Rechtsfahrgebot in Deutschland auf der Autobahn, in der Stadt oder auf dem Fahrradweg?

Autor: , verfasst am 27.03.2015, 07:50| 3 Kommentare

Auf deutschen Straßen herrscht Rechtsverkehr – wie übrigens fast überall in Europa. Zudem besteht ein Rechtsfahrgebot, welches gemäß § 2 Abs. 2 StVO definiert wird: „Es ist möglichst weit rechts zu fahren, nicht nur bei Gegenverkehr, beim Überholtwerden, an Kuppen, in Kurven oder bei Unübersichtlichkeit.“ Demzufolge müssen sich Verkehrsteilnehmer auf der rechten Fahrspur halten. Doch gilt dieses Gebot auf sämtlichen Straßen? Und gilt es auch für Radfahrer?

Rechtsfahrgebot auf Autobahnen?

Auf mehrspurigen Autobahnen gilt generell das Rechtsfahrgebot. Dieses sollte dahingehend umgesetzt werden, dass man sich als Fahrer eines Kraftfahrzeugs auf der rechten Fahrspur einordnet und diese nur dann verlässt, wenn ein vorausfahrendes Fahrzeug langsamer ist als man selbst und daher überholt werden soll. Ist der Überholvorgang abgeschlossen, sollte man sich wieder rechts einordnen. Es ist jedoch gestattet, die mittlere Fahrbahn längere Zeit zu benutzen, wenn sich auf der rechten Fahrspur zumindest gelegentlich ein Fahrzeug befindet, welches aufgrund seiner Geschwindigkeit überholt werden sollte. Dabei ist jedoch zu beachten, dass beim Befahren der Mittelspur kein anderes Fahrzeug behindert wird.

Muss man sich als Autofahrer in der Stadt auch rechts halten?

Rechtsfahrgebot (© VanderWolf Images - fotolia.com)
Rechtsfahrgebot
(© VanderWolf Images - fotolia.com)

Innerorts gelten Besonderheiten, gemäß derer vom grundsätzlichen Rechtsfahrgebot abgewichen werden darf. Die gesetzliche Grundlage hierfür findet sich in § 7 Abs. 1 StVO: „Auf Fahrbahnen mit mehreren Fahrstreifen für eine Richtung dürfen Kraftfahrzeuge von dem Gebot möglichst weit rechts zu fahren abweichen, wenn die Verkehrsdichte das rechtfertigt. Fahrstreifen ist der Teil einer Fahrbahn, den ein mehrspuriges Fahrzeug zum ungehinderten Fahren im Verlauf der Fahrbahn benötigt.“ Dies bedeutet also, dass man als Fahrzeugführer in der Stadt die Wahl hat, auf welchem Fahrstreifen man fahren möchte. Auch muss man bei mehrspurigen Fahrbahnen nicht darauf geachtet werden, dass rechts langsamer gefahren werden muss als links. Dies wird gemäß § 7 Abs. 3 StVO gesetzlich geregelt: „Innerhalb geschlossener Ortschaften - ausgenommen auf Autobahnen (Zeichen 330.1) - dürfen Kraftfahrzeuge mit einer zulässigen Gesamtmasse bis zu 3,5 t auf Fahrbahnen mit mehreren markierten Fahrstreifen für eine Richtung (Zeichen 296 oder 340) den Fahrstreifen frei wählen, auch wenn die Voraussetzungen des Absatzes 1 Satz 1 nicht vorliegen. Dann darf rechts schneller als links gefahren werden.“

Zu beachten ist, dass diese Regelungen für eine Lockerung des Rechtsfahrgebots in der Stadt nicht bedeuten, dass rechts überholt werden darf: das Überholen hat gemäß § 5 der Straßenverkehrsordnung grundsätzlich links zu erfolgen.

Gilt das Rechtsfahrgebot auch für Radfahrer?

Radfahrer sind Verkehrsteilnehmer, die dieselben Rechte innehaben wie alle anderen auch. Demzufolge obliegen ihnen auch dieselben Pflichten im Verkehr; somit hat das Rechtsfahrgebot auch für sie Gültigkeit.

Für Radfahrer bestehen jedoch Ausnahmen: grundsätzlich haben sie einen Radweg zu benutzen. Manchmal ist es der Fall, dass dieser nur auf einer Straßenseite vorhanden ist, was dazu führt, dass Verkehrsteilnehmer auf dem Fahrrad denselben Weg für beide Richtungen nutzen. Auf dem Fahrradweg selbst gilt dann das Rechtsfahrgebot.

Ist kein Radweg vorhanden, müssen Radfahrer zwar rechts am Fahrbahnrad, jedoch nicht so weit rechts wie möglich fahren, da sie dort einigen Gefahren ausgesetzt sein können: sich plötzlich öffnende Autotüren von parkenden Autos, Glasscherben in der Gosse etc. Optimal für Radler ist es, sich etwa einen Meter vom rechten Fahrbahnrand entfernt fortzubewegen.

Was passiert bei einem Verstoß gegen das Rechtsfahrgebot?

Als Verstoß im Sinne des Gesetzes wird es angesehen, wenn ein Kraftfahrer auf mehrspurigen Straßen außerhalb geschlossener Ortschaften oder auf Autobahnen grundlos permanent die linke Fahrbahn benutzt und durch dieses Verhalten andere Verkehrsteilnehmer behindert. Ein derartiges Vergehen wird gemäß dem Bußgeldkatalog mit einem Punkt im Verkehrszentralregister sowie einem Bußgeld in Höhe von 80,- Euro geahndet.

Auf der Autobahn sowie außerhalb geschlossener Ortschaften muss das Rechtsfahrgebot also generell beachtet werden, während innerorts einige Ausnahmen bestehen.

Schlagwörter: Rechtsfahrgebot, Fahrradweg, Autobahn


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Bisherige Kommentare zum Ratgeber (3)

Name  (13.03.2016 12:27 Uhr):
Mir ist im Vorkommentar ein kleiner Schnitzer unterlaufen was die Formulierung angeht. Auf Autobahnen dürfen LKW bei 3+ Spuren nicht auf die linke zum Überholen. Innerorts (auf normaler Straße) trifft das schon bei 2 Spuren zu, außer wenn sie links abbiegen. Denn da gibts ja wieder das Rechtsfahrgebot, das nur für Fahrzeuge bis 3,5 t eine Ausnahme zulässt, wo die LKW ja locker drüber liegen dürfen.
Name  (08.03.2016 08:42 Uhr):
Die 2. Überschrift "Muss man sich als Autofahrer in der Stadt auch rechts halten?" ist irreführend, weil daraufhin erklärt wird, wie innerorts freie Fahrstreifenwahl besteht und nur so nebenbei erwähnt wird, dass das eben nicht für Autobahnen innerorts gilt. Die freie Fahrstreifenwahl gilt nur für nicht-Autobahn-Straßen innerorts (bis 3,5t). Das ergänze ich noch mit der Info, dass LKWs bei 3+ Spuren die linke nicht benutzen dürfen, außer sie biegen links ab (wobei wohl ungeklärt ist, wie früh die nach links dürfen - gerade innerorts ist es manchmal nötig, dass sie 4-5 Kreuzungen vorher schon nach links einordnen wegen dem dichten Verkehr). Wie ich bei zahlreichen YT-Videos mitbekommen habe, ist denen das größenteils nicht klar. Und Autos und LKWs dürfen auch nur überholen, wenn ihre Geschwindigkeit ausreichend höher als die des zu Überholenden ist (ich glaube wenigstens 10 Km/h, bin mir aber gerade unsicher). Darüber hinaus kann bei stockendem Verkehr auch auf der Autobahn rechts schneller als links gefahren werden, wenn die links maximal 60 draufhaben und man mit maximal 20 mehr, also 80, dran vorbeifährt (nochmal: nur bei stockendem Verkehr, also Stau! Mal als Info für die, die sich dann nicht trauen und so den Stau noch verschärfen). Und es mag Haarspalterei sein, aber vorbeifahren gilt rechtlich gesehen auch als überholen. Somit ist innerorts rechts überholen bei mehreren Spuren (Voraussetzung: bis 3,5t und Fahrstreifen müssen mit Streifen markiert sein) eben sehr wohl erlaubt. Das Überholtverbot und die Strafe dafür bezieht sich auf den Fall, dass jemand sich wie blöd durchschlängelt. Da man aber wie ja gesagt freie Fahrstreifenwahl hat und sich auch mal willkürlich umentscheiden kann/darf, auch aufgrund der Verkehrslage, kann man halt rechts überholen. Man sollte nur, um ganz sicher zu gehen, möglichst nicht zu schlagartig hinter einem rausziehen und auch ein Weilchen auf der neuen Spur bleiben. Und dann gibt es noch einen Haufen anderer Ausnahmen, in denen man rechts vorbeifahren=überholen darf, z. B. wenn jemand links abbiegt.
Ervin Peters  (17.08.2015 19:10 Uhr):
Falsch ist die Aussage zu Radfahrern: "...grundsätzlich haben sie einen Radweg zu benutzen..." Nach §2 StVO haben auch Radfahrer als Fahrzeugführer die Fahrbahn zu benutzen. Sie _dürfen_ andere Radwege und freigegebene Fußwege benutzen. Radwege müssen grundsätzlich nur dann benutzt werden, wenn sie den gleichen Regelungen wie die Straße unterliegen, nicht zu weit ab sind (5m) und überhaupt benutzbar sind. (Am Rande, Benutzungspflichten sind regelmäßig entgegen §45 (9) angeordnet, da es keine erheblichen örtlichen Gefahrenlagen gibt, denen damit abgeholfen wird) Das 'möglichst weit rechts' ist auch für Radfahrer so zu interpretieren, dass sie sich und andere nicht gefährden, unnötig behindern und belästigen.




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