Ist ein Reifenplatzer ein Betriebsschaden?

Autor: , verfasst am 20.05.2015, 11:09| Jetzt kommentieren

Welchem Autofahrer ist es nicht schon einmal passiert, dass ihm während der fahrt ein Reifen geplatzt ist? Neben der Arbeit, die man mit Reifenwechseln hat, kommen auch noch Kosten für einen neuen Reifen auf einen zu. Damit wenigstens diese nicht zu zusätzlicher Missstimmung führen, kommt man ein Autofahrer auf die Idee, diesen Schaden seiner Kraftfahrzeugversicherung zu melden. Doch deckt diese derartige Schäden ab? Oder ist ein Reifenplatzer ein Betriebsschaden?

Versicherung  (© Falko Matte - Fotolia.com)
Versicherung
(© Falko Matte - Fotolia.com)

Was ist ein Betriebsschaden? Was ist ein Unfallschaden?

Um die Frage bezüglich der Versicherungshaftung zu klären, bedarf es zunächst einer Definition der Begriffe „Betriebsschaden“ und „Unfallschaden“.

Betriebsschäden sich jene Schäden, die sich aufgrund einer normalen Nutzung eines Kraftfahrzeugs (eines Betriebsvorgangs) ergeben, also sozusagen „von innen heraus“ ohne äußerliche Einwirkung. So liegt beispielsweise ein Betriebsschaden vor, wenn eine Motorhaube nicht korrekt verschlossen ist und gegen die Kante des Autodachs stößt; wird eine Ladung nicht ordnungsgemäß gesichert und verursacht Beulen im Kofferraum, so werden dies ebenfalls als Betriebsschäden angesehen. Vereinfacht gesagt liegt ein Betriebsschaden immer dann vor, wenn ein Stück des versicherten Kraftfahrzeugs einen Schaden an einem anderen – ebenfalls versicherten Stück – desselben Fahrzeugs verursacht.

Ein Unfall hingegen wird als ein Ereignis angesehen, welches plötzlich und unerwartet von außen mit mechanischer Gewalt einwirkt. Hierfür ist es immens wichtig, dass eine Einwirkung von außen auf das Fahrzeug vorliegt. Darüber hinaus muss dieses Ereignis auch noch unfreiwillig eingetreten sein; ein Autofahrer, der seinen Wagen absichtlich gegen einen Baum fährt, hat also keinen Unfall erlitten.

Es kann allerdings passieren, dass sich aus einem Betriebsschaden ein Unfallschaden entwickelt: wenn der Fahrer sich über das Verrutschen der Ladung derart erschrickt, dass er von der Straße abkommt und gegen einen Laternenmast fährt, so ist dies als ein Unfall anzusehen. Der Laternenmast wirkt hierbei von außen auf das Fahrzeug ein.

Wird ein Betriebsschaden von der Kfz-Versicherung übernommen?

Ein Betriebsschaden ist nicht von der Vollkaskoversicherung erfasst; von einer Teilkaskoversicherung demzufolge schon gar nicht. Dies bedeutet, dass ein Autofahrer, der einen Betriebsschaden erleidet, für diesen die Kosten alleine zu tragen hat.

Ist ein Reifenplatzer ein Betriebsschaden?

Im Allgemeinen ist davon auszugehen, dass ein Reifenplatzer als ein Betriebsschaden anzusehen ist, also als ein Ereignis, welches von innen auf das Fahrzeug wirkt. Dies bedeutet, dass für derartige Schäden kein Versicherungsschutz seitens des Kfz-Versicherers besteht – auch nicht bei Vollkasko. Überfährt beispielsweise ein Autofahrer einen Bordstein, woraufhin ihm ein Reifen an seinem Wagen platzt, so ist dies ein Betriebsschaden, für den kein Versicherungsschutz besteht [OLG Hamm, 15.11.2013, 20 U 83/13].

Hat sich aus einem Betriebsschaden noch ein Unfallschaden entwickelt, so trägt die Kosten hierfür die Versicherung. Dabei ist jedoch zu beachten, dass bei der Kostenübernahme der Schaden, welcher bereits durch den Betriebsschaden entstanden ist, herausgerechnet werden muss. Seitens der Kfz-Versicherung werden demzufolge nur jene Kosten übernommen, welche aufgrund des Unfallschadens entstanden sind.

Nun kann es aber Ausnahmen geben, in denen ein Reifenplatzer durchaus als ein plötzlich eintretendes, von außen wirkendes Ereignis anzusehen ist. Dies ist beispielsweise der Fall, wenn ein Autofahrer einen Fremdkörper überfährt, welcher sich in seinen Reifen bohrt. So hat das Landgericht Karlsruhe festgestellt, dass Schäden durch eine Schraube, die sich in einen Autoreifen gebohrt hatte und diesen schließlich zum Platzen brachte, nicht als Betriebsschäden angesehen werden können. Der vorliegende Schaden sei nicht aus einem Betriebsvorgang entstanden, sondern aufgrund eines von außen einwirkenden Ereignisses; demzufolge besteht für diesen Schaden ein Versicherungsschutz [LG Karlsruhe, 20.08.2013, 9 O 95/12].

Fazit: Grundsätzlich wird ein Reifenplatzer als ein Betriebsschaden angesehen, welcher nicht durch die Vollkaskoversicherung abgedeckt ist. In Ausnahmefällen ist es jedoch möglich, dass beim Platzen eines Reifens ein Unfallschaden vorliegt, für den ein Versicherungsschutz besteht.

Schlagwörter: Betriebsschaden, Unfallschaden

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