfall ein neues Fahrzeug bestellt und hält sich die voraussichtliche Lieferfrist in vertretbarem Rahmen, so ist er nicht verpflichtet, einen Gebrauchtfahrzeug zur Überbrückung der Zeit bis zur Lieferung zu...
  • BildKein Fahrverbot trotz Fahrerflucht (18.05.2006, 12:59)
    Berlin (DAV). Auch bei einer Verurteilung wegen unerlaubten Entfernens vom Unfallort kann das Gericht von einem Fahrverbot absehen. Darauf macht die im Deutschen Anwaltverein (DAV) organisierte Arbeitsgemeinschaft Verkehrsrecht aufmerksam und...
  • BildRestwert-Ermittlung nach Unfall: Geschädigter muss kein Marktforscher sein (21.12.2004, 09:31)
    KOBLENZ (DAV). Ein Unfallgeschädigter muss sich bei der Restwert-Ermittlung seines beschädigten Autos nur an dem ihm zugänglichen allgemeinen Markt seiner Umgebung orientieren. Er ist nicht verpflichtet, zu Gunsten der gegnerischen Versicherung...
  • BildMietwagen: Geschädigter muss keine Marktforschung betreiben (05.11.2004, 15:44)
    DRESDEN (DAV). Ein Unfallgeschädigter muss keine Marktforschung nach dem günstigsten Tarif betreiben, wenn er sich als Ersatzfahrzeug einen Mietwagen nimmt. Dies gilt zumindest für eine vorhersehbare Mietdauer von nicht mehr als 14 Tagen,...
  • BildGeschädigter für Höhe der Sachverständigengebühren nicht verantwortlich (05.11.2004, 11:45)
    Über die Höhe der Sachverständigengebühren braucht sich ein Geschädigter grundsätzlich keine Gedanken zu machen. Dies gilt nur dann nicht, wenn die Gebühren offensichtlich unangemessen überhöht sind und der Geschädigte dies ohne weiteres erkennen...

Kommentar schreiben

9 - Ne,,un =

Bisherige Kommentare zum Ratgeber (0)

(Keine Kommentare vorhanden)





Weitere Verkehrsrecht-Ratgeber


Anwalt für Verkehrsrecht

Weitere Orte finden Sie unter

JuraForum-Suche

Durchsuchen Sie hier JuraForum.de nach bestimmten Begriffen:

© 2003-2017 JuraForum.de — Alle Rechte vorbehalten. Keine Vervielfältigung, Verbreitung oder Nutzung für kommerzielle Zwecke.